Jubiläumskonzert für einen Showmann

Der Motivator bei der Arbeit: Chorleiter Alexander Franz übt im Bürgermeister-Pohl-Haus fürs Jubiläumskonzert. Foto: Andreas Kelm

Alexander Franz ist der Samstagabend im Bürgermeister-Pohl-Haus gewidmet: Er leitet seit 20 Jahren die Kinder- und Jugendchöre.

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WIXHAUSEN. 100 junge Stimmen oben auf der Bühne, unten vollbesetzte Besucherreihen, alle Augen auf einen Mann gerichtet: Wenn Alexander Franz am Samstagabend die Hände hebt, um seinen Chorsängern den Einsatz für das Stück „The Greatest Showman“ zu geben, die pathosgeladene Hymne aus dem gleichnamigen Musicalfilm, dann verspricht das ein spektakulärer Moment zu werden. Nicht nur, aber auch für Franz selbst. Ihm ist der Abend im Bürgermeister-Pohl-Haus gewidmet: Er leitet seit 20 Jahren die Kinder- und Jugendchöre. Könnte großartig werden.

Auch spektakulär: die Nummer mit der Wasserglas-Orgel, die Franz im Kita-Alter vortrug, vor etwas kleinerem Publikum.

Der Chorleiter, mit 46 ein Mann von jungenhafter Ausstrahlung, erzählt die Anekdote beim Besuch in der ECHO-Redaktion mit breitem Lächeln. Zum Muttertag hatte er sich damals unterschiedliche Gläser aus dem Küchenschrank geholt. Sie mit Wasser gefüllt, genau so hoch, dass sich jeweils ein bestimmter Ton ergab, wenn er mit feuchten Fingern über den Glasrand strich. Was er gespielt hat? Weiß er wirklich nicht mehr. Eins nur: „Die Mutter hat gemerkt: Mit dem Bub stimmt was nicht.“ Er lacht.

Die musikalische Begabung war Franz, der im Darmstädter Martinsviertel aufwuchs und heute in Weiterstadt lebt, nicht in die Wiege gelegt. Mutter gelernte Lehrerin, Vater Elektro-Installateur. Aber früh ist klar, dass der Sohn ein Ohr und eine Stimme hat. Er singt im Kirchenchor und im Schulchor. Mit acht lernt er Klavier, spielt sich auf Preisträgerniveau beim Wettbewerb „Jugend musiziert“. Geige kommt dazu und Gitarre, später lernt er Musiktheorie an der Akademie für Tonkunst. Da ist er längst auf dem Weg, Mathelehrer zu werden. Aber nebenher baut er systematisch seine eigene Tenorstimme aus. Und entscheidet irgendwann: „Ich will Musik auch mitgestalten“, nicht nur vom Blatt singen. Auch, weil es „ein Stück musikalische Selbstverwirklichung“ bedeutet. So lehrt er heute tagsüber Algebra am Darmstädter Bertolt-Brecht-Gymnasium und bringt abends den jungen Leuten in drei Chören Taktgefühl bei. Die sind mit Elan dabei, wenn Franz ihnen im Bürgerhaus die Einsätze anzählt. Das war nicht immer so.

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Im Chor zu singen, das galt vor 20 Jahren eher als uncool, erinnert sich Franz. Doch das habe sich geändert. Das belegt der stetig wachsende Zustrom zu den Wixhäuser Chören, die überregional beachtet werden. Wie erklärt sich Franz den Trend?

„Man spürt bei den jungen Leuten stärker den Wunsch, mit einer Gruppe was Echtes zu machen, nicht nur was Virtuelles“, sagt Franz. Auch das Fernsehen habe mal was Gutes beigetragen: „Viele der Stars aus den Casting-Shows haben mal im Chor angefangen“ – Ansporn für Kinder und Jugendliche, das auch mal zu versuchen.

Franz findet offenbar den richtigen Ton, um sie weiterzubringen. Höhepunkt bisher: Ein 1. Platz beim Hessischen Chorwettbewerb 2013 in der Kategorie „Populäre Chormusik a cappella“. Aber nicht nur offizielle Titel machen ihn stolz. Mit sichtbarer Freude erzählt Franz, dass er die Leitung der jüngsten Chöre inzwischen abgegeben hat – an Janina Hirch, „ein Eigengewächs“, ein stimmgewaltiges Talent, das er selbst herangezogen hat.