RMF: Liebesqual und Todessehnsucht – Anna Prohaska singt...

Im Rahmen des Rheingau Musik Festivals war die österreichisch-englische Sopranistin Anna Prohaska zu Gast im Kloster Eberbach und schlüpfte in die Rolle zweier Heroinnen der...

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KLOSTER EBERBACH. Keine kann so kunstvoll leiden. Es prädestiniert Anna Prohaska dafür, legendäre Tragödinnen seelisch tief zu erkunden, denen Barock-Komponisten ein Operndenkmal gesetzt haben. Kleopatra und Dido rücken bei diesem hoch spannenden Themenkonzert des Rheingau Musik Festivals in der Basilika von Kloster Eberbach in den Mittelpunkt. Begleitet wird der österreichisch-englische Sopran-Star von „Il Giardino Armonico“ des Flötisten und Dirigenten Giovanni Antonini.

Auf der einen Seite Kleopatra, machtbewusste ägyptische Herrscherin, die römische Eroberer wie Caesar und Marc Anton um den Finger wickelte. Auf der anderen Dido, die sich in den Griechen-Flüchtling Aeneas verliebt hatte, der sich indes alsbald aus dem Staub machte, weil er auf Geheiß von Gott Jupiter Rom gründen musste. Beide scheiterten auf ganzer Linie, was barocke Komponisten Anlass zu erhabener Opernklage gab.

Mit Flöte, Fagott und Theorbe

Henry Purcells Ouvertüre zu „Dido und Aeneas“ hebt gleichsam den imaginären Vorhang. Und zeigt die Tugenden des mit Flöte, Fagott und Theorbe zusätzlich besetzten und historisch bestens informierten italienischen Streichorchesters auf, dessen erregender Sound sich im Kirchenschiff zu vervielfältigen scheint.

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Da gibt es keine unbetonten Taktzeiten, klangliche Opulenz und eine bestürzende Expressivität sind beim All-Star-Ensemble und seinem quirligen Dirigenten Ehrensache. Zudem zielen diese barocken Intermezzi attacca auf die ebenso ausdrucksstarken Arien, in denen Prohaska ihre stimmliche Kunstfertigkeit in blitzsauberen, nie künstlich wirkenden Fiorituren zeigt, die viel Leidensdruck auf- und in leidenschaftlicher Koloratur auch abbaut.

Da kommen vernachlässigte Tonsetzer wie Christoph Graupner und Antonio Sartorio, aber auch die geläufigen Purcell und Händel zu idealem Ton. Prohaskas Liebesqual und Todessehnsucht geht unter die Haut, die noch zwei Arien aus Händels „Giulio Cesare“ und Purcells „Dido und Aeneas“ nachschickt – letztere mit fröhlichem finalen Juchzer...

Von Klaus Ackermann