Trickfilm „Achteraus“ gewinnt Film-Wettbewerb in Weiterstadt

Nachts und draußen: Kurzfilme entfalten im Dunkel des Braunshardter Tännchens eine besondere Bannkraft. Foto: Andreas Kelm

Super 8 ist als Format längst aus der Mode. Doch beim Open Air im Braunshardter Tännchen bieten die Festivalmacher dem Schmalfilm eine Nische.

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WEITERSTADT. Schon 1977, als sich das Braunshardter Tännchen zum ersten Mal als „Open-Air Filmfest Weiterstadt“ in ein Freiluftkino verwandelte, wurde mit der Vorführung von Super 8-Filmen ein Grundstein für zukünftige Ausgaben des Festivals gelegt. Mitte der sechziger Jahre eingeführt, bot der Schmalfilm mit all seinen Eigenarten kreatives Potential, das von den Organisatoren des Filmfests für ein selbst gedrehtes Vorprogramm genutzt wurde. Auch in diesem Jahr, während der nunmehr 43. Auflage des Festivals, würdigten die Organisatoren das Super 8-Format im Rahmen eines Wettbewerbs am Samstagabend.

Den Startschuss bildete die Kriegsfilm-Hommage „Opération Chaperon Rouge“ von Michel A. Chappuis. In dem aufwendig inszenierten Film zeigt der Regisseur eine Gruppe Revolutionäre, die sich auf gesperrtes Militärgebiet schleicht und für Chaos sorgt. Im anschließenden Interview mit Andreas Heidenreich, einem der Organisatoren, erzählt der Regisseur von der Produktion des Films. So seien 60 Sequenzen geplant gewesen, die ohne Schnitt und in der richtigen Reihenfolge auf der 15 Meter Filmmaterial umfassenden Super 8-Kassette gedreht werden mussten.

Grund zum Schmunzeln gab es bei „Come up“ von Stefan Möckel, der in Weiterstadt schon 2009 für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Zu sehen ist ein älterer Mann, der mit mahnendem Zeigefinger nach oben schaut und in feinster Mundart dem Kameramann droht: „Wart’ nur wenn ich nuff komm!“. Der Film selbst sei ein Flohmarktfund, erzählt Möckel, den Ton habe er im Nachhinein eingefügt.

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Auch „Konfliktbewältigung in Partnerschaften“ von Manuel Francescon und Michael Sommermeyer, der an diesem Abend den dritten Platz des Wettbewerbs belegt, ist ein Flohmarktfund. Als bissiger Kommentar auf die ungleiche Arbeitsverteilung zwischen Mann und Frau, zeigt sich am Ende, dass manchmal nur ein guter Tropfen den häuslichen Frieden wahren kann.

Deutlich düsterer hingegen präsentiert sich Magnus Irvins „Küchenstein. A Symphony of Terror“. Als Verbeugung vor dem Horrorkino der Dreißiger und Mary Shelleys Literaturklassiker „Frankenstein“ dreht sich der Film um einen wahnsinnigen Doktor und sein Monster – halb Mensch, halb Kuchen. Das Publikum wählte den Beitrag auf Platz zwei.

Kurios auch der diesjährige Sieger: „Achteraus“ von Gunnar Grah, Andreas Kersten und Florian Rau. Probleme in den Berliner Stadtwerken sorgen für Störungen in der Raumzeit – was etwa dazu führt, dass sich ein Glas beim Befüllen immer weiter leert. Um solche Tricks zu verwirklichen, wird der Film rückwärts und gespiegelt abgespielt, was die Macher während des Drehs dazu zwang, gleich doppelt um die Ecke zu denken.

Angesichts solcher Filme muss einem um den Fortbestand der Kunstform Super 8 zumindest in Weiterstadt nicht bange sein.