Anwohner in der Gardistenstraße fühlen sich von Telekom veräppelt

Als viel zu groß kritisierten Anwohner den Mobilfunkmast in der Gardistenstraße, der 2017 auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses aufgebaut worden war (Bild links). Doch ist die Anlage nicht wesentlich kleiner, nachdem die Telekom nachgebessert hat (Foto rechts), wie die Protestinitiative findet. Fotos: Andreas Kelm

Viel zu groß fanden sie den Mobilfunkmast, der im Sommer 2017 auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses aufgebaut worden war. Doch statt des geforderten Rückbaus habe die Telekom...

Anzeige

DARMSTADT. Der Protest von Anwohnern gegen den kapitalen Mobilfunkmast auf einem Mehrfamilienhaus in der Gardistenstraße hat nun sichtbar Früchte getragen: Wie angekündigt, hat die Telekom als Betreiber die Anlage dieser Tage optisch verschlankt, indem Antennen ausgetauscht wurden. Dennoch hält sich die Begeisterung unter den Anwohnern in Grenzen.

Als viel zu groß kritisierten Anwohner den Mobilfunkmast in der Gardistenstraße, der 2017 auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses aufgebaut worden war (Bild links). Doch ist die Anlage nicht wesentlich kleiner, nachdem die Telekom nachgebessert hat (Foto rechts), wie die Protestinitiative findet. Fotos: Andreas Kelm

„Er ist zwar etwas schmaler, aber es ist nicht wirklich ein großer Unterschied“, befindet Tanja Heuser. Sie hat den Anwohnerprotest mitinitiiert, nachdem der zuvor rund fünf Meter hohe Sendemast im Jahr 2017 auf eine Höhe von knapp zehn Meter verlängert worden war. „Der Mast steht nach wie vor riesig da“, moniert die junge Frau.

Und während er optisch minimal verschlankt worden sei, habe die Telekom parallel offenbar eine technische Aufrüstung vorgenommen. Diese Information habe sie von der städtischen Bürgerbeauftragten erhalten, bei der sie sich vorigen November nach dem Fortgang erkundigt hatte. Demnach habe sich das Ganze verzögert, weil mit dem Umbau der Antennenanlage auch „eine Modernisierung der Systemtechnik“ verbunden sei.

Anzeige

„Das ist nicht, was die Anwohner wollten“, sagt Heuser. Statt eines Rückbaus habe die Telekom den Mobilfunkmast nun „leise aufgerüstet“. Hier stelle sich die Frage: Sind damit nicht die Strahlenmessungen hinfällig, die im Zuge des Anliegerprotests im vorigen Jahr bei einigen Nachbarn vorgenommen wurden? „Die Anwohner fühlen sich veräppelt.“

Die Telekom spricht auf Anfrage von einer „optischen Verschlankung im Rahmen der technischen Möglichkeiten“. Das heiße: Der Mast selbst bleibt bestehen, die Antennen werden ausgetauscht, erläutert Pressesprecher George-Stephen McKinney. Der Befürchtung, dass sich dadurch eine andere Strahlenbelastung ergebe, widerspricht das Unternehmen. Die Einhaltung der Vorgaben nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz gewährleiste, dass keine schädlichen Umwelteinwirkungen durch Mobilfunk und die damit einhergehenden elektromagnetischen Felder zu befürchten seien. Nach Auskunft des städtischen Umweltamts lagen die Messwerte in allen zehn Wohnungen, deren Bewohner eine Kontrolle der Strahlenbelastung auf Kosten der Telekom gewünscht hatten, „innerhalb der erlaubten Grenzwerte“.

Baudezernentin Barbara Boczek, die sich bereits 2017 vermittelnd eingeschaltet und zu einem Infoabend vor einem Jahr mit einem Telekom-Vertreter geladen hatte, begrüßt die Verschlankung. Persönlich finde sie, „dass das Stadtbild durch die Dimension der Anlage negativ beeinflusst wird“. Jedoch komme bei der Aufstellung von Sendemasten unter zehn Metern Höhe den kommunalen Bauaufsichtsbehörden keine eigene weitere Prüfungskompetenz zu. Auch der Denkmalschutz greife hier leider nicht. Deswegen wurde von Anfang an betont, dass an der Mastlänge von knapp zehn Metern rechtlich nicht zu rütteln sei.

Wie die Telekom abschließend mitteilt, sind im Umfeld der Gardistenstraße derzeit keine weiteren Ausbauten geplant. Das Mobilfunknetz werde entsprechend den stetig wachsenden Kundenanforderungen kontinuierlich weiterentwickelt. Der Ausbau mit der neuen 5G-Mobilfunktechnik, die bislang nur in Testgebieten eingesetzt werde, erfolge dabei von diesem Frühjahr an. Wo genau, das könne man noch nicht sagen.

Unabhängig davon sind nach Angaben des Umweltamts für 2019 die Errichtung einer neuen Anlage auf einer Privatschule im Haardtring 96 und die Erweiterung eines bestehenden Sendemasts in der Pallaswiesenstraße 54-58 angekündigt. Weitere Anlagen seien bisher noch nicht angezeigt.