Darmstädter sorgen sich um Andenken Gabriele Wohmanns

Das Wohnhaus von Gabriele Wohmann auf der Rosennhöhe.

Das ehemalige Wohnhaus der Schriftstellerin auf der Rosenhöhe verwahrlose zusehends, auch die Frage nach einem Ehrengrab sei offen. Dem widerspricht die Stadt.

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Darmstadt. Die Rosenhöhe ist eine erste Adresse fürs Wohnen. Daher fallen natürlich eher vernachlässigte Grundstücke und Immobilien wie etwa im Gabriele-Wohmann-Weg auf. Eines gehörte der 2015 verstorbenen Darmstädter Schriftstellerin Gabriel Wohmann. Ursprünglich lautete die Adresse Erbacher Straße 76, bevor der Weg nach der Schriftstellerin benannt wurde.

Ihr Haus verfällt zusehends, die Brombeerhecken wuchern Richtung Hauswand, Gerüstteile liegen unter einer Plane im Garten. „Eigentlich dachten wir im Sommer, dass jetzt was an dem Haus passiert“, sagt Hans-Willi Ohl, Autor des Buches „Meine Spaziergänge über die Rosenhöhe“. Er kennt sich bestens aus im Park und hat auch ein Auge auf das Anwesen. Dort erobere sich die Natur das Wohnhaus zurück, das seit dem Tod Reiner Wohmanns leersteht.

Zwei Holzkreuze auf dem Bessunger Friedhof erinnern an Wohmanns

Eine ähnliche Situation gebe es auf dem Bessunger Friedhof am Grab der Schriftstellerin und ihres Mannes, so Ohl. Dort allerdings stehen zwei relativ neue Holzkreuze, auch ist das Grab gepflegt und bepflanzt. Vor 14 Tagen haben Ohl und eine frühere Kollegin Ute Schäfer-Müller einen Brief an Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch verfasst mit der Bitte, dass sich die Stadt um das Grab und das Wohnhaus von Gabriele Wohmann kümmern möge. Als ehemaligen Deutschlehrern lägen ihnen das Werk und die Person der Schriftstellerin sehr am Herzen. „Oft haben wir im Unterricht den Studierenden die Themen ihrer intelligenten Erzählungen und Kurzgeschichten nahegebracht“, sagt Ohl.

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Auf den Brief haben die beiden bislang keine Antwort erhalten. Eine Antwort gab es jedoch auf die ECHO-Anfrage. „Städtischerseits besteht keine Handlungsoption“, teilt die Pressestelle mit. „Das Haus ist im Privatbesitz und damit außerhalb des städtischen Einflussbereichs“, so Sprecher Klaus Honold. Die Stadt könnte nur tätig werden, wenn von dem Grundstück eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehe. „Ob dies der Fall ist, werden wir prüfen.“ Ein unansehnlicher Zustand allein sei allerdings auch beim ehemaligen Eigentum bekannter Persönlichkeiten kein Grund, den grundgesetzlich garantierten Schutz des Eigentums zu unterlaufen.

Das Haus ist im Privatbesitz und damit außerhalb des städtischen Einflussbereichs.

KH
Klaus Honold Sprecher, Stadt Darmstadt

Bei der Pflege des Grabes sei die Fragestellung des „Privatbesitzes“ die entscheidende Größe. Das Wahlgrab „Mauer 111“ auf dem Bessunger Friedhof habe eine aktuelle Ruhefrist bis 2037, also 20 Jahre nach der Bestattung von Reiner Wohmann im Jahr 2017. „Der aktuell eingetragene Nutzungsberechtigte hat die Verpflichtung zum Erhalt eines satzungsgemäßen Zustands der Grabstätte“, so der Pressesprecher. Der Nutzungsberechtigte hätte aber auch das Recht, weiter Beisetzungen zu initiieren, was die Ruhefrist der Grabstätte entsprechend verlängern würde.

Nur das Türschild erinnert an das Wohnhaus der Wohmanns.
Nur das Türschild erinnert an das Wohnhaus der Wohmanns. (© Sascha Lotz)

Auch fragen sich Ohl und Schäfer-Müller, was aus dem Ehrengrab geworden ist, das der städtische Kulturausschuss auf Initiative von SPD, Linken, CDU, Grünen und Uwiga 2018 angeregt hatte. Damals wurde der Magistrat beauftragt, „die nötigen Schritte zu unternehmen, um für die Schriftstellerin ein Ehrengrab zu errichten“.

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Der Ehrengrab-Status könne erst nach Ablauf aller Ruhefristen und nach Rückgabe der Nutzungsrechte erfolgen, so die Antwort der Pressestelle. „Die private Trauer der Angehörigen und die private weitere Nutzung der Grabstätte haben Vorrang vor dem öffentlichen Gedenken.“ Das Grünflächenamt habe in seinem Friedhofs-Verwaltungsprogramm den entsprechenden Hinweis hinterlegt. „Außerdem wird die Stadt in diesem durchaus sehr besonderen Fall mit den Angehörigen in Kontakt treten, um über die Hinweise aus der Bürgerschaft zu informieren,“ so der Sprecher.

„Verwahrloster” Zustand von Grabstätten vermeiden

Auch das Einfordern des satzungsgemäßen Zustands der Grabstätte helfe hier nur bedingt. Ziel der Satzung sei es, einen „verwahrlosten“ Zustand zu vermeiden. Ein „gärtnerisch angelegter“ Zustand werde aber nicht als allgemeiner Maßstab eingefordert. Die aktuellen Holzkreuze werden zwar generell nur als Provisorium angesehen, „eine Verpflichtung zu einem Grabmal besteht aber nicht.“

Dennoch vertreten Hans-Willi Ohl und seine Mitstreiterin die Meinung, dass die Stadt mehr tun ihren Einfluss geltend machen könnte, um entweder auf dem Weg des Gesprächs mit den Verantwortlichen oder – sofern dies möglich ist – auch juristisch Abhilfe zu schaffen. „Eigentum verpflichtet schließlich.“