„Toulouse“ feiert in der Wartburg Premiere

Ein Noch-Ehepaar trifft in einem Hotelzimmer ein letztes Mal zusammen... „Toulouse“ heißt David Schalkos Zwei-Personen-Stück, das nun in der Wiesbadener Wartburg Premiere feierte.

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WIESBADEN. David Schalkos „Toulouse“ basiert auf der guten Idee eines Noch-Ehepaars, das sich zum letzten Mal in seinem Lieblingshotel trifft, obwohl der Mann längst mit einer anderen Frau liiert ist. Er lügt ihr vor, dass er geschäftlich in Toulouse sei. Doch wie es Schalko und der Zufall wollen, wird dann genau dort, in eben jenem Konferenzzentrum, in dem er vorgibt zu sein, ein Terroranschlag verübt.

Vor Kurzem als Fernsehfilm zu sehen

Die Privatkatastrophe ist also programmiert. Als Fernsehfilm des Hessischen Rundfunks, mit Matthias Brandt und Catrin Striebeck in den Hauptrollen, machte das Ganze vor wenigen Wochen zur besten Sendezeit Furore. Jetzt bildet das gleichnamige Stück den dritten Teil der Wartburg-Reihe „Vertrauen verloren“. Schon mit der ersten exaltierten Geste lässt die Inszenierung der Regisseurin Caroline Stolz keinen Zweifel daran, dass hier nicht das fein austarierte Kammerspiel, sondern die boulevardeske Komödie im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Albern und an Loriot geschult exekutiert Schauspielerin Sybille Weiser in der Rolle der Exfrau Silvia die Tücken einschlägig bekannter Hotelobjekte, seien es die verflixten Zimmerkarten, die nicht so wollen, wie man selbst, oder die diebstahlsicheren, aber bedienungsresistenten Kleiderbügel. Dass die Flaschen scheppernd aus der Minibar purzeln, ist ein- zweimal lustig, erweist sich dann aber als lahmer „Running Gag“. Ort des Geschehens ist ein abgewohntes Hotelzimmer mit Retrocharme (Bühne: Matthias Schaller): Gewagte Blumenmuster zieren die Wände, französische Chansons schnulzen aus dem Radio, das Telefon kommt so vintage daher wie der Minifernseher, Betten und Sessel sind ähnlich durchgelegen und -gesessen wie das Genre der Ehe-Zimmerschlacht im Theater. Gleich nach seiner todschicken Gattin betritt auch Exmann Gustav das Hotelzimmer. In Hochwasserhosen (Kostüme: Julia Brülisauer) und mit blamiertem Gesichtsausdruck gibt Tim Kramer den waschechten Hanswurst.

„Männer sind Männer, Frauen sind Frauen“, heißt es einmal, und das wird hier sehr wörtlich genommen. Sybille Weiser schraubt sich mit schriller Coolness immer wieder in ein heiseres Vibrato hinein, während Tim Kramer sich beherzt zum Deppen macht, später steht er halb nackt mit der grell orangefarbenen Handtasche seiner Frau und Hotelpuschen in gleicher Farbe wie ein vergessenes Gepäckstück im Raum. Das Hotelzimmer, das beide nicht verlassen, gleicht einem Käfig im Zoo, in dem sich die angefütterten Ehe-Raubtiere nach allen Regeln der Zwietracht zerlegen.

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Die vollführten Erregungskurven mit ihren üblichen Aufs und Abs folgen bewährten Mustern. Eine der einprägsamsten Ideen gelingt der Inszenierung mit der Sexszene, die menschliches Begehren und kindliche Hüpfburgekstase vergnüglich in eins setzt. Dazwischen hängt der Abend auch schon mal durch, das verhielt sich beim Fernsehfilm übrigens nicht anders. Caroline Stolz benötigt 80 Minuten, um den amüsanten Ehekrieg an sein überraschendes Finale zu führen. Da herrscht dann Waffengleichheit, scharf geschossen wird zudem. Mehr wird nicht verraten.