Pille zur HIV-Prävention

Zum Schutz vor einer HIV-Infektion können Risikopatienten seit 1. September eine Pille auf Rezept bekommen. Archivfoto: dpa:

Seit 1. September gibt es das Medikament zur Prä-Expositionsprophylaxe (Prep) auf Krankenschein. Allerdings gibt es in Darmstadt keine Ärzte, die das Medikament verschreiben...

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DARMSTADT. Gegen Aids kann man sich mit Kondomen schützen: Das weiß spätestens seit der „Gib Aids keine Chance“-Kampagne in Deutschland hoffentlich jedes Kind. Seit dem 1. September übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nun auch die Kosten für ein Medikament, das verhindert, das sich das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) in Körperzellen festsetzen kann.

Nach einer Studie lassen sich dadurch rund 21 000 HIV-Infektionen in Deutschland verhindern. Allerdings gibt es Engpässe, was die ärztliche Versorgung angeht: Das Medikament dürfen nur Ärzte verschreiben, die auf HIV spezialisiert oder in der Behandlung von HIV-Patienten geschult sind. „Wir müssen bei Anfragen nach Frankfurt verweisen“, sagt Patricia Wagner, Geschäftsführerin der Aidshilfe in Darmstadt. In ganz Südhessen gebe es derzeit keinen Arzt, der das Medikament verschreibe.

Hohe Hürde durch Qualitätsvorgaben

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Die Versorgungsengpässe sind ein bundesweites Problem. „Wir brauchen eine Lösung, die lange Wege vermeidet und der Überlastung von Arztpraxen vorbeugt“, sagt Björn Beck vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe. Die fachliche Qualifikation lasse sich auch auf leichtere Weise sicherstellen. „Es darf nicht passieren, dass Menschen aufgrund fehlender Angebote von dieser Schutzmethode abgeschreckt werden – das könnte vermeidbare HIV-Infektionen zur Folge haben.“ Die Aidshilfe habe deshalb bereits die Kassenärztliche Bundesvereinigung und den GKV-Spitzenverband der Krankenkassen, die die Regeln für die Verschreibung auf Rezept erstellt haben, aufgefordert, hier nachzubessern.

Das Medikament mit den zwei Wirkstoffen zur Prä-Expositionsprophylaxe (Prep) ist neben Kondomen eine gute Möglichkeit, um sich vor HIV zu schützen. „Es gibt auch noch eine dritte Möglichkeit, die aber viele Menschen nicht kennen“, sagt Patricia Wagner: Auch HIV-Medikamente, die von HIV-positiven Menschen eingenommen werden, könnten HIV-Übertragungen verhindern. Die Vermehrung der Viren werde, wenn die Medikamente regelmäßig eingenommen werden, dadurch stabil unterdrückt. HIV könne dann selbst beim Sex nicht mehr übertragen werden.

Wer sich für die „Prep“-Prävention interessiert und ein erhöhtes HIV-Risiko hat – was beispielsweise bei schwulen Männern der Fall ist – muss dies mit einem Arzt besprechen, der dafür zugelassen ist. Eine Liste gibt es im Internet unter www.iwwit.de. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, können Ärzte ein Kassenrezept für drei Monate ausstellen. Die Tabletten müssen nach einem bestimmten Schema eingenommen werden „Da gibt es, je nachdem ob es sich um Männer oder Frauen handelt, Unterschiede“, sagt Patricia Wagner. Wer die Medikamente nimmt, muss sich zudem alle drei Monate Checks bei Ärzten unterziehen. Überprüft werden beispielsweise Nierenwerte, Tests auf Heptatis B, HIV und auf Geschlechtskrankheiten. Die meisten Menschen vertragen das Medikament gut, Nebenwirkungen sind durch die enge medizinische Begleitung gut handhabbar. Bei Frauen muss beispielsweise regelmäßig die Knochendichte überprüft werden.

Der Vorteil der Präventionsmethode: Anders als bei Kondomen können Leidenschaft, Rausch oder auch Ängste nicht dazu führen, dass die Anwendung unterbleibt. „Prep“-Nutzer sind auch nicht auf die Mitwirkung der Partner oder Partnerin angewiesen. Unbeschwerter Sex ist auch mit dieser Methode jedoch nur dann möglich, wenn die Medikamente richtig angewendet werden. Ansonsten bleibt immer eine gewisse Ungewissheit.

Weitere Infos gibt es auf www.darmstadt.aidshilfe.de.