Radler stören auf Gehwegen

Verbotenerweise auf dem Gehweg fahren Radler etwa unter den stark frequentierten Arkaden an der Rheinstraße zwischen Grafen- und Neckarstraße. Foto: Guido Schiek

Mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fahren ist verboten und gefährlich. Trotzdem fahren dort immer mehr Leute. Wie geht die Stadt damit um? Ein Leserimpuls von Manfred Armbrecht.

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DARMSTADT. Manfred Armbrecht ist keiner, der pauschal über Radfahrer schimpft. Als er am "Leserimpulse"-Telefon anruft erzählt, dass er sich "in den letzten zwei Wochen mehrfach richtig geärgert" habe, spricht er von allen möglichen Verkehrsteilnehmern: Von Fußgängern, die ohne zu schauen einfach über die Straße laufen. Oder von Autofahrern, die ihren Wagen mal flugs in der Fußgängerzone vor einem Supermarkt oder dem Landesmuseum abstellen. "Der Egoismus der Leute ist so extrem gestiegen", findet er. Das Rechtsbewusstsein scheine völlig abhandengekommen sein.

Und das zeigt sich seiner Ansicht nach auch an der dritten Unsitte, die er zunehmend beobachtet und über die er sich etwas länger auslässt: Dass Radler verbotenerweise auf Bürgersteigen fahren. "Gnadenlos" gingen viele dabei vor. Teils seien sie auch noch ohne Licht im Dunkeln unterwegs. "Das sind richtige Rowdie-Sitten", klagt Armbrecht. "Da fühlt man sich als Fußgänger überhaupt nicht mehr sicher."

Er findet, dass die öffentliche Hand hier mehr durchgreifen müsste. Erst kürzlich habe er im Fernsehen einen Bericht über eine Verschärfung der Kontrollen gegen radelnde Verkehrssünder im benachbarten Frankfurt gesehen. "Ich behaupte: Wenn die Kommunalpolizei das richtig ahnden würde, würde das helfen."

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Doch das Ordnungsamt gibt laut dem städtischen Pressesprecher Klaus Honold auf ECHO-Anfrage zu bedenken "Das ist schwierig zu kontrollieren." Denn anders als etwa falsch parkende Autos seien radelnde Verkehrssünder nur sehr kurze Zeit an dem Ort, wo sie sich unerlaubt bewegten.

Auch die Polizei sieht Schwierigkeiten bei der Strafverfolgung. Die rechtswidrige Benutzung des Fußgängerbereiches wird laut Polizeipressestelle mit 15 Euro geahndet. Aber "durch die Anonymität auf dem Rad und die schnelle Fluchtmöglichkeit, ist eine Nacheile meist nicht möglich". Die spürbare Zunahme rücksichtslosen Verhaltens gegenüber Fußgängern liege dabei auch daran, dass der Radverkehr generell zugenommen habe. Auch sei eine Zunahme an Unfällen mit verletzten Radlern und Fußgängern erkennbar.

ADFC: Mangel an Kontrolle und schwindende Regeltreue

"Es fehlt an Kontrolle", findet auch Thomas Grän, Vorsitzender des örtlichen "Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs". Und das sei aus seiner Sicht ein Grund, warum ein generelles Schwinden der Regeltreue zu beobachten sei. Ein anderer sei: "Unwissenheit, was man darf und was nicht."

Fakt ist, dass Radfahren auf dem Bürgersteig nicht erlaubt ist - außer, er ist per Beschilderung zum Radeln freigegeben, man ist ein unter elf Jahre altes Kind oder begleitet als Elternteil sein auf dem Gehweg radelndes Kind. "Fakt ist auch", so fährt Grän fort, "dass viele auf Fußwegen zu schnell fahren." Da fehle es oft an einem Gefühl dafür, dass man Fußgänger verunsichere. Doch sei vielen Radlern andererseits auch nicht bewusst, dass sie sich selbst gefährdeten. "Wenn sie einen Fußgänger anfahren, sind sie voll in der Haftung", erläutert der ADFC-Vorsitzende. Und für den eigenen Schaden müsse man ohnehin selbst bezahlen. "Da können sie schwere Unfälle erleiden", gibt Grän zu bedenken. "Das ist dünnes Eis, auf dem man sich bewegt."

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Klar sei aber auch, dass Radfahrer den Bürgersteig nutzten, weil sie sich auf der Straße unsicher fühlten. Das stellt nicht nur Thomas Grän fest. Auch Sabine Crook, Vorsitzende des örtlichen Verkehrsclub Deutschland, weist darauf hin. "Manche retten sich auf den Bürgersteig, weil die Straße zu gefährlich ist."

Als Beispiel nennt sie die Rheinstraße stadtauswärts zwischen Grafen- und Neckarstraße: Dort seien häufiger Radler unter den Arkaden unterwegs, um sich vor den dort parkenden und fahrenden Autos zu schützen. Viele Straßen hätten zudem einen so schlechten Belag, dass das Radeln darauf gefährlich sei - etwa manches Kopfsteinpflaster. "Das könnte man recht simpel lösen, in dem man in der Mitte Platten verlegt." So, wie es etwa in der Gardistenstraße sei.

Doch generell gelte: Die Stadt müsse die Infrastruktur für den Radverkehr verbessern, um das Ausweichen auf den Gehweg weniger dringlich zu machen. Denn das, so betont auch Crook, heißen wir natürlich nicht gut, "weil es zu Konflikten führt".