Schunkeln für den Weltfrieden

Wo ist die CIA, wenn man sie braucht, fragt Kabarettist Robert Griess mit Trump-Maske in der Hand. Foto: Dirk Zengel

Robert Griess gastiert mit seinem Kabarettsolo "Hauptsache es knallt!" im Darmstädter Halbneun-Theater

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DARMSTADT. Immer diese "Downer-Themen", also diese miesen Botschaften, die einen runterziehen. Dem setzt Robert Griess gerne etwas entgegen, als Kölner den Karneval für ein glückliches Leben. Was wäre Syrien, wenn statt der Fassbomben Dosenbier, gespendet vom Karnevalsverein, vom Himmel gefallen wäre? Statt Kiffen ein sanfter Bierrausch, der die Menschen zusammenführt beim gemeinsamen Schunkeln?

"Wenn auch der Muselmann schunkelt, wäre die Welt friedlich", sagt der Kabarettist Robert Griess am Samstagabend im knapp halbvollen Halbneun Theater, denn "dieser Tanz für uns Männer - wir dürfen nämlich sitzenbleiben" - stehe für menschliche Freiheit und sei damit tiefer Ausdruck der conditio humana. Der Beweis: "Tiere schunkeln nicht!"

Diesem "lebensbejahenden Rhein'schen Friedensplan" stellt er den Kölner Sumpf entgegen - "wir nennen es Brauchtum in Köln" - und erinnert darüber hinaus an die Silvesternacht 2015, als "der Mob", "angeblich Geflüchtete - dabei waren es Kleinkriminelle, die schon kurz vorher nach Deutschland gekommen waren", auf dem Domplatz sexuell übergriffig wurden. "Ja, die haben wohl vergessen, dass man hier die Leute nicht vor der Kirchentür begrapscht".

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"Hauptsache es knallt!" heißt sein Solo. Und bei diesen Pointen lässt es Robert Griess tatsächlich knallen. Es gelingt ihm besonders, wenn er bei einem Thema länger verweilt. Ein wenig mehr Dramaturgie und weniger Sprunghaftigkeit täte aber den meisten Szenen gut. So kommt der erste Teil seines Kabaretts schleppend in Gang, da kalauert er von Politiker-Gag zu Politiker-Gag, manches hat man so oder ähnlich schon gehört, die Politikerinnen nicht zu vergessen, deren Äußeres (Nahles, Merkel) dann auch Gegenstand seiner Witze ist. Bei den Herren sind es die Inhalte - das braucht man eigentlich nicht mehr, wie manche Formulierung, die unter die Gürtellinie geht.

So glückt einiges, anderes weniger. Als Ruhrpott-Proll in glitzernder Trainingsjacke wettert Geiss gegen BWL-Studenten auf Karriereleitern und absurde Boni-Systeme. Er erzählt, wie er überalterte Waldorfschulen-Mamis beim Elternabend aufmischt ("die beziehen Rente und Kindergeld gleichzeitig") mit dem Schriftzug "Sex-Coach" nebst Handynummer auf dem Shirt. Mit Trump-Maske fragt er sich, seit Trump gewählt wurde: "Wo ist eigentlich die CIA, wenn man sie braucht?" Für Deutschland konstatiert er das schnelle Ende der Willkommenskultur sowohl 1989 als auch den Flüchtlingen gegenüber. Und zu Frankreich: "Der Macaron und die Gelbwesten", die wüssten immerhin seit der Französischen Revolution, was Revolte bedeute, "bei uns ist Revolte, wenn ich statt der blauen, die gelbe Mülltonne vors Haus stelle."