Naturschützer kritisieren Darmstadts Masterplan 2030+

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nennt den Entwicklungsplan für Darmstadt unausgegoren und rechtswidrig.

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. DarmstadtDie Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat den vom Magistrat beschlossenen neuen Stadtentwicklungsplan für Darmstadt, den sogenannten Masterplan 2030+, scharf kritisiert. Der Plan sei nicht nur in seinen Zielen widersprüchlich, da er vorgebe die Belange des Klimas und des Arten-, Natur- und Landschaftsschutzes zu berücksichtigen, sondern auch rechtswidrig, da er gesetzlich geschützte Gebiete zur "Schaffung klarer Siedlungskanten durch Arrondierung" in Anspruch nehme, erklärte der Kreisverband Darmstadt.

Der Plan, der kommende Woche vom Stadtparlament beschlossen werden soll, unterscheidet zwischen "prioritären Potenzialflächen" der Stadtentwicklung und "perspektivischen". Zu den Prioritären zählen etwa das Ludwigshöhviertel und die Starkenburgkaserne. Für Kritik unter anderem auch der SPD sorgen vor allem die perspektivischen Flächen, darunter in Eberstadt zwei größere Areale an der B 426, eines südlich der Modaupromenade und eines südlich des Friedhofs. Auch am Wolfhartweg sollen weitere Flächen bebaut werden.

Die Grenzen der städtischen Planungshoheit hätten sich innerhalb von Recht und Gesetz zu bewegen. Deshalb könnten Gebiete, die durch Rechtsverordnung als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind, nicht als prioritäre oder perspektivische Siedlungsflächen dargestellt werden, kritisierten die Naturschützer. Ähnliches gelte für die im Regionalplan ausgewiesenen Grünzüge. Gerade aus Gründen des Klimaschutzes sind die bewaldeten Ränder Darmstadts nach Auffassung der Schutzgemeinschaft unbedingt schutz- und erhaltenswürdig. Der Masterplan sei ein respektloser Umgang mit diesen Bereichen.

"Die Neujahrsbotschaft des Oberbürgermeisters, den Wald wegen des Klimas zu schützen und ihn nicht umzuwidmen, wird mit diesem rein auf Wachstum hin orientierten Planwerk ins Gegenteil verkehrt", betonten die Naturschützer. Das bewiesen allein schon die in Eberstadt ausgewiesenen perspektivischen Siedlungsflächen, die allesamt landschaftsgeschützte Waldflächen seien. "Das ist kein verträgliches, nachhaltiges Stadtwachstum, wie es Frau Stadträtin Boczek verspricht", hieß es.

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Die Schutzgemeinschaft forderte die Stadtverordneten auf, diesem "unausgegorenen, rein auf Wachstum getrimmten Plan" nicht zuzustimmen und den Magistrat anzuhalten, die gesetzlichen Schranken der Planungshoheit zu beachten. Die Vorgaben des städtischen Landschaftsplans seien als Maßgabe zur verträglichen nachhaltigen Stadtentwicklung in den Masterplan einzubeziehen.

Auch die Interessengemeinschaft Eberstädter Wald kritisierte den Masterplan und verlangte, den Wald im Südosten Eberstadts zu erhalten. In einem offenen Brief will sie das auch gegenüber der Stadtverordnetenversammlung deutlich machen. Dazu soll es am Freitag, 19. Juni, um 18 Uhr in der Kirche der Dreifaltigkeitsgemeinde ein Treffen geben.

Von Joachim Nieswandt