ZDF-Serie über eine freche Journalistin startet

Die engagierte und unbequeme Journalistin Zarah Wolf (Claudia  Eisinger) kämpft in der neuen ZDF-Serie „Zarah“ gegen die patriarchalen Strukturen eines Wochenmagazins.  Foto: ZDF  Foto: ZDF

Eine Werbeagentur der 70er-Jahre stand im Mittelpunkt der exzellenten Fernsehserie „Mad Men“, die vor einigen Jahren zu einem Welterfolg wurde. Die Geschichten um den...

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MAINZ. Eine Werbeagentur der 70er-Jahre stand im Mittelpunkt der exzellenten Fernsehserie „Mad Men“, die vor einigen Jahren zu einem Welterfolg wurde. Die Geschichten um den smarten New Yorker Werbefritzen Don Draper, die aufstrebende Texterin Peggy Olson und ihre Kollegen heimsten zahlreiche Preise ein. Jetzt will das ZDF mit einer ganz ähnlich gestrickten TV-Serie punkten: In „Zarah“ geht es um eine Zeitschriftenredaktion in den 70er-Jahren in Hamburg, in der sich eine junge und emanzipierte Journalistin als stellvertretende Chefredakteurin behaupten muss. Mit dem fulminanten „Mad Men“ kann die von den Drehbuchautoren und früheren Journalisten Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene Serie zwar nicht mithalten. Doch die sechsteilige Journalistensaga punktet damit, dass sie einen ungewöhnlichen Stoff behandelt und weitab vom arg strapazierten Krimigenre angesiedelt ist. Das ZDF zeigt „Zarah“ ab diesem Donnerstag immer donnerstags um 21 Uhr.

Die Serie spielt in den wilden 70er-Jahren, als Zeitschriften wie „Stern“, „Quick“ oder „Bunte“ Millionenauflagen hatten und gelegentlich mit ihren Titelbildern und Aufmachern für Aufregung sorgten, die nicht selten gesellschaftlich relevante Diskussionen nach sich zogen. So spielte beispielsweise der „Stern“ beim Kampf gegen den Abtreibungsparagrafen 218 eine wichtige Rolle, seine Titelgeschichte „Wir haben abgetrieben!“ sorgte 1971 für einen Skandal. Gang und gäbe waren damals aber auch Titelbilder mit nackten oder leicht bekleideten jungen Frauen, die vor allem bei Feministinnen Unmut erzeugten. Mit prallen Busen auf dem Titel will auch das fiktive Magazin „Relevant“ in der neuen Serie „Zarah“ Käufer am Kiosk anlocken. Die Illustrierte ist also streng genommen kein geeigneter Arbeitgeber für die aufstrebende Journalistin und Frauenrechtlerin Zarah Wolf (Claudia Eisinger), die sich mit Büchern über Emanzipation und Selbstverwirklichung einen Namen gemacht hat. Doch genau deshalb ist sie von Verleger Frederik Olsen (Uwe Preuss) angeheuert worden, sie soll frischen Wind in die Redaktion in Hamburg bringen.

„Der Abwehrkampf der Alpha-Männer“

Bei Chefredakteur Hans-Peter Kerckow (Torben Liebrecht) und seinen Mitarbeitern stößt die junge Kollegin mit den roten Haaren und der frechen Schnauze jedoch auf wenig Gegenliebe. In der Volontärin und Verlegernichte Jenny Olsen (Svenja Jung) findet Zarah aber nicht nur eine Verbündete, sondern auch eine Geliebte. Sie stürzt sich mit Feuereifer in die Arbeit, ändert eigenmächtig Titelbilder, organisiert eine Demo gegen das Abtreibungsverbot, schreibt eine aufrüttelnde Reportage über Prostitution und bekommt Besuch von einer Freundin, die zur RAF-Terroristin geworden ist.

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Mit viel Zeitgeistkolorit erzählt „Zarah“ die Geschichte einer Frau, die sich in der Medienwelt behauptet, was in den 70er-Jahren alles andere als selbstverständlich war. „Der Abwehrkampf der Alpha-Männer gegen Frauen in Führungspositionen, Sexismus in den Medien, häusliche Gewalt und ungleiche Bezahlung, der ganz alltägliche Chauvinismus – das sind Themen, die in den 70er-Jahren auf die Agenda kamen und 2017 nichts von ihrer Brisanz verloren haben“, glaubt Eva Zahn, die gemeinsam mit ihrem Mann Volker A. Zahn das Drehbuch für die Serie geschrieben hat.