Erdwärme hat noch viel Potenzial: Veranstaltung der...

Würden die technischen Möglichkeiten der Geothermie komplett genutzt, könnte damit der komplette Wärmebedarf von Gebäuden gedeckt werden. Mit dieser Feststellung umschrieb...

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DARMSTADT. Würden die technischen Möglichkeiten der Geothermie komplett genutzt, könnte damit der komplette Wärmebedarf von Gebäuden gedeckt werden. Mit dieser Feststellung umschrieb Ulrich Burbaum, Professor am Fachbereich Bauingenieurwesen an der Hochschule Darmstadt (h_da), das Potenzial der Erdwärme für die Erzeugung von Warmwasser, Raumwärme und -kälte. Zusammen mit seinem Kollegen Volker Ritter vom h_da-Fachbereich Elektro- und Informationstechnik hatte er deshalb am Donnerstag Studierende und Wissenschaftler zum „Kolloquium Wärmewende“ eingeladen.

Auch wenn sich diese Vision nicht zu einhundert Prozent umsetzen lasse, könne Geothermie einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des Energiebedarfs von Gebäuden leisten und damit zur Erfüllung der Klimaziele der Bundesrepublik beitragen, erklärte Burbaum. Außerdem ließen sich mithilfe der Erdwärme erneuerbare Energien effizienter nutzen. Er spielte damit auf das zeitliche Auseinanderklaffen des regenerativ erzeugten Stroms mit dem Energieverbrauch an. Geothermie könne hier eine Brücke bauen: „Dazu dürfen wir den Untergrund nicht nur als Energiequelle, sondern müssen ihn auch als Speicher nutzen.“

Wie das konkret aussehen kann, führte Volker Ritter aus. In seinem Modell wird überschüssige Wärme, wie sie beispielsweise im Sommer in einem Gebäude entsteht, mittels Kältepumpen in das Erdreich verbracht. Diese steht dann in der kalten Jahreszeit für die Erwärmung des Gebäudes zur Verfügung. „Alles was dazu an zusätzlicher Energie notwendig ist, ist der Strom zum Betrieb der Kälte- bzw. Wärmepumpe.“ So ließe sich ein Wärmenetz etablieren, in dem Wärmeüberschüsse mehrerer Gebäude eingeleitet und bei Bedarf wieder entnommen werden.

Auch die Nutzung der Sonnenenergie sowie E-Mobilität könnten in ein solches Energiekonzept integriert werden, sagte Ritter. Voraussetzung dafür sei ein koordiniertes Energie-Management-System.

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Verknüpfung mit Gebäudetechnik

Der h_da-Wissenschaftler räumte ein, das dieser an sich simple Gedankengang in der Praxis auf einige Schwierigkeiten stoße. „Aber“, so fügte er hinzu, „in dieser Richtung müssen wir in den nächsten Jahren weiterkommen, auch mit entsprechender Regelungstechnik.“ Gebäudesystemtechnik und Geothermie müssten stärker miteinander verknüpft werden.

Auch Mathias Samson, Staatssekretär im Hessischen Wirtschaftsministerium, unterstrich die Notwendigkeit einer intelligenten Netz- und Speichersteuerung, um die Ziele der Energiewende umsetzen. Nur mithilfe der Digitalisierung werde man es schaffen, das Potenzial der Geothermie als saisonaler Wärmespeicher in einem erheblichen Umfang zu nutzen.

Der Staatssekretär gab sich überzeugt, dass die Erdwärme eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaschutzziele spielen werde – auch wenn sie nicht in jeder Lage und jeder Region zum Einsatz kommen könne.