Nur drei Trinkbrunnen in Darmstadt

Im Martinsviertel ist es auf dem Lichtenbergplatz möglich, sich an einem Trinkbrunnen zu bedienen. Das hat Seltenheitswert in der Stadt. Foto: Andreas Kelm

Genügend Wasser zu trinken, ist bei Hitze wichtig. In Darmstadt gibt es zwar nur wenige Trinkbrunnen, aber etliche weitere Stellen, an denen man seine Flasche auffüllen kann.

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DARMSTADT. Köstlich schmeckt das Wasser, das aus dem Trinkbrunnen am Lichtenbergplatz fließt. Und es tut gut, Ecken in der Stadt zu haben, wo dies möglich ist. Allerdings ist das Angebot überschaubar.

Aktuell gibt es in Darmstadt lediglich drei Trinkbrunnen, verteilt auf zwei Standorte. „Der Trinkbrunnen am Lichtenbergplatz muss wegen mutwilliger Zerstörung regelmäßig repariert werden“, sagt Klaus Honold von der städtischen Pressestelle. „Er spendet aber derzeit Trinkwasser zur Erfrischung während der heißen Sommertage.“

Trinkbrunnen im Herrngarten werden saniert

Zwei weitere Trinkbrunnen befinden sich im Herrngarten. „Hier werden zurzeit Arbeiten für die Wiederinbetriebnahme ausgeführt“, so der städtische Sprecher. Die Erneuerung der Wasserzuleitungen für diese Trinkbrunnen sei sehr aufwendig – aber notwendig, um einen einwandfreien hygienischen Zustand herzustellen. Weitere Standorte für neue Trinkbrunnen seien in Prüfung und werden nach aktuellen Erkenntnissen ab Frühjahr 2023 den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung gestellt.

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Seit Dezember 2020 fordert eine EU-Verordnung Städte auf, Trinkwasser-Entnahmestellen anzubieten, damit sich die Bürger bei ihrem Stadtbummel damit versorgen können. In Darmstadt gab es neben dem am Lichtenbergplatz (ab 2012) auch am Eingang zum Alten Friedhof und in der Bartningstraße Trinkbrunnen; diese sind jedoch nicht mehr in Betrieb. Vandalismus hatte immer wieder aufwendige Reparaturen nach sich gezogen.

Und wie sieht es mit kostenlosem Wasser beim Restaurant-Besuch aus? In südeuropäischen Ländern ist es üblich, dass zum bestellten Wein eine Karaffe Leitungswasser auf den Tisch gestellt wird – oft ohne dass der Gast danach fragen muss. In Deutschland ist das anders. Manchmal landet das verlangte Leitungswasser sogar auf der Rechnung. Warum eigentlich? „Wenn der Gastronom für die Bereitstellung von Trinkwasser Geld verlangt, dann kompensiert dies vorrangig die Deckung der Dienstleistung“, erläutert Christine Friedrich, Dehoga-Geschäftsführerin in Südhessen. Ein Betrieb gebe circa zwei Drittel der Einnahmen für die Deckung von Personalkosten und allgemeinen Betriebsaufwänden aus, sagt sie. Doch jeder Gast, der Leitungswasser bestellt, konsumiert normalerweise weniger andere Getränke.

Internetseite listet Refill-Standorte auf

Allerdings sei auch die Nachfrage in den Lokalen nach Leitungswasser relativ gering, weshalb in den meisten Darmstädter Betrieben von der Berechnung abgesehen werde. „Aber die Preisgestaltung ist ein hohes unternehmerisches Gut, das unbedingt gesetzlich beibehalten werden muss“, findet Friedrich.

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Kostenloses Leitungswasser gibt es laut der Internetseite www.refill-deutschland.de an etlichen Stellen in Darmstadt, unter anderem in Apotheken, Gastronomie-Betrieben und Geschäften. Überall, wo der Refill-Aufkleber angebracht ist, kann man sich kostenfrei Leitungswasser in die mitgebrachte Flasche auffüllen lassen und so Plastikmüll vermeiden, heißt es auf der Website.

Unter anderem wird das Café Mondschein genannt, das Tobias Wenz mit seiner Schwester in der Wilhelminenstraße betreibt. Sie seien vor drei oder vier Jahren vom Citymarketing auf Refill aufmerksam gemacht worden, erzählt Tobias Wenz. Allerdings: „Es wird selten wahrgenommen.“ Etwa einmal pro Tag komme dort jemand vorbei, um seine Flasche mit Wasser auffüllen zu lassen.

Kostenloses Wasser sei eine Serviceleistung

Auch wer sich ein Getränk im Café Mondschein kaufte, konnte sich an der Theke selbst ein Glas Wasser einschenken. In der Pandemie habe es diese Station zur Selbstbedienung aber nicht gegeben, erzählt Wenz. Dass sie wieder kommt, sei aber geplant. In der Zwischenzeit erhält jeder Kunde – wenn gewünscht – ein Glas Wasser zum Getränk.

Und was ist mit den Kosten fürs Leitungswasser? „Da wird schon mehr durch Händewaschen oder Pflanzengießen verbraucht“, sagt Wenz und lacht. Auch sei die Menge der aufgefüllten Flaschen gering, die meisten kämen mit Thermosflaschen, in die vielleicht nur ein halber Liter reinpasse, schätzt er.

Auch in der La-Vie-Apotheke in Bessungen gibt es kostenloses Leitungswasser. „Das ist einfach eine Serviceleistung“, erklärt Inhaber Bernd Lobuscher. Manche Kunden müssen zum Beispiel sofort Medikamente einnehmen, dazu können sie einen Schluck Wasser trinken. Auch wer nichts kauft, könne seine Flasche auffüllen lassen. Aber auch hier ist die Nachfrage gering. Etwa drei Menschen pro Wochen kommen dafür in die Apotheke.