August Lucas: Der realistische Romantiker

August Lucas liegt auf dem Alten Friedhof begraben. Foto: Guido Schiek

Der Maler August Lucas (1803-1863) gilt als Vorreiter des Realismus und engagierte sich im Darmstädter Kulturleben. Auf dem Alten Friedhof in Darmstadt hat er ein Ehrengrab.

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DARMSTADT. August Lucas wurde am 4. Mai 1803 geboren. Der Sohn des Damenschneiders Georg Friedrich August Lucas und dessen Gattin Anna Maria Sichlinger wuchs in Darmstadt auf und war von 1813 bis 1817 Schüler des Pädagogs. Befreundet war der Knabe unter anderem mit Georg Gottfried Gervinus, dem späteren Naturwissenschaftler Johann Jakob Kaup und dem Chemiker Justus Liebig sowie den Malern Peter App und Wilhelm Noack. Seine eigene künstlerische Neigung hat der Bub wohl früh entdeckt, ersten Zeichenunterricht erhielt er wahrscheinlich vom Gründer der Zeichenschule am Darmstädter Museum, Franz Hubert Müller. Zu den Besonderheiten der Ausbildung gehörten Zeichenübungen in der Natur, ein Vorgehen, das es in anderen Kunstschulen zu der Zeit noch kaum gab.

August Lucas liegt auf dem Alten Friedhof begraben. Foto: Guido Schiek
Das Gemälde „Siesta“ von August Lucas ist im Kargelbau des Landesmuseums zu sehen. Das Bild ist im Jahr 1856 in Darmstadt entstanden. Foto: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

1825 besuchte August Lucas die Kunstakademie in München, was dem damals 22-Jährigen durch ein Stipendium des Großherzogs ermöglicht wurde. Eine Wanderung durch das pittoreske Berner Oberland entfachte seine Leidenschaft für die Landschaftsmalerei. Im Jahr darauf kehrte August Lucas nach Darmstadt zurück und streifte ausgiebig durch seine Heimat: Die Skizzenbücher des Malers aus dieser Zeit sind voller Motive aus dem Odenwald und von der Bergstraße. Sein Freund Johann Jakob Kaup beauftragte ihn mit der Illustration seiner „Galerie der Amphibien“. Außerdem zeichnete August Lucas zahlreiche Porträts und fertigte Radierungen sowie Lithographien für Verlagspublikationen an.

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Reisen nach Italien prägen den Künstler

Erneut begünstigt von einem großherzoglichen Stipendium reiste August Lucas 1829 nach Italien. In Mailand nahm er Kontakt zu Jakob Felsing auf, in Rom traf er seine alten Gefährten Peter App und Wilhelm Noack. In den folgenden Jahren lebte und zeichnete der Darmstädter Künstler vorwiegend in der italienischen Hauptstadt. 1830 war er mit Friedrich Preller in Olevano, 1832 reiste er nach Neapel, Sorrent und Capri.

Nach einer schweren Krankheit kehrte August Lucas 1834 nach Darmstadt zurück, wo er sich vergeblich um die Stelle des Galerie-Direktors bewarb. Das verschärfte seine finanziellen Probleme, die ihn zeitlebens begleiteten, obwohl er als Künstler durchaus Bilder und Zeichnungen verkaufte, illustratorische Aufträge für Verlage erledigte und seine Werke in diversen Ausstellungen gezeigt wurden. Dennoch: Seine Versuche, sich eine bequeme materielle Existenz aufzubauen, blieben erfolglos.

Zurück in Darmstadt, malte August Lucas weiter, inspiriert von der Landschaft an der Bergstraße und im Odenwald, allerdings entstanden auch Motive, die eindeutig italienische Landschaften zeigten. Im Sommer 1838 reiste er mit Johann Conrad Felsing nach Düsseldorf und lernte dort Johann Wilhelm Schirmer kennen, den Gründer der Düsseldorfer Schule der Landschaftsmalerei. Dessen Auffassungen über Landschaften beeinflussten ihn sehr.

Arbeit als Zeichenlehrer an Schulen

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In Darmstadt prägte der Maler das künstlerische Leben seiner Heimat mit. Schon 1837 war er an der Gründung des „Rheinischen Kunstvereins“ beteiligt. Seit 1841 wirkte August Lucas außerdem als Zeichenlehrer an der Realschule und der Höheren Gewerbeschule, der späteren Technischen Hochschule Darmstadt.

Im Juli 1850 reiste August Lucas erneut für drei Monate nach Italien. In den Sabiner- und Albaner Bergen und in Neapel zeichnete und aquarellierte er zahlreiche Motive, die er nach seiner Rückkehr nach Darmstadt in Gemälde umsetzte. 1854 malte er den Festsaal der Vereinigten Gesellschaft in Darmstadt aus, ein von Georg Moller errichtetes Gebäude, das allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. 1861 war er Mitbegründer des Ortsvereins der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft.

Nach kurzer Krankheit starb August Lucas am 28. September 1863 in seiner Heimatstadt. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof in Darmstadt, 1 C 122. Freunde ließen zehn Jahre nach seinem Ableben dort ein Denkmal für ihn errichten.

Anlässlich seines 100. Geburtstages wurde erstmals eine Werkschau organisiert, weitere Ausstellungen zu seinen Ehren folgten 1953, 2003 und 2013. Seit 1903 erinnert außerdem der Lucasweg an der Mathildenhöhe an den Künstler, dessen Grab seit 1953 als städtisches Ehrengrab geführt wird – zu Recht, wie Dr. Gabriele Mackert betont. „August Lucas war nicht nur ein namhafter Maler, sondern er hat das Kulturleben in Darmstadt geprägt.“ Was er seiner Heimatstadt mit seinem Engagement zurückgegeben hat, sei das Herausragende. „Das rechtfertigt das Ehrengrab mehr als zum Beispiel seine Porträts von öffentlichen Persönlichkeiten“, erklärt die Kustodin für Malerei und Plastik des 18. bis 21. Jahrhunderts im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Dieses besitzt einige Gemälde und Zeichnungen des Künstlers, zwei davon sind aktuell in der Gemäldegalerie im Kargelbau zu sehen: Das Bildnis von Christine Chelius aus dem Jahr 1851 sowie „Siesta“ von 1856, „ein traumhafter Blick in die italienische Landschaft“, wie Mackert findet.

Expertin zufolge gehört August Lucas eindeutig zu den Malern der Romantik, obschon seine Werke von präzisen Naturbeobachtungen zeugen. „Das ist in meinen Augen aber kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung hin zum Realismus“, sagt Mackert. Forscherblick einerseits und inniges Naturbewusstsein andererseits: „Diese Hingabe, mit der August Lucas gemalt hat, ist unglaublich faszinierend.“