Nach dem Rosenkrieg

Trennungen sind immer schmerzlich. Die Soziologin Cornelia Koppetsch ist auf der Suche nach Paaren, die bereit sind, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Archivfoto: dpa

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar sich trennt, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Cornelia Koppetsch, Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt,...

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DARMSTADT. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar sich trennt, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Cornelia Koppetsch, Professorin für Soziologie an der TU Darmstadt, untersucht gemeinsam mit ihren Projektmitarbeiterinnen Eva-Maria Bub und Judith Eckert, warum sich Paare trennen, wie das geschieht und wie Trennungen verhindert werden können. Dazu sind die Wissenschaftlerinnen auf der Suche nach Ex-Paaren, die bereit sind, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

In den 1960er Jahren wurde etwa ein Fünftel der Ehen geschieden, heute liegt der Anteil bei 37 Prozent. "Nicht nur Ehen sind instabiler geworden, auch die Beziehungen unverheirateter Paare erodieren", sagt Cornelia Koppetsch. Die Fluktuation von Beziehungen sei von Generation zu Generation gestiegen. Doch warum trennen sich Paare und wie geschieht das? Und wie könnten Trennungen vielleicht auch verhindert werden?

Die Soziologin ist für die Studie auf der Suche nach insgesamt 24 Paaren, die bereit sind, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Für die Tiefenanalysen werden die ehemaligen Paare, getrennt voneinander, ausführlich von dem Forschungsteam interviewt. "Wir wollen verheiratete und unverheiratete Paare, die sich getrennt haben, befragen. Zum Kennenlernen, zur Beziehungsgeschichte, zum Beziehungsalltag und zur Trennung", so die Soziologin.

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"Erste Ergebnisse zeigen, dass Trennungen komplexe Prozesse sind, die oft mehrere Jahre andauern", so die Soziologin Cornelia Koppetsch. On-Off-Beziehungen sind häufig, oftmals können Paare auch gar nicht rational begründen, warum sie sich nicht mehr gut verstehen. Und es ist eher selten, dass Paare nach einem Streit, wenn es gehörig geknallt hat, nicht mehr zusammenfinden. "Viele Paare kommen danach doch wieder zusammen. Sie bleiben selbst dann noch eng verbunden, wenn die Beziehung vorbei ist und sich das Paar schon nicht mehr als Paar definiert", sagt Cornelia Koppetsch. Häufig kommt es zu einer Nachbeziehung, in der das Paar gelegentlich noch Zärtlichkeiten austauscht oder wichtige Bereiche des Lebens miteinander teilt. "Natürlich gibt es Paare, die im berühmten Rosenkrieg enden. Doch auch sie haben meist eine lange Trennungsgeschichte durchgemacht", sagt die Soziologin. Zur Scheidung komme es typischerweise eher bei solchen Paaren, die sich innerlich schon lange voneinander abgewendet haben aber - oft wegen der Kinder, des gemeinsamen Hauses oder der Firma - noch aneinander gebunden sind.

"Es müssen viele Bindungsschichten abgetragen werden, bis ein Paar endgültig getrennt ist", erklärt Cornelia Koppetsch. Die Ursache jedoch kann auf eine einfache Formel gebracht werden: Der implizite Beziehungsvertrag, gewissermaßen der genetische Code des Paares, ist aufgekündigt worden, er funktioniert nicht mehr. Das führt dann zu Konflikten. "Das klingt banal, ist es aber nicht", sagt die Soziologin. Die meisten Paare, so ihre Beobachtung, wüssten oft gar nicht genau, was genau sie zusammengeführt hat und was sie aneinander hält. "Ebenso wenig wissen sie, was sie voneinander trennt. Denn die Konflikte und Streitigkeiten, die aus der Verletzung des Vertrags resultieren, treffen oft nicht den Kern." Das, was ein Partner sagt und meint, ist nicht immer das, was er sich wirklich wünscht und was er tut. Und das was der Partner aus einem Gespräch folgert, muss nicht unbedingt mit dem übereinstimmen, was der andere fühlt.

Welche Erwartungen Menschen haben und welche Beziehungsverträge sie schließen, ist individuell ganz unterschiedlich. Alters- und Milieu-Unterschiede spielen eine zentrale Rolle. "Bei jüngeren Paaren spielt der Vorgriff in die Zukunft eine entscheidende Rolle. Bei älteren Paaren geht es zumeist um den Beitrag, den jeder Partner zum gemeinsamen Leben beisteuert", so Cornelia Koppetsch. "Auch da liegen Sagen und Tun oft weit auseinander. Denn die Partner unterliegen oft Täuschungen hinsichtlich dessen, was sie zu geben meinen und dessen, was sie vom anderen erwarten können."