Podiumsdiskussion an der TU Darmstadt über Frauen in der...

Auf dem Podium diskutieren (von links) Brigitte Holz, Anke Karmann-Wössner, Dörte Gatermann, Theresia vom Stein, Matthias Koch und Johanna Saary über Frauen in der Architektur. Foto: Dirk Zengel  Foto: Dirk Zengel

Müssen Frauen vorhandene Chancen beherzter ergreifen oder müssen durch strukturelle Veränderungen diese Chancen erst verbessert werden? Diese beiden Positionen prallten am...

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DARMSTADT. Müssen Frauen vorhandene Chancen beherzter ergreifen oder müssen durch strukturelle Veränderungen diese Chancen erst verbessert werden? Diese beiden Positionen prallten am Mittwochabend im Fachbereich Architektur der TU Darmstadt aufeinander. Zur Frage „Frauen in der Architektur – wen interessiert’s?“ saßen mit Brigitte Holz, Anke Karmann-Wössner, Dörte Gatermann, Theresia vom Stein und Matthias Koch Architekten und Stadtplaner auf dem Podium, die durchweg eine erfolgreiche berufliche Laufbahn vorweisen konnten.

Vereinbarung mit dem Partner treffen

Die sahen in Sachen Karriere vor allem die Frauen selbst in der Pflicht. Das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsse im Privaten angegangen werden, beispielsweise durch Vereinbarungen mit dem Partner bei der Kinderbetreuung. Zudem seien die Chancen von Frauen in der Architektur noch nie so gut gewesen wie heute: Private und öffentliche Auftraggeber suchten oft händeringend nach Mitarbeitern. Eine Frauenquote sei in der Architektur obsolet, da in vielen Büros Frauen schon heute in der Überzahl seien.

Dabei hatten schon Brigitte Holz, Präsidentin der Architektenkammer Hessen, und die als Moderatorin agierende TU-Professorin Anett-Maud Joppien in ihren Eingangsstatements auf ein Missverhältnis hingewiesen: So liegt der Anteil der Architekturstudentinnen zwar bei über 50 Prozent. Bei den berufstätigen Architekten stellen sie jedoch nur noch einen Anteil von 40 Prozent. Schaut man sich Führungspositionen an Universitäten und Planungsbüros an, liegt der Frauenanteil noch niedriger.

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Auch Matthias Koch, Teamleiter eines großen Architekturbüros, stellte für sein Unternehmen selbstkritisch fest: „Obwohl wir in der Mehrzahl weibliche Mitarbeiter haben, sind leitende Funktionen eher von Männern besetzt.“ Auch seien Frauen eher in Planungsabteilungen tätig, Männer dagegen überwiegend in den „harten“ Bereichen Baumanagement und Wettbewerbe. Den Grund sieht er darin, dass es nach wie vor das klassische Rollenverständnis gibt, nachdem Familienangelegenheiten eher Frauensache seien.

Wortmeldungen aus dem Kreis der rund 60 Gäste machten zudem deutlich: Architektinnen werden im Schnitt schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen – bereits beim Berufseinstieg. Braucht es für echte Chancengleichheit also doch mehr als Appelle an den weiblichen Ehrgeiz? Als einzige auf dem Podium beantwortete dies Johanna Saary mit einem eindeutigen Ja: „Wir brauchen strukturelle Veränderungen“, forderte die ehemalige Fachschaftsvertreterin. Und die müssten schon im Studium beginnen. Ihre Analyse: Architekturstudium und -beruf basierten stark auf Wettbewerbsorientierung und Selbstdarstellung und damit auf Bereichen, bei denen Frauen aufgrund ihrer auf Zurückhaltung ausgerichteten Sozialisation in der Regel die schlechtere Ausgangsbasis hätten. Spätere Beschäftigungsverhältnisse seien geprägt von Befristungen, Teilzeitarbeit, unbezahlten Überstunden und – gerade bei der Arbeit für Wettbewerbe – Nachtarbeit. Vor die Wahl gestellt, entschieden sich daher Frauen eher für die Familie denn für die Karriere.

Für die Einführung von Tarifverträgen

Sie forderte neben der paritätischen Stellenbesetzung, die Entwicklung objektiver Bewertungskriterien für architektonische und planerische Entwürfe. Zudem machte sie sich für die Einführung von Tarifverträgen stark. Damit stieß sie bei den Podiumsteilnehmern zum Teil auf Zustimmung, auch wenn Brigitte Holz erklärte: „Ich kann nicht sehen, dass bei Gehaltsfragen mit Frauen und Männern unterschiedlich umgegangen wird. Und ich bin erstaunt, dass die Rolle der Frau in der Architektur so grundsätzlich diskutiert wird. Ich dachte, dass Geschlecht spielt keine Rolle mehr, es gehe nur um gute oder schlechte Architektur.“