In der Lincoln-Siedlung wird ein Grünstreifen mit...

Klettern und hangeln können die Jugendlichen in der neuen Parcour-Anlage in der Lincoln-Siedlung, Foto: Andreas Kelm   Foto: Andreas Kelm

So mal eben ein kleiner Salto über eine Stange und eine sichere Landung im Stand auf einer der schmalen Betonmauern – für die jungen Männer, die mit einer Performance den...

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DARMSTADT. So mal eben ein kleiner Salto über eine Stange und eine sichere Landung im Stand auf einer der schmalen Betonmauern – für die jungen Männer, die mit einer Performance den neuen Parcours einweihen, scheint nichts leichter zu sein als dies. Den Zuschauern freilich bleibt nur das Staunen darüber, mit welcher Behändigkeit die Sportler von Mauer zu Mauer springen, auf den Gerüststangen landen oder sich an ihnen emporschwingen.

Hier in der Lincoln-Siedlung können sie nun die Technik üben und Muskeln stärken, um später zwischen Häusern in der Stadt entlang zu turnen, am Staatstheater sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen häufig zu sehen. David Eilenstein erklärte als Vertreter der Darmstädter Parkour-Gruppe: „Parkour ist die Kunst der Fortbewegung im urbanen Raum.“ Was ihn reizt, ist die Kreativität und der unmittelbare Zugang zur Sportart, „jeder kann mitmachen, jeder schaut sich beim anderen was ab. Nichts ist klar definiert, sondern aus dem Miteinander entsteht eine gute Eigendynamik.“

„Wenn wir Wohnungen bauen und zur Verfügung stellen, dann müssen wir auch für eine entsprechende Infrastruktur sorgen“, sagte Baudezernentin Barbara Boczek anlässlich der Einweihung des von der Stadt eingerichteten Parcours in der Lincoln-Siedlung. Dazu gehört nicht nur eine Kita und eine Schule, sondern entsprechend Erholungsgelände, ein Quartierspark und Sport- oder Spielflächen.

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Beim Grünstreifen wurde darauf geachtet, möglichst viele Bäume zu erhalten, „ergänzt wurde der Baumbestand von 39 Bäumen durch die Neupflanzung von 34 Kiefern und 18 Laubbäumen, darunter Ahorn, Birken und Linden“, so Boczek. Bei einem Drittel der Gesamtfläche wurden die bestehenden Biotope der Sandmagerrasenflächen beibehalten, kleine Steinaufschüttungen bieten Salamandern Zuflucht.

Bei der Entwicklung der Parkour-Anlage wurden die Jugendlichen in die Planung wesentlich mit einbezogen, sagte Jugend- und Umweltdezernentin Barbara Akdeniz, und Eilenstein bestätigt: „Das ist vorbildlich gelaufen und hat super funktioniert. Wir konnten alle unsere Ideen in den Plan mit einbringen.“

Akdeniz lobte ihr großes Engagement und Eva Pelikan als Jugendbildungsreferentin, die sich stark gemacht habe für die Anlage und die Kommunikationsstrukturen, die eine Planungsbeteiligung möglich gemacht hätten: „Über eine selbstorganisierte Online-Beteiligung wurden Ideen gesammelt, die schließlich mit dem ausführenden Architekturbüro besprochen und konkretisiert wurde“, so Akdeniz.

Schon 2014 beim Jugendkongress mit mehr als 100 Teilnehmern trugen die jungen Sportler ihren Wunsch an die Stadt heran, und es wurde auch ein Platz für eine Anlage gefunden, dann fehlte aber das Geld. „Jetzt steht sie hier“, freute sich David Eilenstein stellvertretend für die Szene. Die Graffiti-Wand, von internationalen Künstlern gestaltet, schafft ein passendes Ambiente. „Wichtig ist für uns Sportler, dass die Mauern nicht mit Farbe besprüht werden, sonst setzen sich die Poren im Beton zu. Das würde den Ripp ruinieren, also die Griffigkeit, die wir benötigen, um nicht abzurutschen.“ Denn auch wenn es halsbrecherisch aussieht: „Wer trainiert und mit Verstand an einen Parcours geht, dem passiert nichts, nur wer auf riskante Sachen steht, verletzt sich“, sagte Eilenstein.