Darmstädter Quartierladen: Auf die Hilfe anderer zählen können

aus Leseraktion "Echo hilft"

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Frieda Schuchmann kommt regelmäßig zum Mittagstisch in den Quartierladen. Foto: Torsten Boor

Der Quartierladen in der Postsiedlung in Darmstadt will den Zusammenhalt stärken und ist Anlaufstelle, wenn Unterstützung nötig ist.

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DARMSTADT. Frieda Schuchmann steuert zielsicher ihren Rollator durch die Eingangstür des Quartierladens. Am ersten Tisch an der großen Schaufensterscheibe ist ihr Stammplatz. Die 87-jährige Seniorin kommt regelmäßig zum Mittagstisch, zu dem der Verein "Zusammen in der Postsiedlung" seit über einem Jahr jeden Mittwoch einlädt. "Hier habe ich immer nette Gesellschaft", erzählt Frieda Schuchmann, "und auch das Essen ist sehr gut."

Rund 30 Gäste sehen das genauso, genießen für einen Obolus von 3,50 bzw. 2,50 Euro für Inhaber der Teilhabecard vegetarische Bio-Gerichte und den Plausch mit anderen. Schon etwas länger gibt es zudem das Freitags-Café, ebenfalls im Quartierladen. Dann stehen Kaffee und frisch gebackener Kuchen auf dem Programm. "Entscheidend ist, dass wir mit diesen Zusammenkünften den Kontakt untereinander stärken", sagt Bastian Ripper von "Zusammen in der Postsiedlung" - dessen Aktivitäten inzwischen so umfangreich sind, dass es eine Schaltzentrale braucht, die mit "Echo hilft!" finanziert werden soll.

Mit Kleinigkeiten helfen

Schnell bekomme man die unterschiedlichsten Problemlagen mit und wisse, wo der Schuh drücke. Beispielsweise, wenn jemand krank werde. Da könne man gleich in Erfahrung bringen, ob Unterstützung durch Nachbarn, Bekannte oder Vereinsmitglieder nötig sei. Oft könne ja schon mit Kleinigkeiten wie das Besorgen von Lebensmitteln oder Medikamenten geholfen werden. Oder einfach durch einen Besuch, durch den deutlich werde, dass der Betroffene auf die Hilfe anderer zählen kann. So stand bei der allein lebenden Frieda Schuchmann vor einiger Zeit eine Krankenhausbehandlung an. Die gebürtige Darmstädterin, die viele Jahre in der Stadtverwaltung gearbeitet hat, versorgt sich und ihre Katze Laura zwar noch selbstständig, kocht sich ihr Essen und macht ihre Einkäufe in den Geschäften der Umgebung.

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Aber alles Notwendige für die Krankenhauseinweisung zu organisieren, hätte sie allein nicht mehr so gut und zeitnah bewältigen können. "Ich war ja selber erstaunt, dass dafür im Vorfeld rund ein Dutzend Arztbesuche notwendig waren", erzählt Bastian Ripper, der Frieda Schuchmann in dieser Zeit tatkräftig zur Seite stand und auch für Katze Laura ein Interimsquartier organisiert hat.

Durch diese Form nachbarschaftlicher Hilfe leiste man einen Beitrag dazu, dass alte Menschen länger in ihrer angestammten Umgebung leben könnten, betont Ripper. "Und das würden wir gern weiter ausbauen", ergänzt er. Auch dafür will er die bei der Aktion "Echo hilft!" eingehenden Spenden verwenden. So kann er sich vorstellen, Montagsmorgens zusätzlich ein Frühstück anzubieten, das auch zur Vorbereitung gemeinsamer Unternehmungen genutzt werden könne. Auch soll das Netz ehrenamtlicher Helfer ausgebaut werden.

Der Bedarf dafür ist da: Ein Drittel der Bewohner in der Postsiedlung ist über 65 Jahre alt. "Aber durch die Gebäudesanierungsprojekte und Neubauten sind auch viele junge Familien ins Viertel gekommen", berichtet Ripper. Letztere bildeten auch das Rückgrat des Nachbarschaftsvereins. Wichtig ist ihm, dass es nicht um ein "Animationsprogramm" gehe: "Wir wollen vielmehr jedem einzelnen dabei helfen, seine Autonomie zu bewahren." Die Angebote des Vereins sieht er als Plattform, die die Beteiligten darin unterstützt, eigene Kontakte zu knüpfen und Aktivitäten anzustoßen."

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Gemeinsam auf Tour mit Rollator, Bus und Bahn

Frieda Schuchmann konkretisiert anhand ihrer eigenen Erfahrung, was damit gemeint ist. Beim Mittagstisch hat sie nämlich die 66-jährige Angelika Achberger kennengelernt. Und jeden Sonntag gehen die beiden seit einiger Zeit gemeinsam auf Tour - mit Rollator, Bus und Bahn. Dabei lassen die beiden Seniorinnen das ein oder andere Mal auch die Darmstädter Stadtgrenze hinter sich.

Die Erweiterung des eigenen Horizonts ist für Bastian Ripper auch bei der Organisation der Nachbarschaftshilfe notwendig. Kontakt hält er deshalb mit anderen nachbarschaftlichen Initiativen in Darmstadt, beispielsweise in Kranichstein oder Arheilgen. "Da gibt es einen schönen Austausch", sagt er. Frieda Schuchmann stellt den Aktivitäten von "Zusammen in der Postsiedlung" auf jeden Fall ein gutes Zeugnis aus: "Die gegenseitige Unterstützung läuft einfach wunderbar."