„Hier gewachse“ – grüne Schildchen für regionale...

Marktbeschickerin Wilma Haaß aus Griesheim präsentiert  Waren mit Label „Hier gewachse“. Foto: Andreas Kelm   Foto: Andreas Kelm

Samstagmittag auf dem Wochenmarkt: Kunterbunt strahlen die Auslagen voller Obst, Gemüse und Blumen an den Ständen der Beschicker im Sonnenschein. Und überall zwischendrin...

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DARMSTADT. Samstagmittag auf dem Wochenmarkt: Kunterbunt strahlen die Auslagen voller Obst, Gemüse und Blumen an den Ständen der Beschicker im Sonnenschein. Und überall zwischendrin leuchten einem neue grüne Schildchen entgegen: „Hier gewachse“ steht darauf – eine Kennzeichnung, dass das Produkt nicht weiter als 50 Kilometer gereist und somit auch saisonal erzeugt ist.

„Es ist eine sehr gute Initiative, die wir absolut gern aufgreifen“, betont Oberbürgermeister Jochen Partsch inmitten des Markttreibens bei der Einführung des Etiketts, das die bürgerschaftlich-ehrenamtlich organisierte Themengruppe Klimaschutz der Lokalen Agenda 21 Darmstadt initiiert hat. Zu deren Zielen gehört unter anderem, den Ausstoß an klimaschädigendem Kohlendioxid zu reduzieren. Eine Karotte aus Griesheim herzufahren, erzeugt weniger Abgase als eine Möhre aus Italien.

„Ein kleiner Beitrag zur Transparenz“ ist die Kennzeichnung laut Martin Huth von der Agenda-Gruppe. Bislang habe der Kunde an den Ständen nachfragen müssen, welche Produkte aus der Gegend stammen. Nun sehe er es auf einen Blick und könne buchstäblich Äpfel mit Äpfeln vergleichen. Die Marktbeschicker entscheiden dabei selbst, wo sie die Schildchen anbringen. „Wir haben da Vertrauen, dass sie das nicht missbrauchen“, kommentiert Huth. Bei einer ehrenamtlichen Initiative wie dieser habe man gar nicht die Kapazitäten, das zu kontrollieren.

Am Stand von Wilma Haaß etwa blitzen viele grüne „Hier gewachse“-Schilder hervor: an Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Kohl, Lauch, Pastinaken, Chicorée, Feldsalat oder Grüner Soße. Bei den Kartoffeln sind zwei Sorten damit gekennzeichnet, die anderen sind neue Ernte und stammen aus Zypern. „Ich finde das sehr gut“, lobt die Händlerin die Initiative. Die meisten wüssten ja gar nicht mehr, was wann Saison habe, weil es das ganze Jahr hindurch alles gebe. „Da sieht der Kunde gleich, was aus der Gegend ist.“ Und das interessiere die Einkäufer auf dem Markt definitiv. „Es wird derzeit mehr“, stellt Haaß fest, die seit fast 50 Jahren auf dem Wochenmarkt präsent ist. Vorwiegend seien es junge Menschen, die gezielt nach saisonalen Produkten aus der Region fragten. „Oder die ganz Alten.“

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So wie Eberhard und Siegrid Volk, die – wie jeden Samstag – zum Einkaufen unterwegs sind. Die neuen grünen Schildchen haben beide noch gar nicht wahrgenommen. „Wir vertrauen den Beschickern“, erläutert die Seniorin. „Ich frage: Ist das von euch oder woher?“, erläutert die Darmstädterin, die regionale Produkte bevorzugt. Der Blumenkohl allerdings, den sie gerade gekauft haben, hat derzeit keine Saison und muss somit weiter gereist sein. „Aber wir hatten einfach Lust“, erklärt Sieglinde Volk.

Wie hoch der Anteil regionaler Produkte auf dem Wochenmarkt ist, konnten die Initiatoren nicht sagen. Doch Anke Jansen von Darmstadt-Citymarketing, das neben dem städtischen Eigenbetrieb Bürgerhäuser und Märkte sowie der Wissenschaftsstadt Darmstadt Marketing GmbH bei der Aktion mit im Boot ist, unterstrich: „Es wird schon bei der Auswahl darauf geachtet, dass es Beschicker aus der Region sind.“ Diese hätten begeistert auf die neue Kennzeichnung reagiert. Es sei ein Qualitätsmerkmal.

Partsch deutet Lösung an

Und wie ausbaufähig ist das Ganze? „Ich würde mich freuen, wenn auch andere Märkte das einführen“, sagt Klimaschutz-Aktivist Huth. Man müsse dann nur klären, wer die Kosten für Werbung und die Schildchen übernehme, die im Falle des Innenstadt-Wochenmarkts die Agendagruppe und Darmstadt-Citymarketing übernehme. Viel sei das nicht. Und, wie OB Partsch einwirft: „Da finden wir schon eine Lösung.“