Bijan Kaffenberger gewinnt Direktmandat

Sozialdemokrat aus Roßdorf gewinnt den Südwahlkreis gegen die frühere Kultusministerin Karin Wolff (CDU).

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DARMSTADT. Um kurz vor 20 Uhr verlässt Karin Wolff die Centralstation und macht sich auf in den Ratskeller, wo die CDU zusammenkommt. Grund zum Feiern hat Wolff zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Neben dem landesweiten CDU-Ergebnis ("Ich hätte mir schon die Drei vorne gewünscht") liegt bei den Erststimmen ihr Gegenkandidat, Bijan Kaffenberger von der SPD, in diesem Moment gut vier Prozent vor der einstigen Kultusministerin. Sie galt im Darmstädter Südwahlkreis mit Eberstadt, Bessungen und der Heimstättensiedlung und den Landkreis-Kommunen Mühltal, Ober-Ramstadt, Modautal und Roßdorf als Favoritin. Kaffenberger gibt derweil Interviews, bleibt zurückhaltend. "Ich muss dann mal einen Moment für mich sein und das Ergebnis in Ruhe abwarten", sagt der 29 Jahre alte Sozialdemokrat aus Roßdorf. In der Centralstation macht mit Blick auf das sich abzeichnende Erststimmenergebnis für Kaffenberger das Wort von der "Sensation" die Runde.

Philip Krämer, Direktkandidat der Grünen und in den Tagen vor der Wahl als möglicher Überraschungssieger im Südwahlkreis gehandelt, liefert sich mit Karin Wolff in dem Moment ein Kopf-an-Kopf-Rennen, allerdings um Platz zwei, denn Kaffenbergers Werte stabilisieren sich.

Die Darmstädter SPD-Vorsitzende Brigitte Zypries hat an diesem für die SPD so schweren Abend doch noch Grund zur Freude: "Ich freue mich sehr für Bijan, er hat, wie auch Tim Huß im Nordwahlkreis, einen tollen Wahlkampf gemacht, Präsenz gezeigt und den Menschen zugehört", bescheinigt die einstige Bundesministerin beiden SPD-Hoffnungsträgern aus der Stadt und dem Landkreis gute Arbeit. Karin Wolff zeigt sich gegen 22 Uhr enttäuscht: "Ich kann dieses Ergebnis im Moment nicht erklären, das müssen wir intern analysieren. Mein Team und ich haben im Wahlkampf und in den Jahren davor alles gegeben und ich hätte mir gewünscht, Darmstadt direkt weiter zu vertreten, verbunden mit der potenziellen Regierungspartei CDU."

Bijan Kaffenberger, der künftige Landtagsabgeordnete, sieht sich und seinen überraschenden Sieg im Wahlkreis als "Beleg für die personelle Erneuerung der SPD und dafür, dass die SPD wieder Erfolg haben kann, wenn sie sich was traut." Am Ende liegt Kaffenberger nach der Auszählung aller 91 Wahlbezirke bei 28,3 Prozent der Erststimmen, Karin Wolff folgt an zweiter Stelle mit 24,2 Prozent nur knapp vor dem Grünen Philip Krämer (23,9 Prozent).

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Der freute sich vor allem über das "herausragende Ergebnis für die Grünen, und ob es am Ende der zweite oder der dritte Platz für mich beim Erststimmenergebnis ist, ist völlig egal, wir haben einen guten Wahlkampf gemacht und sind mit durchweg guten Ergebnissen belohnt worden, das ist, was für mich zählt."

Von Frank Horneff