In Wixhausen zur Kerb Kritik an der Stadt

Bei der Kirchkerb spielt auch der Senioren-Spielmannszug des Turngaus Main-Rhein. Foto: Andreas Kelm

„Wir sind abgeschoben und unterversorgt“ hieß es bei der Kerb im Kirchhof Wixhausens in Richtung Stadtregierung. Dass der Pfarrer Leben in den Kirchhof gebracht hat, findet...

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WIXHAUSEN. Eine Premiere, gleichzeitig ein Ende und ein Anfang war die Wixhäuser Kerb für zwei Einrichtungen. Im Kerbgottesdienst hatte der „Evangelische Projektchor Wixhausen-Gräfenhausen“ seinen ersten und gleichzeitig letzten Auftritt in Wixhausen. Die rund 20 Sängerinnen und Sänger waren im Sommer mit dem Ziel zusammengekommen, zum Kerbsonntag in der Wixhäuser Kirche aufzutreten. Ein weiterer Auftritt ist noch am 15. September in Gräfenhausen.

Ein Anfang war der Gottesdienst für Laura Erzgräber. Die Erzieherin wurde am Sonntag offiziell als Leiterin des „Evangelischen Kinderhauses auf dem Pfarrhof“ vorgestellt. Im Amt ist sie seit Anfang des Monats, sie kennt aber das Kinderhaus schon länger, die 30 Jahre alte Pädagogin war vorher dort auch schon als Erzieherin tätig. „Die Kerb auf dem Pfarrhof ist eine schöne Sache“, sagt die Kita-Chefin. „Es ist einfach gemütlich und familiär.“

Als drei ältere Damen vom ECHO im Pfarrhof auf die Kerb angesprochen werden, entlädt sich zunächst ziemlicher Ärger. Nicht wegen der Kerb. Sie sind mit der Stadtpolitik unzufrieden. Und wie!

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„Wir sind abgeschoben und unterversorgt“, fasst es eine der Damen zusammen. Die drei Rentnerinnen finden, dass die Stadtregierung sich nicht genug um Wixhausen kümmere. Es gebe immer weniger Einzelhändler in Wixhausen mit seinen rund 6280 Einwohnern. Und sie fragen sich, warum, denn in Gräfenhausen (6097 Einwohner) oder Erzhausen (8000 Einwohner) insgesamt fünf Supermärkte neu aufgemacht wurden. „Eine Apotheke haben wir noch“, sagt eine der älteren Damen, um dann mit der Verlegung der Flugroute „Amtix kurz“ zu hadern. Und die Kerb? „Es ist schön, dass es die schon so lange gibt“, findet eine der Damen, „und dass die Tradition aufrecht gehalten wird“.

Den dreien gefällt, dass die Kerb guten Zuspruch hat, der Kirchhof war nach dem Gottesdienst voll. „Pfarrer Ingo Stegmüller hat hier Leben reingebracht“, finden sie, es gebe jetzt wieder mehr Kerbeburschen. „Man kann sich nur wünschen, dass die Kerb uns so erhalten bleibt.“

Die Wixhäuser Kerb hat zwei Standorte. Zum einem im Pfarrhof bei der Kirche und zum anderen vor der Halle der TSG Wixhausen gegenüber des Bürgermeister-Pohl-Hauses. Dort drehen Kerbbesucher im Autoscooter ihre Runden oder lauschen dem Alleinunterhalter Horst Hermann wenn er „I‘m Crazy Like a Fool“ singt, eine Textpassage aus Boney M.s Hit „Daddy Cool“ von 1976.

Während der Kerb hat auch das Dorfmuseum geöffnet. Aktuell ist dort eine Sonderausstellung zu „St. Blasius“, der ältesten Glocke im Turm der evangelischen Kirche zu sehen. Sie wird in diesem Jahr 500 Jahre alt (wir berichteten). Aber das Museum zeigt auch, wie früher gekocht wurde: mit viel Kurbelei. Mangels Elektromotoren und Strom wurde von Hand geraspelt, Fleisch durch den Wolf gedreht oder der Mixer angetrieben. Andere Räume im Museum geben Einblicke in Werkstätten wie etwa von Schuhmachern oder Wagnern.