Neuer Prozess um zerstückelte Leiche in Eberstadt

Der Bundesgerichtshof hat das Urteil des Darmstädter Landgerichts aufgehoben. Der entsprechende Antrag der Verteidigung hatte damit Erfolg.

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DARMSTADT. Der Prozess um den Eberstädter, der in der Neujahrsnacht 2019 seine Freundin erwürgt und dann zerstückelt hat, muss neu verhandelt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Landgerichtsurteil aus dem Dezember 2019 auf Antrag der Verteidigung aufgehoben. Der Fall wird 2021 bei einer anderen Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt komplett neu verhandelt.

Der Bundesgerichtshof hat ein Verwertungsverbot festgestellt. Er kritisiert, dass die Aussage, die die Mutter des Angeklagten bei der Polizei gemacht hatte, verlesen worden war. Obwohl die Frau im Gericht die Aussage verweigert hatte. Die Mutter hatte dann aber auf Nachfrage der Kammer gesagt, dass ihre Aussage bei der Polizei verwendet werden dürfe. Dieses Nachfragen war für den BGH aber zu wenig. Die Mutter hätte über mögliche Folgen besser belehrt werden müssen, fanden die Richter.

In der kommenden Verhandlung soll das Gericht prüfen, ob tatsächlich Mord vorlag, so der Bundesgerichtshof. Dass der Angeklagte die Frau vorher getötet hatte, bezweifelten die BGH-Richter nicht.

Das Landgericht Darmstadt hatte den jetzt 36 Jahre alten Deutsch-Mexikaner am 19. Dezember 2019 wegen Mord aus niedrigen Beweggründen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er habe bestimmen und erniedrigen wollen, so das Gericht. Der Mann hatte seine 40 Jahre alte Freundin bei einem Streit erwürgt und dann die Leiche zerstückelt. Beide waren drogenabhängig.

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Der unter anderem wegen Körperverletzungen vorbestrafte Angeklagte hatte bis zum Urteil behauptet, die Frau nicht getötet zu haben. Er hatte nur eingeräumt, die Leiche zerlegt zu haben, um sie verschwinden zu lassen, damit er nicht verdächtigt wird. Der Tod der 40-Jährigen war laut dem Angeklagten Folge eines Unfalls oder einer Überdosis. Rechtsmediziner hatten allerdings festgestellt, dass die Frau minutenlang gewürgt worden war.

Laut Zeugen hatte der Angeklagte seine Freundin ab seinem Einzug in deren Wohnung regelmäßig gedemütigt, misshandelt und gewürgt. Er soll ihr auch gedroht haben, sie zu erwürgen und zu zerstückeln.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor einem Jahr auf 13 Jahre Haft wegen Totschlag plädiert, die Verteidigung hatte die Tat als Impulstat sowie Körperverletzung mit Todesfolge bewertet und kein Strafmaß genannt.