Peter Sloterdijk besucht vor der Preisverleihung noch die...

Peter Sloterdijk war ihnen zwar nicht die Nacht zuvor als Traumgestalt erschienen, als er aber am Montagvormittag leibhaftig im Klassenraum der Diltheyschule auftritt, können...

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WIESBADEN. Peter Sloterdijk war ihnen zwar nicht die Nacht zuvor als Traumgestalt erschienen, als er aber am Montagvormittag leibhaftig im Klassenraum der Diltheyschule auftritt, können interessierte Schülerinnen und Schüler ihn persönlich zu Traumdeutungen befragen. Vor dem abendlichen Festakt zur Verleihung des Helmuth-Plessner-Preises an den Philosophen aus Karlsruhe im Rathaus war Professor Tilman Allert einmal mehr seiner Philosophie-Vermittlerrolle gerecht geworden und hatte Ute Preuße-Hüther, kommissarische Schulleiterin, für eine Gesprächsrunde in der Diltheyschule gewinnen können.

Leise spricht er und leicht nasal

Paarunddreißig Interessierte aus Abschlussklassen und Ethik-Kurs sitzen in Halbkreisen vor dem „Orakel von Delphi“, das die Titulierung unmittelbar zum Anlass nimmt, den Weissagungskult der Antike zu beschreiben und die Bedeutung des Traums noch vor allen Traumdeutungen anzusprechen. Leise spricht er und leicht nasal. Wortmeldungen kommen vor allem von Mädchen. Sie stellen Fragen zu Grundlagen des Denkens, zu Religion und Demokratie – Sloterdijk antwortet mit Rekurs auf Philosophiegeschichte: Wie sah der Seelenraum in der Antike aus? Wann wurde „Fortuna“ zum ersten Mal positiv bewertet? Worin besteht die Rolle der Vernunft? Er lehrt Geschichte: „Die Athener Demokratie beginnt auf den Ruderbänken der Flotte“ (Rekrutierung und allgemeine Finanzierung durch Themistokles im 5. Jahrhundert v. Chr.). Und er setzt Sentenzen: „Spiel mit dem, was mit dir spielt.“

Auch wenn er mal als „Lexikon“ benutzt wird, er zur Frage nach Gut und Böse seine Bibliothek vermisst, die zur „déjà-vue“-Erklärung unbeantwortbar bleibt – Peter Sloterdijk geht auf alle Äußerungen der Schülerinnen und Schüler ernsthaft überlegt ein und erklärt mit großer historischer Kenntnis und viel Realitätssinn. Nach anderthalb intensiven Stunden: Gegenseitiger Dank, Geschenk und Gratulation zum Preis. Auch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an diesem Gespräch ist zu gratulieren, und vielleicht taucht Sloterdijk ja hin und wieder als „Tagesrest“ (Tilman Allert als bewährter Moderator) in ihren künftigen Träumen auf.