Nur wenige Plätze für kleine Strolche

aus Coronavirus-Pandemie

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In den Kindertagesstätten bleibt es bis auf Weiteres beim Notbetrieb. Foto: Isabel Mittler

Bildungsministerium und Kreisverwaltung Bad Kreuznach sagen, jeder Härtefall bekommt einen Kita-Platz. Besser wäre es aber, die Eltern stellen dieses Angebot nicht auf die Probe.

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BAD KREUZNACH. Die kindliche Hoffnung aller „Zwerge“, „Rasselbanden“ und „Kleinen Strolche“ auf ein baldiges Wiedersehen kassierte Paragraf 5 der am Montag in Kraft getretenen Vierten Corona-Bekämpfungsverordnung mit einem einzigen Satz: „An allen Kindertageseinrichtungen entfallen die regulären Betreuungsangebote.“

Ein Satz, den die Vorschulkinder und die Träger der Einrichtungen gleichermaßen erstmal so hinnehmen müssen. Die Kitas werden auch mit den ersten leichten Lockerungen der Kontaktbegrenzung, die die Verordnung etwa im Einzelhandel und den Schulen mit sich brachte, weiterhin und auf noch unbestimmte Zeit nicht in den Regelbetrieb übergehen.

„Die Kitas bleiben prinzipiell geschlossen, allerdings wird die Notbetreuung im Vergleich zu bisher deutlich ausgeweitet“, interpretierte Landrätin Bettina Dickes die Neuerungen rund um die Kinderbetreuung in den Kindertagesstätten aus Sicht des Kreises. Bisher, so Dickes, seien nur Kinder von Arbeitnehmern aus systemrelevanten Berufen zur Notbetreuung zugelassen gewesen. „Mit der neuen Verordnung haben deutlich mehr Familien den Anspruch auf Notbetreuung in den Kitas“, so sieht es die Landrätin. Fragt man dazu allerdings Dr. Sabine Schmidt, Pressesprecherin des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums, ist das, was die Landrätin als „deutliche Ausweitung“ empfindet, schon lange Standard im Lande. Die Notbetreuung habe sich von Anfang an zwar „vor allem an Berufsgruppen gerichtet, deren Tätigkeiten zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung des Staates und der Grundversorgung der Bevölkerung notwendig“ sei, aber auch „an berufstätige Alleinerziehende und andere Sorgeberechtigte, die auf eine Betreuung angewiesen sind und keinerlei andere Betreuungslösung finden“, sagt das Ministerium. Dr. Sabine Schmidt: „Rheinland-Pfalz hat, anders als viele andere Bundesländer, von Beginn an keine abschließende Liste mit Berufsgruppen festgelegt und zudem auch die Alleinerziehenden im Blick gehabt. Deshalb mussten wir jetzt auch nicht nachsteuern.“ Auch ein Nachweis des Arbeitgebers, so die Ministeriumssprecherin, sei nicht erforderlich, solange von den jeweiligen Sorgeberechtigten „glaubhaft versichert wird“, dass ein Notbetreuungsbedarf besteht.

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Diese Linie soll nun auch im Kreis Bad Kreuznach gelten. Zwar spricht die Kreisverwaltung davon, es seien auch weiterhin „insbesondere die Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen in der Notbetreuung aufzunehmen“, aber auch Kinder von alleinerziehenden, berufstätigen Eltern hätten fortan die Möglichkeit hierzu. „Zusätzlich sollen Kinder aufgenommen werden, die in sozial belasteten Situationen leben, beispielsweise wenn sie Hilfen durch das Jugendamt erhalten“, sagt Landrätin Dickes.

Nicht mehr als zehn Kinder pro Notfallgruppe

Doch wie das in der Praxis laufen wird, ist noch unklar. Denn Land und Kreis sind sich einig, dass mit den zunehmenden Lockerungen der Einschränkungen im öffentlichen Leben damit zu rechnen ist, dass auch die Nachfrage an Notbetreuungsplätzen deutlich steigt. Vorsorglich appellierte Landrätin Dickes deshalb auch schon an die Eltern, die Notbetreuung „nur in begründeten Fällen in Anspruch zu nehmen“. Die Kitas seien angehalten, nur maximal zehn Kinder pro Notfallgruppe aufzunehmen, was im Umkehrschluss bedeute, dass nicht jedes Kind in den Kitas zur Notbetreuung könne. „Nehmen Sie Rücksicht auf Familien, die wirklich auf die Notbetreuung angewiesen sind und lassen Sie diesen im Zweifel den Vortritt“, bittet die Landrätin. Bisher machten die Eltern sehr verantwortungsvoll von dem Notplätze-Angebot Gebrauch. Doch mit jedem Laden, der wieder öffnet, und mit jeder schon abgefeierten Angestellten-Überstunde steigt der Druck auf die Kitas.

Die Einrichtungen müssen sich bis zum 4. Mai ihre Gedanken machen, wie sie personell und räumlich rollierende Systeme aufbauen, um die Notbetreuungsgruppen zur Infektionsketten-Vermeidung gegeneinander abzuschotten. Wie jedes Bauklötzchen, jedes Puzzleteil und jede Türklinke im pädagogischen Freispielangebot virenfrei gehalten werden soll, das wird den Kindergarten-Leitungen auch der beste Epidemiologe sowieso nicht erklären können. Auch eine Mittagsverpflegung wird es prinzipiell in den Kindertagesstätten nicht geben. Intern machen sich die Erzieherinnen wenig Hoffnung auf baldiges Licht am Ende des Tunnels. An eine Rückkehr zum regulären Betrieb sei „bis zu den Sommerferien“ nicht zu denken, heißt es in einer Rundmail.

Von Thomas Haag