In der Backstube fliegen die Funken

Nils Thoma (links) und THW- Einsatzleiter Nico Neumann (rechts) beobachten Erkan Yilmaz beim Flexen eines Gärofens. Foto: Andreas Kelm
© Andreas Kelm

Darmstädter THW verbindet Übung in ehemaliger Bäckerei mit einer Entrümpelung der Räume. Dort zieht ein „Umsonstladen“ des Vereins „Zusammen in der Postsiedlung“ ein

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DARMSTADT. Es riecht leicht stechend nach geschmolzenem Metall. In der Backstube der ehemaligen Bäckerei Treusch sieht es aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen, und es zieht Qualm durch die zwei Geschosse. Ein Aggregat des Technischen Hilfswerks (THW) in einem Gerätekraftwagen auf der Bessunger Straße liefert brummend Strom.

„In der leeren Bäckerei hatte es in der vergangenen Nacht gebrannt“, erläutert Nico Neumann vom THW das Übungsszenario, von dem man am Samstag ausging. Die Feuerwehr habe das THW um Unterstützung gebeten, erklärt der Leiter die Übung. Denn das THW habe die Ausrüstung, um die Zwischendecke und zwei alte Mehltanks zu öffnen, um dort nach Glutnestern zu suchen.

„Wir freuen uns, dass wir hier ein Übungsgelände haben“, sagt Nico Neumann. Und da man beim THW bei den Übungen gerade in der Winterpause sei, habe man auch Zeit.

Mit gleißend hellen 500-Lux-Strahlern gehen die THW-Kräfte durch die künstlich verrauchten Räume. „Da haben wir einen Stromanschluss, wahrscheinlich 16 Ampere“, sagt einer und zeigt auf eine Steckdose. „An der Metalldecke sind noch Lampen und da ist noch Strom drauf“, sagt ein anderer und zeigt nach oben.

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„Wir würden die Mehltanks gerne mit Wasser füllen“, bespricht eine THW-Helferin mit Nico Neumann, wie man gegen mögliche Glutnester dort vorgehen könnte. „Wir wissen aber nicht, wo das Wasser hinläuft“, gibt der Übungsleiter zu bedenken. Die Mehltanks sind zwei zirka 1,60 Meter hohe Metallzylinder, in denen man am Boden Öffnungen sieht. Aber in der Backstube darunter sind keine Löcher in der Decke, da sieht man nur die tiefergehängten Metallpanele, die später mit einer Axt von der Decke gezogen werden. Die Mehltanks zerlegen die THW-Kräfte krachend mit einem Stemmeisen.

„Gibt es hier noch weitere Sicherungskästen?“, fragt Nico Neumann und schaut sich um. „Wir haben eigentlich alle Sicherungen raus, aber in der ehemaligen Backstube fließt noch Strom.“ Solche Unsicherheiten machen ein realistisches Übungsszenario aus, erläutert Gruppenführer Neumann.

Die Übung ist auch eine Gelegenheit für die Kräfte, ihren XL-Trennschleifer einzusetzen. Zwei Helfer machen sich damit daran, unter Funkenflug den früheren Backofen zu zerlegen. „Der war Baujahr 1972“ beschreibt Nico Neumann. Und der habe den ganzen hinteren Raum ausgefüllt. Hier zerlegt der Trennschleifer Metall, aber mit einer entsprechenden Scheibe könne er auch Beton zersägen, beschreibt Nico Neumann die Möglichkeiten. Wenn aber das Metall zu dick ist, wird es mit Acetylen-Sauerstoff aufgeschweißt. Was bei der Gelegenheit am Samstag im Hof geübt wird. Zerlegt werden da die Mehltanks, die gerade so durchs Treppenhaus passten. „Das ist ja auch etwas, was wir nicht alle Tage machen“, freut sich Nico Neumann. Da die 3000 Grad heiße Flamme, fast so hell wie die Sonne ist, tragen die Kräfte Schweißerbrillen.

Dass das THW bei der Übung die ehemalige Bäckerei grob entrümpelt und ausräumt, ist mit dem gemeinnützigen Verein „Zusammen in der Postsiedlung“ koordiniert. Der will in den Räumen seinen „Umsonstladen“ einrichten und muss dazu alles ausräumen. „Bei dem Laden geht es um Kommunikation“, erklärt Sprecher Bastian Ripper den Hintergrund „Es fehlen inzwischen Orte, wo man einfach mal miteinander schwätzen kann.“ Und ein Laden in dem man seine gebrauchten Sachen abgeben und andere mitnehmen kann, soll dafür die Gelegenheit schaffen.