Auszeichnung für Merck-Schüler

Für einen Radiobeitrag sind 13 Schüler der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule ausgezeichnet worden. Nun wurden sie in die ehemalige Stasi-Zentrale nach Berlin eingeladen.

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DARMSTADT. Dass sie mit einem Radiobeitrag zum Thema "Terrorismus" mal einen ersten Preis gewinnen würden, hätten die 13 Schüler der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule (HEMS), die im vergangenen Schuljahr am Modellprojekt "Politisch motivierte Gewalt erforschen" teilnahmen, nie gedacht. Nach einer Woche Arbeit und der Auseinandersetzung mit Medien, Berichterstattungen und politischer Kommunikation entstand eine Radiosendung mit dem Titel "Terrorismus Global", die vom Frankfurter Radiosender Radio X live gesendet und einen Monat später wiederholt wurde. Für ihre Arbeit wurden die Schüler der HEMS nun gemeinsam mit zwei weiteren Schulen als Gewinner des Wettbewerbs "Wir reden mit" in die ehemalige Stasi-Zentrale nach Berlin eingeladen. "Wir sind stolz auf uns", sind sich die 15 bis 18 Jahre alten Schüler einig, die in der BzB-Klasse (Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung) gerade ihren Hauptschulabschluss absolvieren.

Für die Projektarbeit ging es für sie Ende August 2018 für fünf Tage in die Bildungsstätte Alte Schule in Neu-Anspach im Taunus. Zunächst sei es für die Jugendlichen schwer vorstellbar gewesen, dass sie selbst etwas zu einem politischen Thema entwickeln sollen, heißt es seitens der Schule. "Zu oft haben sie in ihrer Vergangenheit erlebt, dass wenig Zutrauen in ihr Können und Wissen gesetzt wurde." Doch die Arbeit wurde zum Erfolg. Unterstützt haben die Jugendlichen dabei die Trainer, eine koordinierende Referentin und zwei Studierende. Wie es von den Verantwortlichen der Schule heißt, sei Terrorismus für viele der jungen Männer die Fluchtursache aus den Ländern ihrer Eltern gewesen. Die Chance, in ihrer neuen Heimat im Radio sprechen zu können, wollten sie nutzen, um genau das zu erklären.

Ein weiteres wichtiges Thema für die Jugendlichen, das während der Projektarbeit zur Sprache kam, waren rassistische und islamfeindliche Äußerungen. Sogar in Neu-Anspach, als sie Bürger zum Thema Terrorismus befragt hätten, seien sie damit konfrontiert worden. So habe es unter anderem als Antwort gegeben: "Terrorismus ist, wenn ausländische Mitbewohner uns als Deutsche in irgendeiner Weise bedrohen." Neben der Straßenbefragung und selbst gewählten Musikstücken enthält der Radiobeitrag auch ganz persönliche Einzel-Erfahrungen: So berichteten zwei der Schüler über ihre Flucht von Syrien nach Deutschland. "Meine Freunde waren dagegen, dass ich gehe, und ich wollte eigentlich auch nicht so gerne raus aus Syrien", erzählt einer der beiden. Doch das Dableiben hätte bedeutet, kämpfen zu müssen, "oder sie töten mich."

Gefördert wurde das Modellprojekt vom Staatlichen Schulamt Darmstadt-Dieburg und der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Beitrag der Schüler soll künftig als Grundlage für ein Online-Podcast-Archiv dienen und dort auch zu hören sein. Der BzB-Klasse der HEMS hat das Projekt jedenfalls großen Spaß gemacht, die Schüler erklären: "Dadurch haben wir viel Neues erfahren."

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Von Miriam Gartlgruber