Bundesweit erstes Promotionszentrum "Angewandte Informatik"...

Grafik: VRM/Klaus Lohr

Promotion ohne die bisher obligatorische Kooperation mit einer Universität: Das ermöglicht das bundesweit erste Promotionszentrum für "Angewandte Informatik" mit Sitz in...

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DARMSTADT. Das bundesweit erste Promotionszentrum für "Angewandte Informatik" ist am Dienstag in Darmstadt offiziell an den Start gegangen. Die von der Hochschule Darmstadt (HDA), der Frankfurt University of Applied Sciences, der Hochschule Fulda und der Hochschule Rhein-Main getragene Einrichtung ermöglicht ihren Studierenden im Fachbereich Informatik eine Promotion ohne die bisher obligatorische Kooperation mit einer Universität.

Dass Hessen als erstes Bundesland überhaupt den aus den Fachhochschulen hervorgegangenen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ein von den Universitäten unabhängiges Promotionsrecht zugestehe, zeige den "Mut der Landesregierung", sagte HDA-Vizepräsident Arnd Steinmetz. Ebenso wie Rolf Bernhardt, Leiter der Abteilung Hochschulen und Forschung im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, verwies er auf Widerstände vonseiten der Universitäten, aber auch anderer Bundesländer gegen dieses Vorhaben. Angesichts zahlreicher von den Hochschulen mitbetreuten Promotionen sowie dem Umstand, dass über die Hälfte der Promovierenden keine Karriere in der Forschung, sondern in Unternehmen anstrebten, sei die Zeit dafür jedoch reif gewesen.

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Rolf Bernhardt betonte, dass die Stärkung der Hochschulen ein erklärtes Ziel der Hessischen Landesregierung sei. Das 2015 vom Landtag verabschiedete neue Hochschulgesetz, mit dem den Hochschulen ein eigenes Promotionsrecht zugestanden wurde, sei so nur ein konsequenter Schritt in die richtige Richtung. Zudem stellte er klar, dass keine "Promotion zweiter Klasse" entstehen solle. Deshalb habe man die Vergabe des Promotionsrechts mit hohen Hürden verbunden.

TH Mittelhessen soll mit ins Boot geholt werden

So wird es ausschließlich an sehr forschungsintensive Fachgebiete vergeben. Die betreuenden Professoren müssen innerhalb der letzten drei Jahre mindestens 300.000 Euro an Drittmitteln eingeworben und sechs Publikationen veröffentlicht haben. Bei nicht technischen Fächern (beispielsweise Sozialwissenschaften) liegen die Grenzen im gleichen Zeitraum bei 150.000 Euro und drei Veröffentlichungen. Darüber hinaus muss eine Mindestzahl forschungsstarker Wissenschaftler vorhanden sein. Dafür können hessische Hochschulen fachrichtungsbezogene Promotionszentren bilden. Informatik-Absolventen können nun an einer der vier Hochschulen den Doktortitel erlangen, ohne auf die Suche nach einem Prüfer aus dem universitären Bereich gehen zu müssen - auch wenn dies nach wie vor möglich ist.

Rolf Bernhardt wies auf eine weitere Neuerung hin: Im Gegensatz zur Promotion an einer Universität, bei der Betreuer und Gutachter in einer Person vereint sind, habe man beim Promotionsrecht für die Hochschulen die personelle Trennung dieser beiden Funktionen festgelegt: "Es war an der Zeit hier ebenfalls etwas Neues zu wagen."

Arnd Steinmetz schätzt, dass insgesamt ein bis zwei Prozent der Informatik-Absolventen eine Promotion in Betracht ziehen. Er erwartet außerdem, dass sich die Technische Hochschule Mittelhessen mit Sitz in Gießen beziehungsweise Friedberg in absehbarer Zukunft dem Promotionszentrum anschließen wird.