Die Ruhestätte der Darmstädter Schriftstellerin Gabriele...

Nur ein Holzkreuz steckt auf dem Grab der Darmstädter Schriftstellerin Gabriele Wohmann auf dem Bessunger Friedhof. Foto: Andreas Kelm

Das Grab der Schriftstellerin sticht sofort heraus. Zwischen all den bunt bepflanzten Gräbern - ein trauriges Bild.

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DARMSTADT. Vor drei Jahren starb die Darmstädter Schriftstellerin Gabriele Wohmann im Alter von 83 Jahren. Begraben wurde sie im Juni 2015 auf dem Bessunger Friedhof. Zwischen all den bunt bepflanzten Gräbern entlang der Friedhofsmauer sticht das Grab der Schriftstellerin sofort heraus - ein trauriges Bild. Das Grab wirkt verkommen. Weder Pflanzen noch ein Grabstein schmücken die Ruhestätte. Nur ein leicht vermodertes Holzkreuz, auf dem Wohmanns Geburts- und Sterbedatum stehen, sowie zwei Windspiele aus weißem Papier stecken auf dem Grab.

Der schlechte Zustand des Grabes ist auch der Friedhofsverwaltung aufgefallen. Ein Schild mit der Aufschrift: "Diese Grabstätte ist ungepflegt! Bitte instand setzen lassen", steckt neben dem Holzkreuz. Bisher scheint nichts passiert zu sein.

Auch Barbara Ottofrickenstein-Ripper ist das trostlose Grab aufgefallen. Sie ist seit den 1970er Jahren großer Fan der Darmstädter Schriftstellerin und versteht nicht, warum das Grab einer so bekannten Autorin so trostlos und verlassen aussieht. Bei einer ihrer letzten Lesungen in Heppenheim habe Wohmann gesagt: "Die Darmstädter haben mich vergessen", berichtet Ottofrickenstein-Ripper. Dem Anblick der Grabstelle an der "Mauer 111" nach könnte Wohmann recht gehabt haben.

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Nichts weist hin auf Reiner Wohmann

"Neben Gabriele Wohmann begraben liegt ihr Ehemann Reiner Wohmann", weiß Daniel Klose, Sprecher der Stadt. Auf die letzte Ruhestätte von Reiner Wohmann, der vergangenes Jahr im März starb, weist nichts hin. Kein Grabstein, keine Blumen, noch nicht einmal ein Holzkreuz.

Barbara Ottofrickenstein-Ripper fragt sich, warum kein Dichter-Club oder Literatur-Verein an die Darmstädter Schriftstellerin denkt. "Vielleicht liegt es daran, dass Gabriele Wohmann nicht mehr so in den Köpfen der Darmstädter ist, weil sie aus einer anderen Generation stammt", vermutet Ottofrickenstein-Ripper.

Gabriele Wohmann studierte vier Semester Germanistik, Romanistik, Anglistik, Musikwissenschaft und Philosophie in Frankfurt - ohne das Studium abzuschließen. Mit der Erzählung "Ein unwiderstehlicher Mann" wurde sie 1957 schlagartig prominent. Es folgten weit über 300 Erzählungen und rund 20 Romane.

Ihre Werke kamen gut an. "Sie hat Schwung und Aufbruch für Frauen geschaffen, ohne feministisch zu sein", sagt Ottofrickenstein-Ripper. "Ich habe damals ein Interview im Radio mit ihr gehört. Das hat mir imponiert." Imponiert habe Ottofrickenstein-Ripper auch Wohmanns Auseinandersetzung mit dem Leben.

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Ein Thema, dass die Schriftstellerin mehrfach behandelte, war der Tod. Wohmann stammte aus einer Darmstädter Pastorenfamilie, ihr Großvater, Pfarrer Johannes Guyot, hatte 1906 den Hessischen Diakonieverein gegründet, den ihr Vater Paul Daniel weiterführte. Daher war sie mit dem Glauben und der Frage nach dem Jenseits vertraut. In einem Interview mit der "Zeit" sagte sie schon im Jahr 1983: "Ans Jenseits denke ich doch täglich. Sonst könnte ich keinen Tag wirklich leben." Auch in ihren Werken lies sich die Auseinandersetzung mit dem Tod erkennen. 2011 erschien das Buch "Sterben ist Mist", das sie gemeinsam mit dem Pfarrer und Schriftsteller Georg Magirius veröffentlichte.

Es gäbe die Möglichkeit, das Wirken von Gabriele Wohmann durch ein Ehrengrab zu würdigen. Um die Grabpflege würde sich dann die Friedhofsverwaltung kümmern. Doch "das Grab ist noch bis März 2037 in privatem Besitz", teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Das heißt, sie könne da gar nichts machen. Ginge es nach Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne), hätte Gabriele Wohmann ein Ehrengrab der Stadt Darmstadt verdient. Er alleine könne diese Entscheidung allerdings nicht treffen.

Eine Anerkennung für ihr Lebenswerk gab es für Gabriele Wohmann im März vergangenen Jahres. Ein Teil der Erbacher Straße wurde in Gabriele-Wohmann-Weg umbenannt. Oberbürgermeister Partsch hatte sich in dem Fall dafür eingesetzt, dass der Straßenabschnitt vor ihrem Wohnhaus nach der Schriftstellerin benannt wird.

Nur wenige Trauergästebei der Beisetzung

Barbara Ottofrickenstein-Ripper hatte es schon bei der Beerdigung im Jahr 2015 verwundert, dass so wenige Menschen an der Beisetzung teilnahmen. "Es waren etwa 25 Leute da", sagt sie. Jedes Mal, wenn sie auf dem Bessunger Friedhof ist, legt sie eine Blume auf das Grab von Gabriele Wohmann.

Sie würde sich wünschen, dass die Schriftstellerin mit ihrer Aussage, dass die Darmstädter sie vergessen hätten, im Irrtum war. Daher appelliert Ottofrickenstein-Ripper: "Bringt Blumen auf ihr Grab, lasst es uns verschönern, lasst Gabriele Wohmann nicht recht behalten!"