Mainzer Jazzpianist und Echo-Preisträger Sebastian Sternal...

Nach dem Eklat wegen des antisemitisch gefärbten Auftritts der Rapper Kollegah und Farid Bang bei der Echo-Verleihung hat der Bundesverband Musikindustrie entschieden, den...

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MAINZ. Nach dem Eklat wegen des antisemitisch gefärbten Auftritts der Rapper Kollegah und Farid Bang bei der Echo-Verleihung hat der Bundesverband Musikindustrie entschieden, den bekanntesten deutschen Rock/Pop-Musikpreis, der auch in den Kategorien Jazz und Klassik verliehen wird, in seiner bisherigen Form abzuschaffen. Wir sprachen mit dem Mainzer Jazz-Klavier-Professor und zweifachem Jazz-Echo-Preisträger (2013, 2016) Sebastian Sternal, der auch in diesem Jahr zweimal für den Jazz-Echo in den Kategorien bestes Ensemble und bester Pianist nominiert ist. Die Preisträger 2018 sollen in Kürze bekannt gegeben werden.

Herr Sternal, wie beurteilen Sie das Aus für den Rock/Pop-Echo?

Irgendeine Konsequenz musste natürlich aus den vergangenen Wochen gezogen werden. Ob ein Aus für den gesamten Preis die richtige ist, da bin ich mir nicht so sicher. Denn auf diese Weise werden ja alle bisher verliehenen Preise gewissermaßen abgewertet. Eine gut kommunizierte und grundlegende Umstrukturierung der Vergabekriterien und ein Wiederaufbau der Marke „Echo“ wäre vielleicht auch denkbar gewesen. Aber ich kann natürlich verstehen, dass der Wunsch nach einem klaren Schnitt da ist ...

Die Verleihung des Rock/Pop-Echos bemisst sich allein nach den Verkaufszahlen der Tonträger. Nach welchen Kriterien wird der Jazz-Echo verliehen?

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Der Jazz-Echo wird seit jeher durch eine reine Jury-Entscheidung vergeben, bei der ausschließlich die künstlerische Qualität zählt – unabhängig vom Verkaufserfolg – ähnlich wie beim amerikanischen Musikpreis „Grammy“.

Glauben Sie, dass es weiterhin einen Jazz-Echo geben wird?

Davon gehe ich aus – vielleicht aber unter anderem Namen.

Sehen Sie den Musikpreis jetzt insgesamt diskreditiert?

So was schadet der Gesamt-Marke „Echo“ natürlich, das ist klar, aber: Da der Echo Jazz – genau wie der Echo Klassik – von Beginn an ganz anders strukturiert war und die künstlerische Qualität im Vordergrund steht, muss man hier schon differenzieren. Zudem steht Jazz wie keine andere Musikform für Völkerverständigung, Weltoffenheit und Toleranz – das ist die DNA dieses Genres. Eine Kontroverse, wie sie gerade im Umfeld des Echo Pop entstanden ist, wäre demnach für den Bereich Jazz gar nicht denkbar.

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Das Interview führte Michael Jacobs.