Choreografin aus Litauen versteht sich auf Kinder

Choreografin Birute Baneviciute versteht sich auf Tanz für die kleinsten Zuschauer. Foto: Guido Schiek

Birute Banevciute probt im Staatstheater Darmstadt das Tanzspiel „Labyrinth“ für Zuschauer von drei bis sechs Jahre. Premiere ist zum Auftakt des Tanzfestivals am 2. November.

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DARMSTADT. Es braucht nur sechs bunte Röhren, und schon entstehen Welten. Mal sind es Säulen, die Kirill Berezovski und Vincenzo Minervini clownesk umwuseln. Dann errichten die beiden Tänzer ein Haus, das sie aus lauter Begeisterung an der Bewegung gleich wieder einreißen. Schließlich bauen sie sich ein bonbonbuntes Boot, in dem sie rudern.

Choreografin Birute Baneviciute versteht sich auf Tanz für die kleinsten Zuschauer. Foto: Guido Schiek
Kirill Berezovski (mit blauer Hose) und Vincenzo Minervini bei Proben im Ballettsaal des Darmstädter Staatstheaters. Foto: Guido Schiek

Die Männer wirbeln mit den Schaumstoffröhren umher, die schwerer sind als ihre flinke Artistik es vermuten lässt. Sie purzeln und hechten dynamisch über die Hindernisse. Da geht es zu wie im Zirkus, manchmal ist es aber auch einfach ein Kinderspiel, dann werden die Röhren zum Krabbeltunnel, wie man ihn aus der Kita kennt.

Es gibt also wieder Tanz für kleine Zuschauer: Birute Baneviciute, die bereits vor zwei Jahren im Auftrag des Hessischen Staatsballetts für Kinder bis drei Jahre das Tanzstück „Farbenspiele“ einrichtete, probt derzeit im Darmstädter Ballettsaal für die Uraufführung des neuen Spiels „Labyrinth“. Es geht jetzt darum, wie kleine Menschen sich die scheinbar labyrinthische Welt der Großen erschließen können – spielerisch und mit Entdeckerlust. Es geht rein in die Röhre, raus aus der Röhre. Und doch schaut hier keiner in die Röhre – ganz im Gegenteil.

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Die Premiere ist am Freitag, 2. November, in den Darmstädter Kammerspielen und bildet den Auftakt des Tanzfestivals Rhein-Main. „Es ehrt mich, dass ein Kinderstück am Anfang steht“, sagt die Litauerin Baneviciute, die seit 2007 in ihrem Dansema Dance Theatre in Vilnius Stücke für junge Zuschauer auf die Bühne bringt. Es gehe ihr um „hohe künstlerische Qualität für Kinder“, betont sie beim Probenbesuch. „Meine Tänzer müssen verstehen, wie ernst es ist, für Kinder zu arbeiten.“

Sie selbst tummelt sich vor jeder Produktion aufs Neue in Kindergärten. „Ich beobachte viel und mache mir die Theorie auch noch mal bewusst: Kinder unter drei Jahren kennen noch keine kulturellen Traditionen. Sie sind noch ganz reine soziale Wesen. Egal ob in Amerika oder China, Norwegen oder Italien. Sie sind überall angezogen von Farbe, Form und Bewegung“, erklärt die Choreografin, die dieselben Reaktionen überall auf ihren weltweiten Tourneen erlebt hat.

Nun aber, bei einem Stück für die etwas Älteren, die ihre Umwelt schon stärker auch mit der Sprache erfassen, sei es anders. „Diese Zuschauer brauchen auch eine Story. Wobei Realität und Magie noch nicht so scharf getrennt sind.“ Da könne man schon mal im Spiel ein Blatt Papier für ein Auto nehmen – oder eben sechs mannshohe Röhren für ein Boot. Die kindliche Fantasie spielt nur allzu gerne mit.

Eine halbe Stunde etwa soll es so durchs „Labyrinth“ gehen, wobei das Publikum von der Tribüne aus zuschaut – nicht mehr als 40 Kinder und 20 Begleiter pro Vorstellung. Danach laden die Tänzer die Kleinen ein, ihren Bewegungen auf der Bühne zu folgen, die Röhren anzufassen, mitzumachen. Anders als bei den ganz Kleinen, die völlig vom Spiel umfangen werden, heißt es bei den etwas Größeren: Erst sehen und staunen, dann spüren und spielen.