Presseclub Darmstadt vergibt die Niebergall-Preise 2022

Die Journalisten Antonia Hirnich, Stefan Benz, Martin Rücker und Moritz Zschau sind Niebergall-Preisträger 2022. Die mit je 2000 Euro dotierten Preise werden alle zwei Jahre vom Presseclub Darmstadt in mehreren Kategorien vergeben. © Marc Wickel

ECHO-Redakteur Stefan Benz wurde für seinen Artikel über den Darmstädter Bürgerpark ausgezeichnet. Die anderen Preise gehen an hda-Studenten und einen Journalisten aus Berlin.

Anzeige

DARMSTADT. Eine Herausforderung, auch für Lokaljournalisten, waren die Corona-Lockdowns. In dieser Zeit, im Wintersemester 2020/2021, bekamen Online-Journalismus-Studierende der Hochschule Darmstadt (HDA) die Aufgabe „800 Meter Corona – Wie hat das Virus die Dieburger Fußgängerzone verändert?“

Was die Studierenden Lina Böhle, Antonia Hirnich und Moritz Zschau bis vor das in der Stadt liegende Gefängnis führte. Und so wurde „Pandemie in der Justizvollzugsanstalt“ ein Thema fürs HDA-Campusradio „Radio Funkloch“. Eine Radioreportage, für die das Trio nun mit dem Niebergall-Nachwuchspreis des Presseclubs Darmstadt ausgezeichnet wurde.

Die Niebergall-Preise 2022 wurden vom Presseclub am Mittwoch im HDA-Fachbereich Chemie- und Biotechnologie übergeben. Die Hochschule ist korporatives Presseclubmitglied.

Studenten widmen Preis verstorbenem HR-Journalisten

"Der Beitrag ist mitten in der tiefen Corona-Zeit entstanden", blickt Moritz Zschau (20) während der Preisvergabe zurück. "Und weil Antonia sich da sehr reingehängt hat, haben wir dann den Kontakt in die JVA bekommen", schildert er. Fragen wurden über die JVA-Leitung an einen Gefangenen weitergegeben, der diese dann beantwortete.

Anzeige

"Wir wollen den Preis Dirk Emig widmen", sagt Antonia Hirnich (24). Der 2021 verstorbene HR-Journalist Emig war HDA-Dozent und hatte die "800 Meter Corona"-Aufgabe formuliert und die Studierenden stets motiviert und unterstützt. Dirk Emig war beim Hessischen Rundfunk für das Ressort "Aktuelle Information" zuständig.

Investigativjournalist schreibt zu einem Lebensmittelskandal

Ausgezeichnet für seine Recherchen zu einem Lebensmittelskandal wurde der freie Journalist Martin Rücker aus Berlin. Der Investigativjournalist hatte im April 2022 in der "Welt am Sonntag" publiziert, dass Hygienemängel bei einem Lebensmittelproduzenten im Kreis Groß-Gerau zu Listeriose-Infektionen führten, von denen eine tödlich verlief. Das zuständige Veterinäramt des Kreises hatte das Unternehmen zwei Jahre lang nicht überprüft, dabei sind ein bis zwei Kontrollen pro Jahr vorgeschrieben.

„Was mich an der Auszeichnung sehr gefreut hat ist, dass ich sie als freier Journalist bekommen habe“, sagt Martin Rücker. Freie Journalisten leben von dem, was sie liefern. Als Investigativjournalist arbeite man aber keine Termine ab oder besuche Pressekonferenzen, erklärt er. Und Recherchen, deren Ausgang zudem unsicher sei, könnten auch Geld kosten, weist er hin. Hin und wieder müsse man Behörden auf Auskunft verklagen, schildert er. „Das ist etwas, was man sich als Freiberufler gut überlegt“, so der 42-Jährige.

ECHO-Redakteur Stefan Benz ausgezeichnet

Stefan Benz (56), Redakteur beim „Darmstädter Echo“, wurde für seinen Artikel über den Bürgerpark mit seinen Wildinseln, Freiflächen, Teichen und Sportanlagen ausgezeichnet. „Es ist eine Darmstädter Erfolgsgeschichte, die vielen Darmstädtern vielleicht gar nicht so bewusst ist“, hatte er im September 2021 im ECHO geschrieben und das auch mit Gesprächen mit Sportpädagogik- und Architekturprofessoren untermauert. „Die ganze Welt ist Bühne“, sagt Stefan Benz bei der Preisübergabe und zitiert damit William Shakespeare. Auch im Lokalteil ließen sich Dinge neu betrachten, erklärte der Redakteur.

Anzeige

Sonderpreise gab es bei der Kooperation mit dem Presseclub der ukrainischen Partnerstadt Ushgorod. Die Fotografen Serhii Hudak, Janosch Nemesch und Serhij Warhanow wurden für ihre Bilder aus dem Alltag seit Kriegsbeginn ausgezeichnet.