Arthur Millers „Hexenjagd“ in Idstein

Szene aus der Inszenierung in der Idsteiner Stadthalle. Foto: Mallmann

Die Theatersaison in Idstein hat gut begonnen: Mit dem 1952 geschriebenen, gleichwohl brandaktuellen Stück „Hexenjagd“ von Arthur Miller in der Stadthalle.

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IDSTEIN. „Hexen gab es schon damals nicht, aber noch immer ist die Welt in der Gewalt von Jägern.“ Mit den letzten Worten, die der Hauptfigur John Proctor in einer Art Nachspiel der neuen Inszenierung von Arthur Millers Schauspiel „Hexenjagd“ quasi in den Mund gelegt werden, wird eine auch in der Gegenwart des Jahres 2018 bestehende Aktualität des Stückes, das der amerikanische Dramatiker 1952 unter dem Eindruck der Kommunistenverfolgung durch Joseph McCarthy geschrieben hatte, deutlich gemacht. „Hexenjagd“ – das ist die wie mit Schneeballsystem funktionierende Verfolgung Andersdenkender oder -handelnder, die sich aus einem System von Denunziation und korrupter Rechtsprechung speist.

Der Dramatiker Miller (1915-2005) nutzte für sein seit seiner Uraufführung 1953 weltweit gespieltes Stück die 1692 in einem Dorf nahe Boston unter den puritanischen Einwohnern aufgekommenen Hexenprozesse als Handlung. Doch erreicht er es, dass der historische Stoff mit seinen Fragen nach Schuld und Sühne, Lüge und Wahrheit vom Beginn seiner Rezeptionsgeschichte an stets auch in aktuellen Bezügen gesehen wird.

Das Euro-Studio Landgraf gastierte mit einer Inszenierung des Bühnenklassikers in der Idsteiner Stadthalle und die Schauspieler um Wolfgang Seidenberg (John Proctor), Hannah Prasse (Abigail), Alexander Kuchinka (Giles Corey, John Willard) und Iris Boss (Elizabeth Proctor) schafften es umgehend, das zahlreiche Idsteiner Publikum beim Auftakt der Winter-Theater-Abo-Reihe in der Stadthalle in ihren Bann zu ziehen.

Wie kann in einem repressiven System von eigener Schuld abgelenkt werden? Indem andere beschuldigt werden. Darum geht es in dem Drama, dessen Handlung um angeblich von Hexerei besessene Mädchen ihren Ausgangspunkt nimmt. Weil sie gegen die strengen puritanischen Regeln des totalen Verzichts auf Vergnügen verstoßen haben und beim wilden Tanz im Wald erwischt wurden, flüchten sich die Mädchen in Besessenheit und beschuldigen unschuldige Mitbürger ebenfalls der Hexerei.

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Das Stück zeigt, wie es schließlich scheinbar unmöglich ist, dem Teufelskreis aus Denunziation und Lüge zu entkommen. Auch wenn am Ende die Einsicht schon da ist, dass jede Menge Unrecht geschehen ist. Nicht ohne Grund nennen die Theatermacher das Stück aus den 50er Jahren „brandaktuell“.