Die Rheinstraße in Darmstadt wird umgestaltet

Zwischen Neckar- und Grafenstraße erhalten Radler einen 2,30 Meter breiten Streifen, der auf der Fläche der bisherigen Ladezone entsteht und mit Pollern geschützt wird.

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DARMSTADT. Die mittlere Rheinstraße erhält einen eigenen Radstreifen. Das hat der Magistrat in seiner letzten Sitzung beschlossen. Neben ihrer Bedeutung für Autos, Lieferwagen, Busse und Straßenbahnen ist die Rheinstraße eine zentrale Verbindung für den Radverkehr vom Westen ins Stadtzentrum, die zwischen Neckar- und Grafenstraße von bis zu 200 Radlern pro Stunde genutzt wird. Zwischen Neckar- und Grafenstraße erhalten Radfahrer einen 2,30 Meter breiten Radstreifen, der am rechten Fahrbahnrand auf der Fläche der bisherigen Ladezone entsteht und mit Pollern von der übrigen Fahrspur getrennt wird. "Mit der Umgestaltung wollen wir in der Rheinstraße - also auf einer der Hauptachsen des Radverkehrs in West-Ost-Richtung - eine deutlich verbesserte, sicherere Radwegeführung erreichen", begründet Bau- und Verkehrsdezernentin Barbara Boczek diesen Schritt.

Erste Arbeiten werden vermutlich schon im April laufen, die Hauptarbeit soll während der Sommerferien geleistet werden, teilt das Baudezernat mit. Die bisherige Radspur auf dem Bürgersteig entfällt, sodass dieser den Fußgängern in seiner ganzen Breite zur Verfügung steht. Damit sollen Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern verhindert werden. Etwa 150 Meter vor der Grafenstraße schwenkt der rot markierte Radstreifen nach rechts auf das Trottoir. Dadurch entsteht auf der Straße Platz für eine 30 Meter lange Ladezone zur Andienung der Geschäfte, die ebenfalls durch Poller vom Radfahrstreifen getrennt wird. Illegales Parken entlang der Rheinstraße wird damit unterbunden.

Diesen Plänen ging im vergangenen Jahr ein umstrittener Verkehrsversuch voraus, der vor allem von Radfahrverbänden heftig kritisiert worden war. Die beiden zu schmalen Autospuren wurden zu einer einzigen breiteren Fahrspur zusammengeführt. Ferner wurden Radler gezwungen, einen gelb markierten Fahrstreifen im fließenden Verkehr zu nutzen. Das Fahren zwischen parkendem und fließendem Kfz-Verkehr erlebten Radfahrer jedoch als unsicher, zumal überholende Autofahrer den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 1,50 Meter meist nicht einhielten. Auch eine Variante, bei der die Radfahrer den Fahrstreifen auf dem Bürgersteig wieder nutzen durften, war Vertretern von Radverbänden zufolge nicht ideal.

Mit dem jetzigen Konzept zeige sich ADFC-Sprecher Thomas Grän zufrieden. "Unter Druck der Initiativen ist es gelungen, die Planungen erheblich zu verbessern." Die künftige Verkehrsführung sei "ein großer Schritt nach vorne". Ähnlich positiv äußerte sich Tim Kress von der Initiative "Darmstadt fährt Rad". Der Pläne bedeuteten neben der Verbesserung für Radfahrer eine Qualitätssteigerung für Fußgänger und das wiederum sei gut für den Einzelhandel. "Die Rheinstraße ist dann als Flaniermeile im urbanen Gefüge nutzbar."

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25 Prozent weniger Kfz-Verkehr auf dem Abschnitt

Was den motorisierten Verkehr angeht, so hat laut Stadt ein externes Fachbüro die Auswirkungen des Versuchs ausgewertet, denn Ziel war auch, den Verkehr dort zu reduzieren. Demnach reduzierte sich der Kfz-Verkehr auf der mittleren Rheinstraße stadteinwärts um ein Viertel. Die erwarteten Verlagerungseffekte auf die Hindenburg- und Hügelstraße seien zwar eingetreten, aber nicht um das Maß der reduzierten Verkehrsströme. "Ein Teil der Autofahrer, der zuvor den Cityring genutzt hat, weicht nun offenkundig nach Norden aus und kommt über Steubenplatz und Kasinostraße zum Ziel", heißt es aus dem Rathaus.

Die Kosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich auf 350 000 Euro. Finanziert werden die Arbeiten aus dem Investitionsprogramm 4x4, demzufolge in den kommenden vier Jahren jeweils vier Millionen Euro in die Radwege-Infrastruktur fließen sollen.

In einem zweiten Schritt im Sommer 2020 soll zusätzlich das Trottoir umgestaltet werden. Durch die neue Radwegeführung ergibt sich dort laut Stadt Potenzial sowohl für Außengastronomie als auch für eine vielfach gewünschte Begrünung. Dafür sind derzeit Pflanzkübel vorgesehen. Bäume wurde bisher stets im Hinblick auf zahlreiche im Untergrund verlaufende Leitungen verworfen. Die Versorgungsunternehmen Entega und Heag mobilo haben nach Angaben der Stadt nun allerdings den Auftrag zu klären, wo genau diese Leitungen liegen. "Unter Umständen ist es doch möglich, den ein oder anderen Baum zu pflanzen", sagt der städtische Sprecher Klaus Honold.