Die Lochis im Interview

Bei Anruf Spaß: Heiko und Roman Lochmann unterhalten mit Videos, sie haben eine neue Platte, gehen jetzt auf Tour und drehen 2019 einen neuen Film.

Als Youtuber sind Roman und Heiko Lochmann bekannt geworden. Am Freitag, 31. August, kommt ihr zweites Album "#whatislife" (Warner) heraus.

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DARMSTADT. "Die Lochis" leben in Darmstadt und im Netz. Als Youtuber sind Roman und Heiko Lochmann bekannt geworden. Am Freitag, 31. August, kommt ihr zweites Album "#whatislife" (Warner) heraus. Im Interview sprechen sie über die Aufnahmen in Thailand und ihren neuen Film, über Heimat, schlechte Laune, gute Ideen und politische Zurückhaltung.

Dieser Tage kommt das zweite "Lochis"-Album heraus. Aufgenommen haben Sie es im thailändischen Chon Buri. Dabei geht es vielfach um Themen des jugendlichen Alltags. Warum dafür in die Ferne schweifen?

Heiko Lochmann: Die Songs haben wir ja schon in den vergangenen zweieinhalb Jahren geschrieben. Beim Produzieren wollten wir dann ein bisschen Abstand, neue Inspiration, neue Bilder. Wir waren mit unserem Team von Mitte Januar bis Anfang März sechs Wochen in Thailand.

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Roman Lochmann: Für die Videos waren wir auch in Singapur und in Hongkong. Es war für uns das erste Mal in Asien. Schon krass, wie anders es dort ist. In den Karma-Sound-Studios haben wir auch geschlafen und gelebt. Wir haben das Studio tatsächlich selten verlassen, außer um Sport zu machen und für die Show "Let's Dance" zu trainieren. Das war also alles andere als Urlaub.

Ihre Musik lebt ja auch von den deutschen Texten. Könnte Asien denn da ein Markt sein?

Heiko Lochmann: Wir haben auch schon auf unserer USA-Tour 2017 mit dem Goethe-Institut durch High-Schools gemerkt, dass die Musik die eigentliche Sprache ist. Es geht um die Emotionen. Das war in Thailand genauso, da waren auch Thais im Studio, die haben das gefeiert, ohne ein Wort zu verstehen. Am Ende geht es um den Vibe.

Roman Lochmann: Aber trotzdem bleiben wir schon beim deutschsprachigen Markt.

Sie beide sind in Goddelau groß geworden, in Frankfurt zur Schule gegangen, leben in Darmstadt, haben noch ein Büro in Berlin und sind auch sonst ständig unterwegs. Wo ist Ihre Heimat?

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Heiko Lochmann: Das ganze Ried, Rhein-Main, der Großraum um Frankfurt ist für uns Heimat. Darmstadt fühlt sich super vertraut an. Hier sind tausend Erinnerungen, Anekdoten aus meiner Kindheit.

Roman Lochmann: Darmstadt ist ein Ruhepol: wo Mama und Papa sind, wo unsere Freunde sind, wo wir wissen, der nächste Dönerladen ist links ums Eck, wo man sich um nichts Gedanken machen muss. Da kommen wir zur Ruhe.

Heiko Lochmann: Wir mögen es ja so: immer weiter, immer höher. Aber wenn man die ganze Zeit rennt, zwischendurch nicht mal eine Verschnaufpause macht, bleibt einem die Luft weg.

Sie stellen sich ja auch sehr oft Ihren Fans - leibhaftig und über die sozialen Medien. Dabei scheinen Sie immer gute Laune zu haben. Wann sind Sie mal mies drauf? Und was machen Sie dann?

Roman Lochmann: Es gibt auf jeden Fall Momente, da sind wir scheiße drauf. Man muss das aber nicht groß nach außen tragen. Man findet in jeder Situation auch was Positives, das kann man dann in der Musik oder in Videos verarbeiten.

Heiko Lochmann: Wenn es einem nicht so gut geht, kommen einem die besten Ideen.

Sie beide drehen Kinofilme und Youtube-Sketche, machen bei Fernsehshows mit, stehen auf der Bühne und im Studio. Was ist denn das künstlerische Kerngeschäft der "Lochis"?

Roman Lochmann: Bekannt geworden sind wir durch Youtube, und viele nennen uns auch heute noch Youtuber. Aber wir haben auch immer schon Musik gemacht. Erst danach kamen Kino und Fernsehen dazu.

Heiko Lochmann: Wir können uns nicht 100 Prozent festlegen, aber wir brennen für die Musik. Wir wollen unser Leben lang machen, was uns Spaß macht, dann haben wir auch die nötige Energie, um dranzubleiben. Am Ende ist es die Musik.

Aber einen zweiten Kinofilm soll es auch geben. Schon vor einem Jahr wurde "Abikalypse" mit Matthias Schweighöfer als Produzent angekündigt. Wie steht es damit?

Heiko Lochmann: Der Film wird anders heißen. Wir haben das Projekt auf 2019 geschoben, wegen "Let's dance", dem Album und der Tour und um uns voll darauf zu konzentrieren. Matthias Schweighöfer wird auf jeden Fall Teil des Teams sein.

"Die Lochis" senden ja auf vielen Kanälen, kommunizieren ständig mit den Fans. Dabei geht es aber nicht um die Dinge, die gerade die Gesellschaften der Welt erschüttern. Ist Ihre Generation unpolitisch, oder sind Sie es?

Roman Lochmann: Wenn uns wirklich was bewegt, sagen wir es auch, bei politischen Sachen halten wir uns zurück. Wenn wir uns nicht so gut auskennen, wollen wir keine Halbwahrheiten verbreiten, das ist ja mit einer Riesenverantwortung verbunden, wenn wir da was rausposten. Wir sind Entertainer, und bei unserem sehr jungen Publikum müssen politische Aussagen echt gut überlegt sein.

Heiko Lochmann: Aber uns ist es wichtig bestimmte Werte zu vermitteln. Respekt, Toleranz, positives Denken - wir sind gegen Hass. Wir haben eine Meinung, die wir auch vertreten, wollen aber sicher sein, wenn wir was sagen, dass wir voll dahinterstehen.

Roman Lochmann: Die Welt ist noch oberflächlicher geworden, das hab ich neulich auch auf Instagram angesprochen. Es gibt viele Mädchen, die fühlen so einen Druck, perfekt zu sein. Ich nenne es das Kardashian-Syndrom. Alles muss gemacht sein, nur Markenklamotten. Wenn du kein Gucci trägst, hast du verkackt. Das nervt mich. Wenn dazu noch Mobbing kommt, ist das ja voll die Katastrophe. Das sind unsere Themen, die sind voll im Alltag drin. Da sind wir relativ nah dran, da wollen wir versuchen, auch was zu verändern.