RMF: Gelungener Liederabend mit Annette Daschund Daniel Behle...

Lied-Duette von Schubert, Brahms und Schumann sangen Annette Dasch und der kurzfristig für den erkrankten Tenor-Kollegen Klaus Florian Vogt eingesprungene Daniel Behle im...

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WIESBADEN. Der Applaus für Daniel Behle konnte gar nicht groß genug ausfallen. Mit seinem spontanen Einspringen für den am Vortag erkrankten Tenor-Kollegen Klaus Florian Vogt rettete er eines der ambitioniertesten Konzerte des Rheingau Musik Festivals. Denn die Lied-Duette von Franz Schubert, Johannes Brahms und Robert Schumann, die Sopranistin Annette Dasch für das letzte Konzert ihrer Festivalresidenz zusammengestellt hatte, sind vorwiegend Programmraritäten. Behle, der 1974 geborene lyrische Tenor, hatte sie sich ganz kurzfristig angeeignet, sozusagen zwischen zwei Bayreuther Auftritten als Lehrjunge David in Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“.

Das gestalterische Mindestmaß, das die beiden Sänger gemeinsam mit ihrem verbindlich stützenden Klavierpartner Wolfram Rieger im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Kurhauses zeigten, war eine solide geführte Deklamation in der eröffnenden Schubert-Gruppe. Zugegeben, völlig Sprödes war darunter, etwa das Dramolett „Cronnan“ D 282 nach James Macpherson: „Ich sitz’ bey der moosigsten Quelle!“ Aber auch der Versuch, das gängige Schubert-Lied „Der Tod und das Mädchen“ mit verteilten Rollen zu singen, gewann nicht die Intensität einer allein solistischen Gestaltung. Vielleicht lag es auch an den sehr unterschiedlichen Ansätzen der Liedinterpretation, denn während Dasch bei dramatischerem Grundverständnis im Zweifel der weitgespannten vokalen Linie den Vorzug vor der klaren Diktion gab, sang Behle mit zahlreichen feinen Zäsuren und rückte dabei den Text stärker in den Vordergrund.

Durchlässige Gattungsgrenzen

Diese Spannung passte schon besser zu den vier Duetten op. 28 von Johannes Brahms, sorgte aber vor allem für eine höchst vital gestaltete Schumann-Gruppe in der zweiten Programmhälfte: Schließlich gerieten hier die Gattungsgrenzen zwischen Lied und Gesangsszene schön durchlässig, im frechen Anbahnen der Liebe („Unter’m Fenster“ op. 34/3) wie im pianosehnsuchtsvollen Anhimmeln („Er und Sie“ op. 78/2). Das forsche Rückert-Lied „Die tausend Grüße“ op. 101/7 wiederholten Dasch und Behle als erste Zugabe, während die zweite, „Da unten im Tale“, die Folge deutscher Volkslieder von Johannes Brahms verlängerte. In ihnen wirkten beide Solisten mit völlig einträchtig natürlichem Ausschwingen an der Quintessenz des gemeinsamen Liedgesangs angekommen.