Holger Falk und Steffen Schleiermacher mit ihrem neuen...

Das „Heidenröslein“ sollen andere pflücken, auch „Die Forelle“ ist nicht Fach. Wenn der Frankfurter Bariton Holger Falk Lieder singt, sind das die der deutlich...

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MAINZ/WIESBADEN/DARMSTADT. Das „Heidenröslein“ sollen andere pflücken, auch „Die Forelle“ ist nicht Fach. Wenn der Frankfurter Bariton Holger Falk Lieder singt, sind das die der deutlich unbekannteren Art. Auf CD hat er gleich mehrere Folgen von Poulenc-, Satie- und Rihm-Lieder aufgenommen, der Pianist an seiner Seite ist dabei oft und gern der Leipziger Steffen Schleiermacher. Mit ihm startete Falk jetzt ein neues Lieder-Großprojekt: Eine auf vier CDs angelegte Auswahl aus den rund 500 Liedern des Komponisten Hanns Eisler.

Folge eins ist bereits erschienen, darauf so bekannte Eisler-Titel wie das „Solidaritätslied“ („Vorwärts, und nicht vergessen…“), das „Bankenlied“ oder das „Einheitsfront-Lied“. Und Rares wie „Das Lied vom Anstreicher Hitler“ oder „Wenn der Igel in der Abendstunde“. Die Texte stammen fast ausschließlich von Bertolt Brecht, es geht um Wirtschaftskrise, Arbeitertum und um das, was sich in den 1930er alles bereits abzeichnete.

Falk und Schleiermacher bilden ein hervorragendes Duo für den Tonfall Eislers, der mal agitatorisch ist, mal ungeahnt verführerisch, mal Revue-Song sein kann, mal Belehrungsballade oder dunkle Prophezeiung. Es sind ungemein schöne Lieder, manche textlich natürlich aus der heutigen Zeit gefallen, nie aber sind sie plump oder großmäulig.

Falks Bariton: Offen, ungekünstelt, klar deklamierend, derb dort, wo es derb klingen darf. „Eisler zu singen, heißt die Farben und Charaktere dieses Jahrhunderts stimmlich auszudrücken“, betont der Sänger. „Lyrisch und warm, intellektuell und scharf, schauspielerisch und leger, proletarisch und agitierend, sperrig und atonal, schlicht und fein – so singt sich Eisler. Er verlangt äußerste Durchlässigkeit und Ehrlichkeit. Künsteln ist dieser Musik zuwider. Man hört sofort die Lüge. Triffst Du den Ton, bist Du berührt.“

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Und das stimmt, diese Musik nimmt gefangen, auch wenn man weiß, dass genau das ihr Zweck war.

Eisler selbst definierte sie als Kampfmusik: „Das Kampflied ist das eigentliche Volkslied des Proletariats“, sagte 1935 der Komponist. Die kämpferische Linke versteht sich eben auf Niveau. Nach Hamburg dieser Tage keine Selbstverständlichkeit mehr.