Mehr Sicherheit auf dem Cityring

Gefährliche Situationen für Fußgänger auf der Kirchstraße. Foto: Torsten Boor

Für die tödliche Unfallstelle auf dem Cityring in Darmstadt haben Fachleute schon 2006 einen weiteren Überweg empfohlen. Der damalige Verkehrsentwicklungsplan erhält nun...

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DARMSTADT. Die gefährliche Überquerung des Cityrings, wo vor zwei Wochen eine 53 Jahre alte Frau ums Leben kam, ist von Verkehrsexperten längst als Risiko-Stelle erkannt worden. Sie empfahlen schon vor zwölf Jahren einen weiteren Überweg zwischen Innenstadt und östlicher City auf der Kirchstraße. Der Darmstädter Verkehrsentwicklungsplan von 2006 bekommt jetzt neue Brisanz. Rad-Aktivisten machen Druck, dass die Empfehlungen der Fachleute endlich umgesetzt werden.

Dutzende Fußgänger und Radler kreuzen den Cityring jede Stunde - auch an Stellen, wo es lebensgefährlich ist. Beim Ortstermin am Vormittag hechten minütlich Menschen jedes Alters in Höhe Schulstraße und Stadtkirche über die beiden Autospuren und die Straßenbahngleise. Zwischen 22 und 6 Uhr gilt hier Tempo 30, aber tagsüber sind Personenwagen, Lastwagen und Busse mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Innenstadt unterwegs.

Radfahr-Aktivisten machen jetzt Druck

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Manche schieben ihre Räder, manche radeln hinüber, müssen dabei noch besonders auf die höher gelegte Gleisanlage achten. Dabei gibt es wenige Meter entfernt zwei Ampelanlagen sowie eine sichere Unterführung. Doch sehr vielen Passanten scheint das immer noch zu umständlich. Das haben Experten schon lange erkannt und die Stadtpolitik hat den Empfehlungen zugestimmt. Geschehen ist an dieser Stelle aber bislang nichts.

Jetzt holen die Aktivisten der Initiative "Radentscheid" den Plan, der 2006 vom Parlament verabschiedet wurde, wieder hervor. Darin steht klar die Empfehlung: "Ebenerdige Kreuzungsmöglichkeiten sind an folgenden Stellen neu zu schaffen: Kirchstraße/Schulstraße, Holzstraße/Klein-Schmittsteg/Stadtbücherei; Hügelstraße/Schützenstraße."

Mehr noch: Die Experten empfehlen, den Autoverkehr auf dem Cityring deutlich zu reduzieren. Eine Variante sieht den Rückbau der Kirchstraße auf eine Autospur vor, dabei würde der restliche Verkehr über die Teichhausstraße gelenkt. Eine zweite Variante macht die Trasse der Kirch- und Holzstraße sogar zur Fußgängerzone, die bis zum Schloss reichen würde. Angesichts steigender Einwohner-, Pendler- und Kraftfahrerzahlen dürfte das Szenario eher an Relevanz gewonnen haben.

Sind diese Ideen dem Magistrat noch gegenwärtig? Die Empfehlungen des Verkehrsentwicklungsplans von 2006 seien immer noch generelle Grundlage für die Planung, heißt es bei der Stadt. "Diese Maßnahmen sollen auch umgesetzt werden - im Lichte der Gegebenheiten." Bedeutet: Vor einer konkreten baulichen Veränderung der Straße wäre diese nochmal von Fachleuten auf ihren aktuellen Zustand hin zu betrachten und zu bewerten. Die Stadt könnte handeln - wenn sie wollte.

Auswirkungen auf andere Verkehrsteilnehmer

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Ein Antrag ans Parlament, der letzte Woche von der Fraktion "Die Linke" eingebracht (aber nicht behandelt) wurde, verweist auf die Autonomie der Kommune in dieser Sache. "Maßnahmen zum Schutz der Wohnbevölkerung kann die Stadt auch in ihrem eigenen Wirkungsfeld beschließen", heißt es in der Begründung des Antrags, "und ist nicht an die Einschätzung des Landes gebunden." Auch die städtische Pressestelle sagt: "Das ist eine Frage des politischen Willens."

Die Stadt verweist aber auch auf die Folgen, die ein weiterer Fußgänger-Überweg auf die anderen Verkehrsteilnehmer hätte. In die Kirchstraße rollt der gesammelte Autoverkehr, der aus der Karlstraße, Hügelstraße und Nieder-Ramstädter Straße kommt. Auch drei Straßenbahnlinien bündeln sich hier. "Morgens gibt es da jetzt schon einen Rückstau bis in die Karlstraße hinein, sodass die Straßenbahnen behindert werden und sich verspäten." Eine weitere Querung würde weiteres Anhalten für die Kraftfahrer bedeuten, Von Verkehrsfluss kann dann erst Recht keine Rede mehr sein. Vor einer neuen Überquerung müsste man, so die Konsequenz, erstmal die Autoströme reduzieren, die aus dem City-Tunnel in die Hügelstraße rollen. Immerhin: Die Stadt sagt, sie wolle "prüfen, wie die Gefahrenpunkte baulich entschärft werden können".