Frankfurter Duo „Les Trucs“ bei der Wiesbadener Biennale

„Les Trucs“ begreifen sich als 2-Mensch-Ding-Orchester, das Klangkonzepte für Städte liefert. In der Schwalbacher Straße mischen sie Mittel des Theaters und elektronische Musik.

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WIESBADEN. In der Mitte der Operationstisch. Die Instrumente liegen bereit: Synthesizer, Mischpulte, Drum-Computer und Effektgeräte, zusammengehalten von einem schier endlosen Gewirr aus Steckern und Kabeln. Die Operateure selbst erscheinen als Mensch-Maschinen, die weniger an die künstlich-unterkühlte Inszenierung von Kraftwerk erinnern als an alte Science-Fiction-Dystopien.

Mit ausreichend Nostalgie kann man in ihrer rucksackähnlichen Apparatur aus Mikrofon und flackernden LED-Lichtern auch eine Hommage an Ivan Reitmanns Science-Fiction-Komödie „Ghostbusters“ erkennen. Das Spiel mit den Referenzen ist jedenfalls eröffnet.

Klangkonzepte für urbane Orte

„Les Trucs“ nennt sich das Musik- und Performance-Duo aus Frankfurt. Sie selbst begreifen sich als 2-Mensch-Ding-Orchester, das Klangkonzepte für urbane Orte liefert. Auf dem Biennale-Sonnendeck in der Schwalbacher Straße sezieren sie unseren Körper mit den Mitteln des Theaters und der elektronischen Musik. Sie feiern lustvoll-absurd die Milz und andere eher vergessene Organe – „60 bis 100 Gramm, schaut was ich alles kann“ – die Haut, die Faszien, die Leber und überhaupt das ganze wundersame Kraft- und Gesamtkunstwerk Mensch.

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„Jardin du Boeuf“, der Fleischgarten, heißt das dazugehörige Konzeptalbum, das als Musik vor allem dann funktioniert, wenn sich Charlotte Siemon und Torben Piel tief in ihre Elektronik vergraben und deren Manipulations- und Modulationsmöglichkeiten spontan ausnutzen. Die Performance selbst wirkt in Wiesbaden wie abgespeckt. Möglich, dass sie in geschlossenen, eher clubartigen Räumen einen anderen Sog entfacht als unter freiem Himmel mit all den obligatorischen Lärmschutzregeln.

Menschen-Maschinen im künstlichen Nebel

Hier und heute bleibt man auf Distanz, so sehr Siemon und Piel auch darum kämpfen, die unsichtbare Schranke zwischen Bühne und Publikum zu unterlaufen. 45 Minuten dauert ihr Kurz-Auftritt, dann verschwinden die Mensch-Maschinen wieder im künstlichen Nebel.