Grüne und CDU fordern Rechtsabbiegerpfeil für Radfahrer in...

Neue Regeln beim Rechtsabbiegen für Radfahrer soll es nach dem Willen der grün-schwarzen Koalition geben. Foto: André Hirtz

Schnelle Reaktion der grün-schwarzen Koalition: Wenige Tage nach einer Verkehrssicherheits-Tagung an der Hochschule Darmstadt, bei der eine Verkehrsexpertin aus Basel die...

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DARMSTADT. Schnelle Reaktion der grün-schwarzen Koalition: Wenige Tage nach einer Verkehrssicherheits-Tagung an der Hochschule Darmstadt, bei der eine Verkehrsexpertin aus Basel die dortige versuchsweise Freigabe des Rechtsabbiegens für Radfahrer bei Rotlicht geschildert hatte, fordern Grüne und CDU ein entsprechendes Pilotprojekt auch für Darmstadt.

Die Koalition habe einen Antrag eingereicht, mit dem der Magistrat gebeten werde, die Voraussetzungen für einen Feldversuch "Rechtsabbiegerpfeil für Fahrradfahrende" zu prüfen, erklärten die verkehrspolitischen Sprecher Stefan Opitz (Grüne) und Ludwig Achenbach (CDU). Ziel sei es, die Zahl der Radfahrer-Unfälle zu senken und das Fahrradfahren insgesamt attraktiver zu machen.

Da man das Rad nicht jedesmal neu erfinden muss, kann man sich auch bei einem verkehrspolitischen Antrag zum Rad viel kreative Energie sparen, mögen sich Opitz und Achenbach gedacht haben. So sind weite Teile ihres Antrags wörtlich von gleichlautenden Vorstößen grüner Parlamentsfraktionen in Nordrhein-Westfalen abgeschrieben - etwa aus Krefeld, Köln, Aachen und Düsseldorf.

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Gerade der Düsseldorfer Antrag, datiert vom 26. April 2017, wird von der Darmstädter Koalition in einer Pressemitteilung nahezu vollständig eins zu eins kopiert, allerdings in weiten Teilen als wörtliche Zitate von Opitz und Achenbach gekennzeichnet. So beginnt die Begründung übereinstimmend mit der Aussage: "Rechtsabbiegeunfälle sind mit die häufigsten und vor allem die schwerwiegendsten Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind."

Dabei wurden auch Fehler übernommen. So heißt es in Darmstadt ebenso wie in Düsseldorf: "In Deutschland werden bereits Feldversuche in Berlin, München und Wiesbaden durchgeführt." In der hessischen Landeshauptstadt war ein Versuch zwar Ende 2016 von den Stadtverordneten beantragt worden, er hat aber noch nicht begonnen.

Inhaltlich plädieren Opitz und Achenbach wie ihre nordrhein-westfälischen Kollegen für einen Rechtsabbiegerpfeil speziell für Radfahrer. Sie bitten den Magistrat, geeignete Straßenkreuzungen vorzuschlagen.

"Durchweg positiv" bewertet der Radfahrer-Verband ADFC die Aussicht auf die Freigabe des Rechtsabbiegens bei Rotlicht. "Radfahrer biegen an vielen Kreuzungen ohnehin schon in eigener Regie trotz Rotlichts rechts ab", räumte der Darmstädter Vorsitzende Thomas Grän unumwunden ein. Manche wichen dafür kurzzeitig auf den Gehweg aus - verbotenerweise.

Ampeln dienten vor allem dem Kfz-Verkehr, erklärte Grän; für Radler würden durch eine Freigabe des Rechtsabbiegens die Nachteile im Verkehrsfluss abgemildert. Zur Vermeidung von Unfällen müsse aber klargestellt werden, dass dies nicht mit einem Vorrang an der Kreuzung verbunden sei, mahnte der ADFC-Vorsitzende.

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Grän wies auch darauf hin, dass wartende Radfahrer an Kreuzungen durch rechts abbiegende Lastwagen besonders gefährdet seien. Bauartbedingt könnten Lkw-Fahrer die oft im toten Winkel stehenden Radler schlecht sehen. Falls diese aber schon vor dem Grünlicht weitergefahren seien, hätten sie den Gefahrenbereich an der Einmündung beim Anfahren des Lastwagens verlassen.

Der ADFC-Vorsitzende erinnerte daran, dass es schon bei der Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung vor 20 Jahren Warnungen vor erhöhtem Unfallrisiko gegeben habe. Dies habe sich nicht bestätigt.

Der Antrag der grün-schwarzen Koalition kann frühestens bei der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 28. Oktober behandelt werden.