Darmstädter Ukraine-Konvoi muss unerwartete Hürden nehmen

In der slowakischen Stadt Kosice laden Helferinnen und Helfer die Darmstädter Spenden aus dem Bus. Von dort aus werden sie weitergeschickt.        Foto: Paul Kothe

Die Hilfsgüter aus Darmstadt lagern erst einmal in der Slowakei. Die Stadtverwaltung rät von weiteren Sachspenden ab und organisiert Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge.

Anzeige

DARMSTADT. Die erste große Lieferung von Hilfsgütern für Menschen in der Partnerstadt Ushgorod ist angekommen – fürs Erste in der slowakischen Stadt Kosice, von wo aus alles weitergeschickt werden soll. Dabei sind die Helfer aus Darmstadt auf Hürden an unerwarteter Stelle gestoßen. Am Mittwoch war der privat organisierte Bus immerhin komplett entladen und unterwegs in Richtung eines Grenzortes nahe der Ukraine, um dort nach Möglichkeit Kriegsflüchtlinge aufzunehmen. Das berichtete Organisator Peter Ehry vom Partnerschaftsverein PDUM von unterwegs.

In der Nacht zu Dienstag war der Konvoi mit drei Fahrzeugen vom Darmstadtium aus aufgebrochen, beladen mit Sachspenden, vor allem medizinischen Hilfsgütern. Die Stadt Darmstadt hatte die Fahrt mitorganisiert und alle Pläne für die Übergabe abgestimmt mit der Verwaltung in Ushgorod. An der österreichisch-slowakischen Grenze gab es aber erstmal einen ungeplant langen Stopp, wie die Helfer berichten.

Anzeige

So habe man den großen Bus entladen und alle Decken, Schlafsäcke und sonstige Spenden in einen Container umladen müssen, die medizinischen Artikel in einen weiteren. Ehry berichtete, dass aber alles „geordnet entladen und nach den Einfuhrvorschriften eingelagert worden sei.“ Von der Slowakei aus sollten alle Spenden „in ein bis zwei Tagen in die Ukraine geliefert werden“, so die Ansage.

Am Mittwochnachmittag war der Bus mit den Helfern unterwegs Richtung eines grenznahen Orts vor Ushgorod, den die militärische Verwaltung vorgeschlagen habe. Dort seien geflüchtete Frauen und Kinder gestrandet, denen man eine Weiterfahrt nach Darmstadt anbieten wollte. Zwei Freiwillige aus dem slowakischen Kosice hatten den Darmstädtern Unterstützung angeboten – auch, um Corona-Tests und FFP2-Masken zu besorgen, die für die Fahrt notwendig sind, aber laut Peter Ehry Mangelware in der Region. Derweil richtet sich Darmstadt auf die Aufnahme von Geflüchteten ein – allerdings unter anderen Vorzeichen als 2015 und in geringerem Umfang. Auch das Sammeln von Sachspenden habe derzeit keinen Vorrang, teilt die Verwaltung mit.

Keine Sachspenden mehr

So erklärt Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne): „Wir müssen kluge Wege finden, damit die Hilfe praktisch, schnell und einfach ankommt. Das heißt, wenn Sie helfen wollen, spenden Sie Geld auf die bekannten lokalen Spendenkonten oder an die großen Hilfsorganisationen.“ Unter der E-Mail-Adresse fluechtlinge@darmstadt.de können engagierte Menschen zudem mitteilen, wenn Sie privat Personen aufnehmen wollen. Zwar gehe die Stadt in den kommenden Tagen von steigenden Zahlen von Geflüchteten aus, man sei aber gut vorbereitet. Die ersten Ankommenden werden über den Partnerschaftsverein an private Unterkünfte vermittelt. „Wenn darüber hinaus Personen ohne Unterkunft sind, haben wir bereits Doppelzimmer in Pensionen angemietet“, so die Kommune.

Anzeige

Grundsätzlich bittet die Stadt dringend darum, keine weiteren Sachspenden in das Darmstadtium zu bringen. Die Menschen in den Grenzregionen seien relativ gut versorgt. Und die Lager der Hilfsorganisationen seien gut bestückt. Diese raten davon ab, weitere Sachspenden zu leisten, da dies zusätzliche Probleme bereite und eine schnelle Hilfe eher erschwere: „Deutlich zielführender und sinnvoller sind Geldspenden.“ Die Stadt hat dafür ein Spendenkonto eingerichtet unter: Stadt Darmstadt, IBAN DE93 5085 0150 0000 5440 00.