„Kleine Schätze“ gibt es in Darmstadt frei Haus

Der Umsonstladen in der Postsiedlung, hier Bastian Ripper an der Theke, verschenkt Spielzeug und Dinge des täglichen Gebrauchs an Bedürftige. Foto: Guido Schiek

Der Umsonstladen in der Postsiedlung erfüllt kostenlos kleine Weihnachtswünsche der Bewohner im Quartier. Erhältlich sind unter anderem Spielsachen und Haushaltsgeräte.

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DARMSTADT. Das Schaufenster des Umsonstladens ist nicht groß und auch der Laden nicht, der vom Fenster aus einsehbar ist. Aber mit den Räumen dahinter sind es 200 Quadratmeter, die dem Umsonstladen zur Verfügung stehen, eine Fläche, auf der man einiges unterbringen kann. „Wir haben so viele tolle Dinge von den Menschen aus dem Quartier und der Region bekommen, „darunter sind echte kleine Schätze“, sagt Bastian Ripper.

Der Umsonstladen ist ein Projekt des Vereins „Zusammen in der Postsiedlung“, der sich in vielerlei Hinsicht für eine gute Nachbarschaft engagiert. Während der Corona-Pandemie hat sich für manche Menschen die finanzielle Situation deutlich verschlechtert, bis hin zur Pleite. Bastian Ripper und sein Ehrenamtsteam kennen viele Menschen aus dem Quartier und erleben mit, wie sich das Leben verändert. „Da ist der Geldbeutel vielleicht gerade nicht so prall gefüllt, und für Weihnachtsgeschenke reicht es nicht.“ Der Verein hilft gerne aus: „Unser Umsonstladen bringt schöne Dinge kontakt- und kostenfrei vorbei!“

Wenn vom „Quartier“ die Rede ist, sind nicht nur die rund 2000 Menschen aus der Postsiedlung direkt gemeint. Der Verein hat den Bogen mit einem halben Kilometer größer gezogen, „so sind etwa 8000 Menschen im Quartier unsere direkte Zielgruppe, willkommen ist aber jeder.“ Für Bastian Ripper spiegelt der Umsonstladen so etwas wie „gelebte Wirklichkeit“ in der Postsiedlung, nämlich die Gesellschaft in voller Vielfalt. „Wir haben vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Hochschulprofessor alles vertreten, das betrifft die Vereinsmitgliedschaft und die Kundschaft.“

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Der Umsonstladen bietet für alle Generationen spannende Dinge. Spielsachen, Kuscheltiere, alle gut gepflegt, Videospiele, Lego, Comics, Bücher, Bauklötze. Derzeit stehen sogar mehr als nur ein ferngesteuertes Auto zum Verschenken bereit oder Spielkonsolen. Es gibt Dinge für den Haushalt, von der Kaffeemaschine bis zum Gläserset, neulich habe sich ein Professor für ein Service aus den siebziger Jahren begeistert und es mitgenommen. Auch dies ist eine Motivation, die Menschen in den Umsonstladen führt: Unter ökologischen Gesichtspunkten macht es Sinn, Dinge zu tauschen und nicht einfach wegzuwerfen. „In welchem reichen Land wir doch leben“, sagt Bastian Ripper und freut sich, wenn intakte Dinge umverteilt werden und ihren Besitzer wechseln.

Gerade hat der Laden wegen Corona geschlossen. Wenn er normal geöffnet hat, kommen Besucher regelmäßig vorbei, um ein Schwätzchen zu halten, sie schauen sich dabei im Laden um und nehmen eine Kleinigkeit mit. Eine Dame hat einen Faible für altes Steingut – und wird immer wieder fündig. „Ob jemand Dinge bringt oder mitnimmt, aus finanziellen Gründen oder weil er etwas für die Umwelt tun möchte, alles ist okay“, betont Ripper.

Das Team der engagierten Ehrenamtlichen des Vereins Postsiedlung habe entschieden, dass auch in dieser schwierigen Zeit vor Weihnachten noch ein paar Wünsche erfüllt werden sollen. Wer noch ein Geschenk sucht oder sich selbst etwas Gutes tun möchte, kann sich auf der Website informieren, was es im Umsonstladen gibt. Zwölf Helfer nehmen telefonisch und online Anfragen sogar bis kurz vor Weihnachten entgegen – und überbringen die kostenfreien Geschenke pandemiegerecht und kontaktfrei. Kleine Einschränkungen gibt es beim Bringdienst, „da können wir nicht bis ans andere Ende der Stadt fahren, der Bringdienst gilt nur für Darmstadt-West.“