Angeklagter muss lebenslang in Haft

In diesem Haus in Eberstadt kam in der Silvesternacht 2018 eine Frau ums Leben, deren Gefährte nun wegen Mordes verurteilt wurde. Archivfoto: Jan Hübner

Im Prozess um die zerstückelte Leiche in Darmstadt ist das Urteil gefallen. Das Gericht wertet die Tat als Mord aus niederen Beweggründen.

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DARMSTADT. Lebenslang wegen Mordes aus niederen Beweggründen lautete am Donnerstag das Urteil am Landgericht gegen Hector B. (35), der seine sechs Jahre ältere Lebensgefährtin Magdalena in der Nacht zum 1. Januar 2018 in der gemeinsamen Wohnung in Eberstadt erwürgt und die Leiche im Bad zerstückelt hatte. Außerdem ordnete die Schwurgerichtskammer seine Unterbringung – wie seine Partnerin drogen- und alkoholabhängig – in einer Entziehungsklinik an. Der Angeklagte hatte die Zerstückelung gestanden, die Tötung aber geleugnet.

Während der Urteilsbegründung durch den Vorsitzenden Richters Volker Wagner pöbelte der Angeklagte: „Die ganze Geschichte ist Schwachsinn, alles Schwachsinn. Herr Wagner, Sie haben keine Ahnung.“ Er wurde von der Hauptverhandlung ausgeschlossen. Zuvor hatte er in seinem letzten Wort beteuert: „Ich wollte Magdalena auf keinen Fall töten. Ohne die Drogen wäre das nicht passiert. Es tut mir wahnsinnig weh und leid. Ich schäme mich.“

Die Tat war als Totschlag angeklagt. In ihrem Plädoyer hatte Staatsanwätin Eva Wörner die Möglichkeit einer Verurteilung wegen Mordes thematisiert, sah dafür aber nicht ausreichende Beweise.

Angela Gräf-Bösch, Vertreterin der Nebenklage, hatte dagegen „nicht die geringsten Zweifel“, dass der Mann seine Partnerin getötet und zerstückelt hat. Sie sprach von einem Gewaltexzess. Im Verlauf der konfliktbeladenen Partnerschaft – geprägt von Drogen, Alkohol, häuslicher Gewalt und Polizeieinsätzen. Freundinnen, Nachbarinnen, Polizisten hätten vor Gericht übereinstimmend von Drohungen und gewaltätigen Übergriffen des Mannes berichtet. Mit seiner ständigen Kontrolle, regelmäßigen Gewalttätigkeiten, Drohungen und Erniedrigungen habe er das Leben seiner Partnerin zur Hölle gemacht. Für sie komme nur Lebenslang wegen Mordes infrage.

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Verteidiger Andreas Sanders betonte dagegen, „alles sei nur vom Hörensagen über Dritte“ in das Verfahren eingeführt worden. Aus der Zerstückelung der Leiche lasse sich kein Tötungsvorsatz ableiten. Dies sei vielmehr aus Angst geschehen, in Verdacht zu geraten, sie getötet zu haben. Der Verteidiger plädierte auf eine Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Richter Wagner geißelte den Angeklagten dagegen als Mann, „der mit oder ohne Drogen seine Bedürfnisse auslebte gegenüber seiner Freundin, die ihm eine Wohnung bot“. Er habe sein Opfer mehrfach aufs Übelste malträtiert. Die Tiraden des Angeklagten bezeichnete Wagner als „Ausdruck dessen, was in jener schicksalhaften Silvesternacht geschehen ist.“

Das Opfer sei der beste Sachbeweis. Die Gerichtsmediziner hätten 62 Hämatome vorwiegend im Kopfbereich festgestellt, entstanden höchstens eine Stunde vor ihrem Tod. Todesursache sei eindeutig Ersticken durch Erwürgen gewesen. Dies erfordere Kraft und Stetigkeit und spreche für unbedingten Tötungswillen.

Motiv sei gewesen, dass an jenem Silvesterabend die betrunkene Magdalena G. einen Polen mit in die Wohnung gebracht hatte, der sie nach Hause geleitet hatte. Dadurch habe Hector B. befürchtet, die Isolation seiner Partnerin werde aufgelöst.

Die Verteidigung kündigte Revision an.