Leserimpuls: Laster beschädigen in der Darmstädter Straße...

Eichen sollst du weichen. Das ist in der schmalen Wohnstraße "Im Emser" angesichts ausragender Äste und parkender Autos nicht einfach zu befolgen. Durch vorbeifahrende Lastwagen werden viele Bäume deshalb beschädigt. Foto: Guido Schiek

Die ausladenden Bäume in der Darmstädter Wohnstraße "Im Emser" werden immer wieder von Lastwagen gerammt. Nun denkt die Stadt über ein Lkw-Durchfahrverbot nach.

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DARMSTADT. Die Wohnstraße "Im Emser" ist eine hübsche Adresse im Komponistenviertel. Gesäumt von kapitalen Eichen und Einfamilienhäusern zieht sie sich gediegen entlang der Bahnlinie für die Odenwaldbahn. Doch etwas trübt die bürgerliche Idylle: An einigen der alten Bäume klaffen tiefe Wunden, reingerammt durch vorbeifahrende Lastwagen oder sonstigen Transportern.

Rainer Kumme wohnt in der Nähe und beobachtet das schon länger mit Sorge. "Hundertjährige Eichen in Gefahr", unter dieser Überschrift hat sich der 72 Jahre alte Komponistenviertler kürzlich in einer Mail an die ECHO-Leserimpulse gewandt. "Kein Gemecker", schickte er im Betreff betonend vorweg - "eine Anregung."

Bei seinen täglichen Fahrten durch die Straße 'Im Emser' stelle er fest, dass großvolumige Lkw die auf der westlichen Seite zwischen Heinrich-Rinck-Weg und Eisenbahnbrücke Richard-Wagner-Weg in den Straßenraum reinragenden Eichenäste "schwer verletzen" würden. "Wohl hat das Gartenamt hier bereits einmal versucht, mit Leinen-Verbänden für 'Heilung' zu sorgen", berichtet er. Aber auch die seien inzwischen zum Teil abgefahren und hingen von den Ästen runter.

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So stellt es sich auch bei einem Ortsbesuch des ECHOs dar. Auffällig ist zudem, dass mehrere der besonders großen Eichen an den Stämmen oben mit weißer Farbe markiert sind. Deren dicken Äste ragen teils in einem sehr flachen Winkel in den Straßenraum. Und weil auf der gegenüberliegenden Seite der eher schmalen Straße Autos parken, kommen vorbeifahrende hohe Fahrzeuge den ausragenden Eichenästen gefährlich nahe. Eichen sollst du weichen? Das ist hier nur beschränkt möglich.

Doch Rainer Kumme hat da eine Idee: "Abhilfe ist meines Erachtens leicht zu erreichen." Würde die Stadt dort ein Parkverbot einrichten, müssten große Fahrzeuge auf dem schmalen Straßenabschnitt weder sich noch vor allem die Bäume in Gefahr bringen.

"Eichen werden regelmäßig vom Grünflächenamt kontrolliert"

Und bevor hier angesichts wegfallender Autostellplätze ein Empörungssturm losbricht, schiebt Kumme besänftigend hinterher: Seiner Kenntnis und Inaugenscheinnahme nach hätten hier alle Anwesen Garagen- oder Carport-Abstellplätze, "sodass ein 'Aufschrei' bezüglich eines Parkverbots gewiss ausbleibt und man sich vielmehr als Bewahrer der Eichen sieht".

Dass die Bäume dort gefährdet sind, bestätigt die Stadt auf ECHO-Anfrage. "Die Eichen werden regelmäßig vom Grünflächenamt kontrolliert", teilt die städtische Pressestelle mit. Zwar handle es sich bei ihnen nicht um ein Naturdenkmal, doch seien sie schätzungsweise bis zu 140 Jahre alt, was ein respektables Alter sei.

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Da die Bäume sehr nahe an der Straße stünden und einige Äste zudem relativ flach in den Straßenraum ragten, komme es immer wieder mal vor, "dass Lastwagen mit ihren Aufbauten Ast- oder Stammverletzungen verursachen", heißt es weiter. "Um die Stämme besser sichtbar zu machen, wurden einige Bäume mit weißer Farbe angestrichen." Denn Schilder, die auf die ausragenden Bäume hinweisen, hätten sich an anderer Stelle als nicht hilfreich erwiesen.

Für eine nicht gangbare Lösung hält die Stadt auch Rainer Kummes Vorschlag: "Es ist fraglich, ob es durch die Einrichtung einer Halteverbotszone in Zukunft nicht mehr zu Baumverletzungen kommen würde", wird konstatiert, ohne das näher zu begründen. Favorisiert wird vielmehr eine andere Option: "Ein generelles Durchfahrverbot für Lastwagen wäre für die alten Eichen die beste Lösung." Das Grünflächenamt werde sich hierzu mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde in Verbindung setzen. Unabhängig vom Ergebnis dieses Austauschs werde die Behörde den Weißanstrich an den Bäumen erneuern.