Ein "junger Wilder", der viel vorhat

Bijan Kaffenberger will sich künftig als Landtagsabgeordneter auch für den Ausbau des ÖPNV einsetzen.  Archivfoto: Guido Schiek

Dass Bijan Kaffenberger Witz hat, stellt er am Montag einmal mehr unter Beweis. "Ich bin ja ganz froh, dass Frau Merkel gerade für Wirbel sorgt." Der avisierte Rückzug der...

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DARMSTADT. Dass Bijan Kaffenberger Witz hat, stellt er am Montag einmal mehr unter Beweis. "Ich bin ja ganz froh, dass Frau Merkel gerade für Wirbel sorgt." Der avisierte Rückzug der Kanzlerin lenke ein wenig von seiner Person ab, scherzt er. Wobei auch der 29 Jahre junge Sozialdemokrat, der sich am Sonntag mit deutlichem Vorsprung gegen Mandatsträgerin Karin Wolff (CDU) durchgesetzt und den Südwahlkreis gewonnen hat, für ordentlich Wirbel sorgt. Ab 2019 sitzt der in Darmstadt geborene Roßdörfer nun im Landtag.

Überrascht und überwältigt sei er, sagt Kaffenberger gestern Mittag. Wobei, überrascht? Vor wenigen Wochen hatte er noch in einem Gespräch mit dieser Zeitung sein klares Ziel formuliert: "Ich will meinen Wahlkreis gewinnen." Und das hat ja schon mal geklappt.

Junges Team soll Boden gut machen

Ein tolles Ergebnis, sagt der künftige Landtagsabgeordnete, der 28,3 Prozent aller Erststimmen bekommen hat. "Die Erststimme zeigt das Potenzial, dass die SPD hat, wenn sie ihr Team verjüngt", sagt Kaffenberger, der sogleich nachschiebt, dass auch Tim Huß, der im Nord-Wahlkreis angetreten ist, ein super Ergebnis erzielt habe. "Für Tim und mich war das ein Vertrauensbeweis der Wähler."

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Mit einem jungen Team könne es der SPD in Darmstadt gelingen, wieder Boden gut zu machen. Bijan Kaffenberger selbst wird dabei jedoch nicht mitmischen. Aber er wird sich im Landtag für die Themen einsetzen, die auf lokaler Ebene wichtig sind. "Und ich werde weiterhin Themen nicht isoliert, sondern im Kontext betrachten." So, wie Huß und er es auch im Wahlkampf gemacht hätten.

Bevor es nach Wiesbaden geht, muss der Volkswirt, der als Referent für Breitbandausbau arbeitet, im Thüringer Wirtschaftsministerium bis Ende des Jahres seinen Job machen. Im Kreistag von Darmstadt-Dieburg, der in einer Woche tagt, wird er ebenso dabei sein wie bei der Sitzung des Landesparteirats, der gestern Nachmittag in Frankfurt die Wahlergebnisse analysiert hat.

Es geht also weiter mit dem strammen Programm, das der temperamentvolle und quirlige junge Mann seit Monaten absolviert. "Aber ich freu mich auf das, was kommt" - auch wenn er einen "Riesenrespekt" vor der neuen Aufgabe habe. "Ich muss viel lernen, aber darauf habe ich Lust." In Wiesbaden wird er sich dann auch für seine Steckenpferde einsetzen, wie etwa den flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes, das für die Digitalisierung unabdingbar sei. Und er will den Ausbau des ÖPNV vorantreiben. "Es kann nicht sein, dass der Bus aus Roßdorf immer vorm Ostbahnhof im Stau steht", sagt der junge Mann, der meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist.

Aber jetzt wird erst mal tief durchgeatmet - und der Wahlsonntag verarbeitet. Der klang übrigens beim Stadtkoch im Mühltaler Bahnhof aus, wo neben Landrat Klaus Schellhaas und der Darmstädter SPD-Vorsitzenden Brigitte Zypries auch viele Jusos und Vertreter der Ortsvereine mitgefeiert haben.

"Da hab' ich eine halbe Stunde geredet und mich an einem Stück bedankt", sagt der Überraschungssieger. "Denn das sind alles Leute, die mich unterstützt, mitgetragen und an mich geglaubt haben."