Leserimpuls: "Es tut sich einfach nichts"

Sabine Silz kümmert sich um verwilderte Katzen auf einem Grundstück im Steinbergviertel.  Foto: Andreas Kelm

Katzenbetreuerinnen, die ein Grundstück von der Stadt Darmstadt pachten wollen, fühlen sich von der Kommune hingehalten. Diese verweist auf einen anhängigen Rechtsstreit.

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DARMSTADT. Sabine Silz ist mit ihrer Runde durch, alle Näpfe sind mit Futter gefüllt. Zwar ist von ihren Schützlingen gerade nichts zu sehen, scheu sind die verwilderten rund zwanzig Katzen, Streicheltiere sind das schon gar nicht. Dennoch fährt die 55 Jahre alte Arheilgerin täglich mit dem Rad oder der Bahn hierher ans andere Ende der Stadt ins Steinbergviertel, um sie mit Futter zu versorgen. Es ist ein Akt ehrenamtlichen Engagements, der Fragen aufwirft in Richtung Stadt.

Seit Sommer 2017 kümmern sich Silz und die ehrenamtliche Katzenbetreuerin Edda Obst um das verwilderte Rudel, das auf einem Gartengrundstück im Heinrichwingertsweg gefunden worden ist. Das Tierheim war darauf aufmerksam geworden und hatte Obst eingeschaltet, die seit Jahren verwilderte Katzen einfängt, kastrieren lässt und wieder aussetzt. Das hat die 76 Jahre alte Rentnerin auch dort getan und kümmert sich seither mit Hilfe ihrer Mitstreiterin Silz und unterstützt vom Tierheim um die Katzenschar.

"Ich mache das für die Tiere", sagt Edda Obst, die auch an anderen Stellen der Stadt Katzen betreut. Sie mache das gern, das betont auch Sabine Silz. Aber es gibt etwas, was sie zunehmend verärgert: Sie fühlen sich von der Stadt alleine gelassen in ihrem Engagement, das auch im Zusammenhang mit der 2015 eingeführten Katzenschutzverordnung steht.

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Dem Pächter zum Februar 2018 gekündigt

Laut Obst hat die Stadt dem Pächter, der zur Zeit des Katzenfunds auf dem städtischen Grundstück mit zwei Gartenhütten gelebt habe und mit den Tieren überfordert gewesen sei, zum Februar 2018 gekündigt. Sie würden den Garten gerne pachten und bemühen sich seit Herbst intensiv darum. "Aber es tut sich einfach nichts." Zwar habe es mehrfach Kontakt mit dem städtischen Immobilienmanagement (IDA) geben. Dabei sei es auch um die Frage der Entsorgung von Müll gegangen, den der Vorpächter hinterlassen habe. Auch sei das Tor kaputt. Doch nachdem Ende des Jahres gesagt worden sei, man kläre das und melde sich wieder, hätten sie Monate nichts gehört.

Als Obst auf Nachfrage im Büro des Bürgermeisters Reißer gesagt bekommen habe, der sei dafür nicht zuständig, ist ihr der Geduldsfaden gerissen. "Er hat doch das Gesetz erlassen", betont sie mit Verweis auf die Katzenschutzverordnung inklusive Registrierungs- und Kastrationspflicht, die zur Eindämmung der wachsenden Zahl wild lebender Katzen Darmstadt geschaffen wurde. "Nur, was dann aus den Katzen wird, da kräht kein Hahn nach."

Das Grundstück im Heinrichwingertsweg sei "optimal", um eine Art Katzenhort einzurichten. Das Rudel lasse sich dort nicht vertreiben. Und wenn sie anderswo Katzen einfingen und in Kooperation mit dem Tierheim kastrierten, könnten sie auch solche Katzen übergangsweise dort unterbringen. Sinnvoll fände das auch Tierheim-Leiter Christian Zentgraf. "Diese Tiere brauchen irgendwo eine Insel." Denn sie seien zu verwildert, um bei Menschen zu leben.

Rechtsstreit mit Pächter des Grundstücks

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Die Stadt indes legt sich in der Grundstücksfrage auch auf ECHO-Anfrage nicht fest. "Die Stadt befindet sich mit dem Pächter des Grundstücks im Rechtsstreit", teilt die Pressestelle mit. Dem Räumungsurteil sei er noch nicht nachgekommen. Eine Neuverpachtung sei erst dann möglich - ob an Edda Obst, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Auch nicht, wann eine Entscheidung zu erwarten ist. Zwischenzeitlich habe es eine Ortsbegehung mit dem EAD gegeben. "Die Beseitigung des Mülls und die Reparatur werden von IDA veranlasst, obwohl dies noch Aufgabe des Pächters wäre." Und sobald Klarheit über den Räumungsverkauf besteht, werde Kontakt mit Edda Obst aufgenommen.

Doch die findet, die Stadt müsste die Katzenkümmerer mehr unterstützen. "Es gibt noch viele Streuner, die unkastriert sind, und das Tierheim kann sich nicht alleine kümmern." Sie findet, es müsste hierfür einen festen städtischen Ansprechpartner geben, es gebe ja auch eine Hundebeauftragte. Doch die Stadt sieht dafür keine Notwendigkeit. Die Umsetzung der Katzenschutzverordnung funktioniere größtenteils sehr gut, heißt es - auch dank freiwilliger Helfer wie Edda Obst.