42 Studenten präsentieren ihre Sommerdiplome am Fachbereich...

Die Interaktion von Mensch und Maschine ist ein Thema der Diplomarbeiten, am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt.Foto: Guido Schiek  Foto: Guido Schiek

Mit einem „Objekt zur Teezubereitung” lädt Stephan Bender zum gemeinsamen Verweilen ein. Das macht neugierig. Dem schnellen Erledigen setzt er sinnliche Rituale entgegen....

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DARMSTADT. Mit einem „Objekt zur Teezubereitung” lädt Stephan Bender zum gemeinsamen Verweilen ein. Das macht neugierig. Dem schnellen Erledigen setzt er sinnliche Rituale entgegen. In seiner Diplomarbeit, die er mit den Ergebnissen von rund 40 weiteren frischgebackenen Industrie- und Kommunikationsdesignern am Fachbereich Gestaltung präsentiert, untersucht Bender, wie Menschen mit Maschinen interagieren. Für ihn ist wichtig, dass die Technologie in den Hintergrund tritt, um dem Poetischen Platz zu machen.

Mit technischem Gerät, das Menschen zu Suchtkranken machen kann, hat sich auch Sebastian Kuntz intensiv beschäftigt. Als Kommunikationsdesigner hat er einen Kurzfilm darüber gedreht, „was das Smartphone mit uns macht“. Schon vor vielen Jahren schrieben Wissenschaftler über „fünf Subtypen der Internetabhängigkeit“.

Wer am Wochenende Foyer, Aula, Seminar- wie Kellerräume der Hochschule am Olbrichweg 10 durchläuft, wird mit zahlreichen Texten, Objekten, Fotografien, Grafiken, Heften, Großpostern und Polaroidbildern konfrontiert. Dabei kommen die Besucher schnell ins Gespräch.

Die Aufmerksamkeit anziehend sind auch die schwarzen, von weitem zunächst undefinierbaren Objekte, die in Reih und Glied an der großen Wand angeordnet sind. Pascal Lorenz hat zerdrückte Pappbecher schwarz bemalt: Durch die Bearbeitung wie Knüllen oder Quetschen hat jedes Produkt eine einzigartige Form angenommen. Daneben hängen schwarze Lappen, die auch in unterschiedlichsten Formen daherkommen, individuell wirken: „Ist es möglich“, fragt sich Lorenz, „für mich als Designer, jedes Objekt außerhalb seines Kontextes neu zu definieren, egal, wie einfach dieser ist?“

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Anhand der alltäglichen Gebrauchsgegenstände ging er dieser Frage auf den Grund, wobei es ihm gelang, die Neugierde der Besucher durch bizarre, rätselhafte und vielfältige Formen zu wecken.

In der Aula fällt der Blick auf eine Vielzahl großformatiger Schwarz-Weiß-Grafiken an der Wand und auf dem ausladenden Podest davor: Ines Jung hat ihre Arbeit mit „1000 by 100 – 100 for 10 Special Edition“ betitelt. Gegenüber präsentiert Svenja Sesterhenn ihre fotografische Reportage über das Leben des Landwirts Peter Jakobs im 2500-Seelendorf Hillscheid: Szenen mit der Familie am Küchentisch, beim Ausmisten im Stall, mit Kühen und der Schafherde auf der Weide. Dazu hat die Designerin als Installation Strohballen, Schubkarre, Fell und Werkzeug gesellt. Ganz anders kommt die Wasserbahn aus Kunststoff „mit ihrem Schnappmechanismus der Rinnen“ von Pinar Duru daher: Sie ist zum Spielen gedacht, lässt sich auch von Kindern „selbstständig und einfach auf- und abbauen“.

Mit der Sofortbildkamera fotografierte Frauenkörper

Wie in einen Science-Fiction-Film taucht man beim Projekt „MYNK“ zunächst in den dunklen Raum ein und wird in eine hautfarbene Silikonwelt entführt. André Zsigmondy entwickelte ein visionäres „Sicherungssystem für Sensorverbände am Körper“, seine Themen sind „Body Enhancement & Wearable Technology“. Die medizinisch-technischen Objekte werden steril verpackt dargeboten und flößen durch ihre Neuartigkeit irgendwie Angst ein.

Während hier die schöne neue Welt grüßt, möchte Jasmin Dories genau das Gegenteil mit ihren Fotos aus der Sofortbildkamera bewirken. Sie bildet Frauen so ab, wie sie sind: natürlich schön. Doch in Film und Fernsehen werde einem Schönheitsideal nachgejagt, das es gar nicht gibt und am besten auch nicht mehr geben soll, wie Dories findet.

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Mit chronischen Krankheiten hat sich Zehui Jiang beschäftigt, und einen Leitfaden für ein gesundes Leben entwickelt, Maximilian Koch hat ein modulares Rückentransportsystem entworfen und Huyen Pham möchte mit seinen Verpackungen für Food-Delivery-Services Müll vermeiden.

Hoch interessant sind die Zweifel, die Esther Saggel hegt, die sich fragt, ob das, was sie tut, auch richtig ist: „Ist meine Art zu leben angebracht?“ Aus einem Kneipengespräch sei ihre Diplomarbeit entstanden, aus Zweifeln, die auch andere Menschen quälten. Wenn sie zeichne, könne sie problematische Gedanken überwinden, erklärt sie. Herausgekommen sind fantasievolle Gebilde, dschungelartig-ästhetische Gespinste: „Eine Veränderung des Kontextes kann bewirken, dass ein und dasselbe gänzlich anders erscheint.“