Autonom auf Schienen unterwegs auch in Darmstadt?

Demonstrationsfahrt der Straßenbahn ohne Fahrer von Siemens in Potsdam.  Foto: Stefan Zeitz/Siemens

Die TU Darmstadt erarbeitet eine Machbarkeitsstudie für eine teilautonome Straßenbahn. Heag mobilo unterstützt das Projekt. Genaueres soll im Sommer vorgestellt werden. Ein...

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DARMSTADT. Eine teilautonome Straßenbahn in Darmstadt? Im Sommer will Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) das Konzept vorstellen. Teilautonom heißt, dass noch ein Fahrer an Bord ist, der im Notfall schnell eingreifen kann. Das Projekt wird von der TU wissenschaftlich betreut und von Heag-Mobilo unterstützt. Zwar gibt es bereits autonom fahrende U-Bahnen und Assistenzsysteme, die zum Beispiel Straßenbahnfahrer beim Bremsen unterstützen, ein Blick über Darmstadt hinaus zeigt jedoch, dass es noch einiges an Forschung braucht, bis diese Technik auf die Schienen kommt.

In Nürnberg gibt es seit 2012 einen vollautonomen U-Bahn-Betrieb. "Im Straßenbahnbereich ist das jedoch noch weitestgehend Neuland", sagt Silke Rautenberg von Heag-Mobilo. Warum? Straßenbahnen sind umgeben von Autos, Radlern, Fußgängern. Die Anforderungen sind im Vergleich zu U-Bahnen wesentlich komplexer. In Potsdam hat Siemens Mobility im September zwar bereits eine autonom fahrende Straßenbahn präsentiert - allerdings handelt es sich dabei um ein Forschungsprojekt auf einem sechs Kilometer langen Teilstück des Tramnetzes. Bestückt ist die Bahn mit mehreren Sensoren, die Fahrzeug und Verkehrsumfeld erfassen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz achtet die Bahn auf Lichtsignale, stoppt an Haltestellen und reagiert auf Fußgänger und Fahrzeuge.

Teststrecken in Karlsruhe, Heilbronn und Bruchsal

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Auch in Karlsruhe, Heilbronn und Bruchsal geht es ums autonome Fahren. Dort gibt es seit Mai ein Testfeld, auf dem fünf Jahre lang auch neue Formen des ÖPNV erprobt werden sollen. Beteiligt sind mehrere Forschungseinrichtungen, darunter auch das Karlsruher Institut für Technologie. Die Teststrecken umfassen innerstädtische Tempo-30- und Tempo-50-Zonen, Parkhäuser, Wohngebiete, Landes- und Bundesstraßen sowie Autobahnabschnitte. 2,5 Millionen Euro hat das Verkehrsministerium zur Verfügung gestellt. Der Testbetrieb wird über eine Leitstelle des Karlsruher Verkehrsverbundes koordiniert. Seit kurzem wird dort zudem untersucht, welche rechtlichen Fragestellungen sich aus automatisierten Fahrsystemen ergeben und welche Auswirkungen sie auf den Verkehrsfluss haben: Wenn künftig mehr und mehr autonome Fahrzeuge unterwegs sind, wirkt sich das vermutlich auch auf das Verkehrsverhalten der Menschen und auf den Straßenverkehr aus. Unter anderem will das FZI Forschungszentrum Informatik in den kommenden 36 Monaten herausfinden, ob das automatisierte Fahren die Zahl der Fahrten, die Fahrtziele oder die Wahl der Verkehrsmittel verändert. Aus den Ergebnissen sollen Handlungsempfehlungen für Wissenschaft, Industrie und Politik abgeleitet werden.

In Darmstadt soll Prototyp gebaut werden

In Darmstadt halten sich TU und Heag-Mobilo derzeit noch bedeckt, was das von Jochen Partsch angekündigte teilautonome Straßenbahnprojekt angeht. Für die "Machbarkeitsstudie zu Automatisierung und Assistenzsystemen der Straßenbahn" will der Fachbereich Fahrzeugtechnik der TU unter anderem untersuchen, welche Assistenzsysteme für Straßenbahnen geeignet wären. Laut Projektbeschreibung soll zudem ein Prototyp zum automatisierten Fahren aufgebaut werden. Das Umfeld der Tram soll mit Hilfe unterschiedlicher Sensoren, Kameras und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Blick behalten werden.

"Voraussichtlich wird es im Juni so weit sein, dass die Heag und wir Details veröffentlichen und vielleicht auch etwas zeigen können", heißt es bei der Pressestelle der TU Darmstadt. Nach Angaben von Heag-Mobilo ist im Rahmen des Projekts zunächst geplant, umfangreiche Fahrdaten mit einer Straßenbahn zu erheben. Zu einem späteren Zeitpunkt sei eventuell auch denkbar, eine automatisierte Testfahrt mit einer Straßenbahn außerhalb des Linienbetriebs durchzuführen. Bei der Entwicklung von Assistenzsystemen, so Pressesprecherin Silke Rautenberg, gehe es generell, wie auch im Automobilsektor darum, Unfallrisiken zu verringern und Betriebsabläufe effizienter zu gestalten. Als Beispiel nennt sie das Rangieren auf dem Betriebshof.