Lupenreine Tongebung in der Stadtkirche

Der Landesjugendchor NRW begeisterte die Zuhörer seines Konzerts in der Darmstädter Stadtkirche am Sonntag mit lupenreiner Intonation und klanglicher Transparenz.

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DARMSTADT. Unter dem Motto "Zeitenklänge-Weltenklänge" stand das Konzert des Landesjugendchores NRW am Sonntag in der Stadtkirche. Der Auftritt in Darmstadt war die letzte Station einer einwöchigen Konzertreise, die die international erfolgreichen Sänger im Alter von 16 bis 28 Jahren bis nach Südtirol geführt hatte.

Das Ensemble, das von dem Dirigentenehepaar Christiane Zywietz-Godland und Hermann Godland geleitet wird, benötigte keinerlei Warmlaufphase, um seine Zuhörer mit lupenreiner Intonation und klarer, eindringlicher Tongebung zu begeistern.

Sicheres Stilempfinden für Alte Musik

Punktgenau präpariert, lieferten die Sängerinnen und Sänger in Heinrich Schütz' Chorsatz "Verleih uns Frieden" ein Höchstmaß an klanglicher Transparenz und Ausgewogenheit. Aus der schlanken Stimmführung und dem kontrollierten Vibrato sprach ein sicheres Stilempfinden für Alte Musik.

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Dennoch haftet dem Gesang an keiner Stelle etwas Trockenes, Akademisches an - in den geschliffenen Phrasen lag vielmehr eine bewegende Ausdruckskraft. Die Rezeptur aus präzisem Feinschliff und emotionaler Intensität erwies sich auch in Mendelssohns Vertonung derselben Lutherworte als ausgesprochen wirkungsvoll. Das kraftvolle Volumen, zu dem sich die Stimmen in den dramaturgisch gekonnt gesetzten Höhepunkten ballten, war nicht das Ergebnis vokaler Kraftanstrengung, sondern resultierte aus dem hervorragenden Stimmsitz und der fokussierten Tongebung des Chores.

So flexibel wie das Ensemble eingestellt war, konnte das Dirigentenpaar seine musikalischen Vorstellungen eins zu eins umsetzen. Formbar wie Wachs ließ der Chor jede kleinste dirigentische Geste klanglich Gestalt annehmen. Die besondere Qualität resultierte nicht zuletzt aus der ausgeprägten Musikalität seiner Mitglieder.

Unter den jungen Chorsängern sind nicht nur angehende Gesangssolisten, sondern auch Chorleiter und Kirchenmusiker, die während des Konzertes einige Kostproben ihres Könnens gaben und mit beachtlicher Souveränität als Dirigenten einsprangen. Zu den Höhepunkten des Programms gehörte neben der gewitzten Deutung von Georgij Swiridows lautmalerischen Impressionen "Zapfenstreich" und "Weißgeflügelte Elster", der rhythmisch auf den Punkt gebrachte Vortrag von Heribert Fecklers eigens für den Landesjugendchor geschriebenen Auftragskomposition "Keep Your Faith".

Starken Eindruck hinterließ auch Christian Roß' flammende Interpretation von Regers Präludium in e-Moll op. 59 an der Orgel.