Bio-regio-faire Sommermesse in Darmstadt

Andreas Figur (von rechts) und Mira Arnoul von der Initiative „Klimanotstand Darmstadt“ informieren die Messe-Besucher auf dem Oberfeld. Foto: Andreas Kelm

Auf dem Hofgut Oberfeld in Darmstadt präsentieren mehr als 30 Aussteller, dass nachhaltiges Handeln möglich ist.

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DARMSTADT. Geduldig rollt der sechsjährige Leonard eine matschige Kugel zwischen den Händen. „Das macht Spaß“, erklärt er; wozu das Ganze gut sein soll, weiß er allerdings nicht so genau. Bodenkundlerin Andrea Bachmann vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald dagegen schon: „Die Kugel besteht aus Löß, torffreier Erde, etwas Sand, Wasser und Blumensamen und kann im Garten ausgeworfen werden. Wenn man regelmäßig gießt, entsteht eine Blumenwiese.“

Kinder in Kontakt mit dem Boden bringen und ihnen, im Sinne der Nachhaltigkeit, vermitteln, wie wichtig seine Erhaltung ist, sei das Ziel dieser Aktion, sagt Andrea Bachmann. Leonards Vater findet das eine gute Sache. Gemeinsam mit Familie und Freunden ist der Darmstädter am Samstag zu Besuch auf der vierten bio-regio-fairen Sommermesse, die erstmals auf dem Hofgut Oberfeld ausgerichtet wird.

„Mehr Platz – mehr Stände“ dachten sich die Organisatoren und luden kurzerhand zehn Aussteller mehr ein als in den Vorjahren. Gleich geblieben ist die Intention an den nun 35 Ständen: Verantwortungsbewusster Konsum und nachhaltiges Handeln stehen im Vordergrund. Ursula Draude und Winfired Kändler aus dem Organisationsteam betonen: „Wir wollen zeigen, ob und wie diese Themen in Darmstadt verwirklicht werden.“ Bei der Auswahl der Aussteller würde, passend zu den Stichworten bio, regio, fair, darauf geachtet, dass die angebotenen Produkte nach biologischen Standards hergestellt und/oder fair gehandelt worden seien und dass das Engagement für regionale Belange im Vordergrund stehe.

Das trifft auf die junge Bürgerinitiative Klimanotstand zu. Auf einem Plakat mit der Frage: „Warum sollen wir den Klimanotstand ausrufen?“ können die Besucher Antworten notieren, eine davon lautet: „Weil wir unsere Erde wieder enkelkindertauglich machen sollten.“ Mira Arnoul, die den Stand betreut, freut sich über solche Aussagen und erst recht über Unterstützer: „Die brauchen wir dringend, um unser Ziel zu erreichen: Wir wollen, dass die Stadt Darmstadt den Klimanotstand ausruft – aber nicht nur symbolisch, sondern mit ganz konkreten Änderungen, wie beispielsweise, dass jede städtische Entscheidung im Vorfeld hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Klima bewertet wird.“

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Den Wunsch nach klimafreundlichem Denken gibt es auf der bio-regio-fairen Sommermesse aber nicht nur hinsichtlich der Politik, sondern auch für Häuser und Wohnungen, wie zwei Stände mit umweltfreundlichen Materialien rund ums Bauen zeigen. Bau-Natura setzt dabei ganz auf das Motto „Gesund bauen und wohnen mit der Natur“, das Darmstädter Geschäft Naturpfad auf ökologisches Bauen, Renovieren und Wohnen.

Kulinarisch nachhaltig wird es beim mobilen Imbiss-Stand von Fox-in-a-box, an dem Frozen Yoghurt angeboten wird, bei der Foodsharing-Initiative, deren Mitglieder fleißig Smoothies aus geretteten Lebensmitteln zubereiten und sogar am regulären Essensstand der Messe, der gar nicht zu den Ausstellern gehört: Vom Hofgut Oberfeld betrieben, gibt es hier ausschließlich Produkte in Demeter-Qualität.

Die Kooperationsveranstaltung war laut der Organisatoren 2018 auf Initiative der Lokalen Agenda 21 von Hofgut Oberfeld, Evangelischem Dekanat Darmstadt-Stadt, der Hochschulgruppe Nachhaltigkeit, dem Weltladen, der Solidarischen Landwirtschaft sowie der Eine-Welt-Promotorin für Fairen Handel und nachhaltige Beschaffung ins Leben gerufen worden. „Seitdem sind wir stetig gewachsen.“

Von Miriam Gartlgruber