Prozess um Mörlenbacher Familiendrama geht weiter

Niedergelegte Gegenstände vor dem Tatort zeugen kurz nach der Tat von der Trauer um die getöteten Kinder. Archivfoto: Katja Gesche

Im Prozess um zwei getötete Kinder in Mörlenbach hat sich der Vater eingelassen, seinen Sohn und die Tochter erstochen und mit Hammerschlägen getötet zu haben.

Anzeige

KREIS BERGSTRASSE. "Die Tötungen waren spontane Entschlüsse, ohne größeres Überlegen", liest Rechtsanwalt Roman Schweitzer die Einlassung seines Mandanten vor. Am Dienstag wurde der Prozess um die Kindermorde von Mörlenbach gegen die Eltern im Darmstädter Landgericht fortgesetzt. Wie schon in seinen Aussagen im Gefängnis und beim psychiatrischen Gutachter, gestand der 59 Jahre alte Angeklagte, dass er seine zehn Jahre alte Tochter und seinen 13 Jahre alten Sohn mit Messerstichen und Hammerschlägen tötete, Feuer legte und sich mit seiner Frau ins laufende Auto setzte.

Eine Sozialarbeiterin sagte aus, was die bislang recht stille Mutter in der Frauenhaftanstalt gesagt hatte. "Das System habe sie in die Situation getrieben", schilderte die JVA-Mitarbeiterin Äußerungen der Angeklagten. Die 46-Jährige habe schnell "externalisiert" und die Schuld auf andere übertragen. "Zunächst waren keine Emotionen zu erkennen", beschrieb sie die Angeklagte. "Wenn gesprochen wurde, ging es hauptsächlich um die Insolvenz." Laut psychologischem Dienst habe die Frau gesagt, der "Deal" mit ihrem Mann sei gewesen, dass alle vier gehen und nicht, dass zwei von ihnen übrig bleiben.

Widerspruchsklage gegen die Räumung scheiterte

Anzeige

Die Angeklagte hatte, um die Räumung am 31. August 2018 im letzten Moment zu verhindern, eine - erfolglose - Widerspruchsklage beim Amtsgericht Fürth eingereicht. Wie die Frau in dem Verfahren agiert habe, schilderte als Zeuge der Vollstreckungsrichter. Die Angeklagte hatte beim Amtsgericht darauf verwiesen, einige Räume des Hauses in Bettenbach gemietet zu haben - somit habe sie das Recht, ihre Investitionen in das Haus abzuwohnen. "Es sei aber nicht erkennbar gewesen, dass diese Verträge auch gelebt wurden", sagte der Vollstreckungsrichter, der dazu Unterlagen und Abrechnungen vermisst hatte. "Waren die Angeklagten anwaltlich vertreten?", fragte Verteidiger Sebastian Göthlich. "Nein, das war ja das schreckliche", sagte der Amtsrichter. Anwälte seien zu teuer, habe man ihm gesagt. Mit ihrem im Internet angelesenen Wissen seien die beiden Zahnärzte jedoch "juristisch und menschlich überfordert" gewesen. Wenn er darauf hingewiesen habe, dass beispielsweise ein Widerspruch nicht möglich sei, sondern nur eine Klage, sei der fast gleiche Text mit dem Wort Klage in der Überschrift "dahingefriemelt" und gefaxt worden.

Das Paar habe sich auch bei der hessischen Justizministerin beschwert, sagte der Amtsrichter. Ähnlich unkooperativ ("einheitlich verbissen") hatte der Insolvenzverwalter vor einer Woche die Angeklagten geschildert. "Die Ehefrau hat mich angemault, der Parkplatz müsse geräumt werden", betonte der Anwalt für Insolvenzrecht, wie einer seiner Besuche im November 2015 ablief. Gegen jeden seiner Schritte hätten beide Beschwerde eingelegt, zu der er beim Gericht Stellung nehmen musste, so der Insolvenzverwalter. "Ich bin noch nie so oft belogen und beschimpft worden." Eine Gerichtsvollzieherin hatte ausgesagt, dass die Angeklagte ihr einmal mitgeteilt habe, dass ihre Vermögensauskunft unwirksam sei, weil sie vorher Medikamente genommen habe. Der Angeklagte war ebenfalls mit ihr aneinandergeraten, als er sie und zwei Polizisten für eine Pfändung Ende April 2017 nicht ins Haus lassen wollte. "Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie die Polizeibeamten ihn ans Treppengeländer gefesselt haben", sagte die Gerichtsvollzieherin.

Der Vollstreckungsrichter aus Fürth schilderte weiter, dass die Angeklagte ihn am 28. August angerufen habe. In dem Gespräch habe die Frau unter anderem gesagt, dass ihr Sohn schon gefragt habe, wie gefährlich ein Sprung aus dem Fenster sei. Und als er an die Frau appellierte, dass man nicht im Krieg sei und das Leben auch ohne Haus weiter gehe, habe sie gesagt: "Vielleicht ist das ja unser Krieg gegen die Kassenzahnärztliche Vereinigung." Der Prozess wird am 17. April um 9 Uhr fortgesetzt.